Finanzen

Goldpreis: Wie die US-Präsidentschaftswahlen 2024 die Märkte beeinflussen

Der Goldpreis steht rund um die US-Präsidentschaftswahlen im Fokus der Anleger. Die Wähler in den USA dürfen nun mit ihrer Stimme entscheiden, wer ins Weiße Haus einzieht: der Republikaner Donald Trump oder die US-Vizepräsidentin und Demokratin Kamala Harris? Und von welchen wirtschaftspolitischen Ansichten profitieren die Märkte - insbesondere der Goldpreis?
05.11.2024 16:20
Lesezeit: 5 min
Goldpreis: Wie die US-Präsidentschaftswahlen 2024 die Märkte beeinflussen
Goldener Bär und goldener Bulle: Wäre eine US-Präsidentin Harris oder ein US-Präsident Trump langfristig besser für positive Stimmung bei den Investoren? (Foto: iStockphoto/Bet_Noire) Foto: Bet_Noire

Laut jüngster Umfragen liefern sich Donald Trump und Kamala Harris ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Einzug ins Weiße Haus. Doch die Chancen für die Demokratin, neue US-Präsidentin zu werden, sind gestiegen. Eine aktuelle Umfrage des Selzers Institut sieht Harris im US-Bundesstaat Iowa vor dem Republikaner Trump. Demnach käme Harris in Iowa auf 47 Prozent der Stimmen und Trump lediglich auf 44 Prozent. Das konservative Iowa ist eigentlich Republikanerland und kein sogenannter Swing State. Dass Kamala Harris hier vorne liegen soll, ist mehr als überraschend - und möglichweise ein Fingerzeig in Richtung landesweitem Wahlausgang.

Goldpreis profitiert von Unsicherheiten

Dennoch rechnen Beobachter mit einer sehr engen Entscheidung, die sich auch noch mehrere Tage nach der Stimmabgabe hinziehen könnte. Eine feste Deadline zur Verkündung des Wahlergebnisses oder von vorläufigen Stimmenkonstellationen gibt es in den USA jedenfalls nicht. Normalerweise laufen die ersten Hochrechnungen in der Nacht zu Mittwoch deutscher Zeit ein. Die vorläufigen Ergebnisse aus den einzelnen Bundesstaaten basieren übrigens auf der Einschätzung der Medien.

Besonders spannend: Da die USA ein riesiges Flächenland sind, besteht zwischen den Bundesstaaten an der Ostküste und den Bundesstaaten an der Westküste ein Zeitunterschied von mehreren Stunden. Die sogenannten Swing States, in denen keine Partei eine eindeutige Mehrheit hat und in denen mal die Demokraten und mal die Republikaner gewinnen, befinden sich nicht nur im Osten der USA. Zwei Staaten, Nevada und Arizona, liegen im Westen der USA - und deren Wahlergebnis läuft mit als letztes ein.

Ist das Ergebnis sehr knapp, muss sogar von Hand neu ausgezählt werden, wie das beispielsweise im Jahr 2000 der Fall war. Damals lagen der Republikaner George W. Bush und der Demokrat Al Gore im Bundesstaat Florida so dicht beieinander, dass erst nach fast drei Wochen der Wahlausgang offiziell zugunsten von Bush feststand. Auch bei der Wahl 2020 war das Rennen zwischen Donald Trump und Joe Biden so eng, dass der Sieg des Demokraten Biden erst fünf Tage nach Ende der Stimmabgabe endgültig feststand.

Ein langwieriger Wahlausgang dürften den Goldpreis kurzfristig nach oben treiben - oder ihn zumindest weiterhin auf Rekordniveau halten. Das gilt auch, falls es infolge des Wahlausgangs zu gewalttätigen Ausschreitungen kommen sollte. Diese werden befürchtet, wenn Donald Trump knapp nicht gewinnt. Selten zuvor waren die Sicherheitsvorkehrungen in den USA so hoch wie bei der US-Präsidentschaftswahl 2024, rund um das Weiße Haus in Washington D.C. wurde ein Hochsicherheitsbereich eingerichtet. Der Sturm auf das Kapitol vom 6. Janaur 2021 soll sich auf keinen Fall so oder in ähnlicher Form wiederholen.

Doch wer wäre langfristig für einen steigenden Goldpreis und eine positive Stimmung bei den Investoren besser? Kamala Harris oder Donald Trump?

Wer ist besser für den Goldpreis? Trump oder Harris?

Sowohl Donald Trump als auch Kamala Harris planen laut ihres Wahlprogramms weitere Schulden. Weil weder der Republikaner noch die Demokratin den riesigen Schuldenberg der USA verringern wollen, warnt unter anderem Maria Vassalou, Leiterin des Pictet Research Institutes, vor einer dramatischen Überschuldung, die unumkehrbar sein könnte. Mittlerweile sind die Schulden der USA auf über 35 Billionen Dollar angewachsen, was 124 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Der US-amerikanische Schuldenstand der USA liegt jetzt mehr als dreimal so hoch wie zur Jahrtausendwende. Die grundlegenden Fakten sprechen also auch langfristig für den Besitz der bewährten Krisenwährung Gold.

Die US-Aktienmärkte haben einen Sieg Donald Trumps fest eingepreist, wie die Aussagen von Finanzprofis an der Wall Street zeigen. Doch womöglich kann die Börse mit beiden Kandidaten gut leben. Donald Trump ist zwar schwer berechenbar und in seinen Aussagen volatil, aber der Republikaner ist eben auch wirtschaftsfreundlich. Er möchte Steuern senken und Regulierung reduzieren. Während seiner ersten Amtszeit als US-Präsident legte der Aktienmarkt jedenfalls zu: Zwischen November 2016 und Oktober 2020 kletterte der Dow Jones Industrial annähernd 50 Prozent nach oben.

Die Demokratin Kamala Harris steht hingegen für Kontinuität - auch das ist für Investoren (und für Unternehmer) besonders wichtig. Sie gibt sich überlegt und weniger aggressiv, bei einer US-Präsidentin Harris dürfte es deutlich berechenbarer zugehen. Eigentlich mag die Börse, wenn es weniger Überraschungen gibt, doch unter Harris dürften die Steuern steigen und auf US-Unternehmen dürften strengere Auflagen zukommen.

Trumps Wirtschaftspolitik: Was Anleger erwarten können

Ein Sieg von Donald Trump könnte insbesondere die Handelsbeziehungen der USA zu China belasten, was sich tendenziell positiv auf den Goldpreis auswirken dürfte. Während seiner ersten Amtszeit führte Trump einen Handelskrieg gegen China, geprägt durch Zölle und eine harte Rhetorik. Experten erwarten, dass Trump im Falle seiner Wiederwahl diese Linie nicht nur fortsetzt, sondern weiter verschärft. Ein Anstieg geopolitischer Spannungen, insbesondere durch eine verschärfte US-Position zu Taiwan, könnte die Nachfrage nach Gold als sicheren Hafen weiter anheizen.

Auch die Ankündigungen Trumps, regulatorische Beschränkungen für Unternehmen zu lockern und Steuersenkungen einzuführen, könnten - wie bereits weiter oben erwähnt - das Haushaltsdefizit erhöhen und den US-Dollar schwächen. Laut Giovanni Staunovo, Rohstoffanalyst bei der UBS, könnte ein solcher Anstieg des Defizits Anleger zu sicheren Anlagen wie Gold lenken, was den Goldkurs weiter anheben würde. Eine ähnliche Entwicklung ließ sich während Trumps erster Amtszeit beobachten, als der Spotpreis für Gold um mehr als 50 Prozent stieg, während der Dollar mehr als 10 Prozent seines Wertes verlor.

Gold als sicherer Hafen in Zeiten politischer Unsicherheit

Viele Investoren sehen den Goldpreis angesichts eines möglichen Trump-Wahlsiegs als stabilen Wert. In einer Bloomberg-Umfrage bevorzugten 60 Prozent der Befragten Gold gegenüber dem Dollar als Absicherung für den Fall, dass Trump ins Weiße Haus zurückkehrt. Die Prognose deutet darauf hin, dass ein schwächerer US-Dollar durch Trumps Politik zur Inflation beitragen könnte, was den Goldpreis stabilisieren oder gar steigern würde. Im Vergleich dazu sehen sich Gold und US-Staatsanleihen als klassische sichere Häfen für Anleger, wobei der Goldpreis in volatilen Zeiten meist als Gewinner hervorgeht.

JPMorgan-Analyst Gregory Shearer erwartet eine Fortsetzung der Goldrallye im Rahmen eines möglichen Trump-Wahlsiegs, da geopolitische Spannungen, das hohe US-Defizit und die Diversifizierung der Zentralbankreserven den Goldwert stützen. Der Anstieg auf ein mögliches Allzeithoch bei etwa 2.790 US-Dollar würde den Goldpreis in einem längerfristigen Aufwärtstrend halten, was auch in Zeiten hoher Inflation und Unsicherheit als Schutz vor Wertverlust attraktiv bleibt.

Goldminenaktien als Alternative: Chancen und Risiken

Gold legte im Oktober um annähernd 7 Prozent an Wert zu. Die Folge war ein Goldpreis-Rekord bei 2.787,29 US-Dollar pro Feinunze am Monatsende. Langfristig hat sich der Goldwert im Jahresverlauf um etwa 34 Prozent erhöht, ein deutlicher Zuwachs, der durch die anhaltend hohe Inflation und die Unsicherheiten an den globalen Märkten zusätzlich unterstützt wurde. Die erwartete Zinssenkung der US-Notenbank Fed am Donnerstag (7. November) könnte diese Entwicklung noch verstärken und die Nachfrage nach Gold weiter steigern.

Während der Goldkurs rund um die US-Präsidentschaftswahlen nahe seinem Allzeithoch gehandelt wird, könnten sich auch Goldminenaktien als interessante Investitionsalternative erweisen. Experten wie Portfoliomanager Christopher Lindken weisen darauf hin, dass die Aktien von Goldproduzenten vom hohen Goldpreis profitieren. Deren Gewinne könnten sogar überproportional steigen, wenn die Produktionskosten konstant bleiben. Ein Beispiel zeigt, dass bei einer 25-prozentigen Steigerung des Goldpreises die Gewinne der Minenbetreiber potenziell um 100 Prozent wachsen könnten.

Trotz Inflation und gestiegenen Betriebskosten bieten Goldminenunternehmen, die Dividenden ausschütten und Free Cashflows erwirtschaften, langfristig attraktive Perspektiven. Sollte der Goldpreis in Folge einer erneuten Trump-Präsidentschaft oder anhaltender politischer Unsicherheiten weiter steigen, könnten auch die Bewertungen der Minenaktien zusätzliche Impulse erhalten. Sie als Anleger sollten unbedingt beachten, dass Goldminenaktien nur einen kleinen Teil eines gut diversifizierten Aktienportfolios ausmachen sollten.

Fazit: Goldpreis auf Rekordniveau – US-Wahl als Schlüsselfaktor

Die US-Präsidentschaftswahlen 2024 sind für den Goldmarkt ein entscheidender Moment. Ein Sieg Trumps könnte zu einer weiteren Aufwertung des Goldkurses führen, gestützt durch eine inflationäre Wirtschaftspolitik und geopolitische Spannungen. Die Anleger richten ihre Augen auf den Ausgang dieser Wahl, da eine Fortsetzung von Trumps wirtschaftspolitischen Plänen, insbesondere seine Haltung zu China, voraussichtlich eine positive Wirkung auf den Goldpreis haben wird. Die Nachfrage nach Gold könnte infolgedessen auf einem historischen Niveau bleiben und möglicherweise neue Rekordhöhen erreichen.

Übrigens: Auch bei einem Wahlsieg von Kamala Harris könnte der Goldpreis steigen oder zumindest auf einem hohen Niveau bleiben. Denn trotz aller grundsätzlichen Gegensätze zwischen der Demokratin und dem Republikaner dürften beide eine ähnliche Politik gegenüber China verfolgen. Aus Kamala Harris steht dem Reich der Mitte kritisch gegenüber.

Für Anleger bleibt Gold, insbesondere in Zeiten unsicherer politischer Verhältnisse, ein stabiler Anker. Die Entwicklung des Goldkurses und die Performance von Goldminenaktien werden genau beobachtet, da sie von einer eventuellen zweiten Amtszeit Trumps signifikant profitieren könnten.

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Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

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