Panorama

50 Jahre ohne Monarchie: Griechenlands Weg zur Demokratie

Könige in Griechenland hatten es nicht leicht: Einige wurden ermordet, andere abgesetzt, und einer fiel einem Affenbiss zum Opfer. Heute kommen royale Skandale nur noch aus dem Ausland. Die Griechen selbst leben gut ohne Monarchie.
07.12.2024 08:41
Lesezeit: 2 min

Während Königshäuser in anderen Ländern oft als Brücke zwischen Politik und Volk sowie als Lieferanten von Tradition und Drama gelten, entschieden die Griechen vor 50 Jahren, ihre Monarchie zu beenden. Am 8. Dezember 1974 stimmten 69 Prozent der Bürger in einer Volksabstimmung gegen die Beibehaltung der Monarchie.

Zwei "Könige" bleiben dennoch positiv im Gedächtnis: Otto von Wittelsbach, der erste König Griechenlands, und Otto Rehhagel, der nach dem EM-Triumph 2004 den Beinamen "König Otto" erhielt. Doch waren die Griechen als Erfinder der Demokratie wirklich unregierbar durch Royals – oder hatten sie schlicht keine Vorliebe für Adel?

Ein bayerischer König in Griechenland

Fakt ist: Die Monarchie hatte in Griechenland keine gewachsene Tradition. Sie wurde von Russland, Großbritannien und Frankreich nach der Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich eingeführt. 1832 wählten sie den bayerischen Prinzen Otto von Wittelsbach zum König von Griechenland. Als Regent von Gottes Gnaden nahm er die Herrschaft auf, die sich schnell als überaus schwierig erwies.

Otto startete ehrgeizig. Er wollte das Chaos, das nach dem Unabhängigkeitskrieg herrschte, mithilfe bayerischer Experten ordnen. Beamte, Ökonomen, Architekten und andere Fachleute begleiteten ihn nach Athen.

Proteste gegen Steuern und Bürokratie

Otto gilt als der Monarch, der den Grundstein für den modernen griechischen Staat legte. Krankenhäuser, Universitäten, prachtvolle Straßen und neoklassizistische Gebäude zeugen bis heute von seinem Wirken. Doch das Volk honorierte diese Leistungen nicht. Stattdessen rebellierten die Griechen gegen Steuern und Bürokratie, bis Otto 1843 die parlamentarische Demokratie einführen musste.

Nach wiederholten Volksaufständen wurde Otto schließlich abgesetzt und zog nach Bayern zurück. Die Großmächte suchten erneut einen König und fanden ihn im dänischen Prinzen Wilhelm, der als Georg I. den Thron bestieg.

Trotz seines Wahlspruchs "Meine Stärke ist die Liebe des Volkes", seiner Volksnähe und einer 50-jährigen Regentschaft konnte auch Georg I. die Herzen der Griechen nicht gewinnen. Schließlich wurde er ermordet. Über die Hintergründe des Täters wurde nichts bekannt, da dieser während seiner Vernehmung in den Tod sprang.

Ein Affe, ein Biss und eine Tragödie

Auch Georgs Nachfolger aus dem Haus Glücksburg hatten wenig Erfolg: Konstantin I. musste abdanken, da er Deutschland im Ersten Weltkrieg unterstützte. Sein Sohn Alexander starb an einer Infektion, nachdem ihn ein Affe gebissen hatte. Dessen Bruder Georg II. übernahm und wurde nach seinem Tod 1947 von König Paul abgelöst. Paul warb für Griechenland als touristisches Ziel, etwa durch eine Kreuzfahrt mit europäischen Royals.

Ein fataler Fehler

Während der Regentschaft von Konstantin II., dem letzten König, eskalierte der Widerstand gegen die Monarchie. Konstantin machte sich unbeliebt, indem er die Kontrolle über das Militär beanspruchte. 1967 ließ er sich nach einem erfolgreichen Militärputsch mit den Anführern der Junta fotografieren. Dieses Bild, das ihn als Unterstützer der Putschisten darstellte, wurde international heftig kritisiert.

Ein dilettantisch geplanter Gegenputsch scheiterte, und nach dem Ende der Militärdiktatur 1974 entschieden die Griechen in einer Volksabstimmung, die Monarchie abzuschaffen. Konstantin lebte lange im Exil, kehrte später nach Griechenland zurück und starb dort 2023. Ein Staatsbegräbnis blieb ihm verwehrt.

Royale Dramen aus dem Ausland

Die Griechen vermissen die Monarchie nicht. Obwohl Konstantins Sohn Paul als möglicher Thronfolger bereitsteht, hat er klargestellt, dass er nur als König antreten würde, wenn das Volk dies wünsche.

Stattdessen verfolgen die Griechen royale Dramen in Berichten über das britische, spanische oder schwedische Königshaus. Ein Zufallsfund im Jahr 2023 sorgte dennoch für royales Interesse: Insignien von König Otto, darunter Krone, Zepter und Schwert, wurden bei Bauarbeiten entdeckt und sollen nach ihrer Restaurierung im Parlament, dem einstigen Königspalast, ausgestellt werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Datenschutz in Casino-Apps und was deutsche Nutzer wirklich erwarten

Spieler schreiben an ihr Online-Casino und verlangen Auskunft darüber, welche Daten über sie gespeichert wurden. Das Casino antwortet...

DWN
Finanzen
Finanzen Börsenboom treibt Reichtum der Eliten: Ist eine Vermögenssteuer überfällig?
27.05.2026

Wer mehr als 100 Millionen Dollar besitzt, gilt als superreich. In Deutschland gehören Tausende Menschen dazu - Tendenz steigend, wie eine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Direktinvestitionen. Europas neue Angst vor China-Geld
27.05.2026

China investiert so viel wie nie in Europas Schlüsselindustrien. Ausgerechnet jetzt verschärft die EU ihre Regeln für ausländische...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Agrartechnik wird elektrisch: Ex-VW-Chef Diess will E-Traktor auf den Markt bringen
27.05.2026

Früher VW-Boss, jetzt Landmaschinen-Pionier? Herbert Diess plant einen E-Traktor mit Wechsel-Akkus für Landwirte. Diese sollen schon bald...

DWN
Politik
Politik China-Politik: Zwischen Vorsicht und Fairness - Reiches Spagat
27.05.2026

Bundeswirtschaftsministerin Reiche sucht in Peking den Dialog mit China. Doch seltene Erden, fairer Wettbewerb und die Debatte über...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mini-Wachstum: Wirtschaftsweise senken erneut Prognose - Abschwung setzt sich fort
27.05.2026

Einen Aufschwung der deutschen Wirtschaft gibt es langfristig nicht: Der Sachverständigenrat erwartet nur noch ein Mini-Wachstum von 0,5...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tech-Börsengänge mit Rekordwerten lassen Experten zweifeln
27.05.2026

SpaceX, OpenAI und Anthropic könnten mit ihren Tech-Börsengängen neue Rekordbewertungen erreichen. Experten warnen jedoch vor Hype,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Einführung: Erfolg entscheidet sich im Mindset, nicht im Code
27.05.2026

Bei der Implementierung von KI denken viele zunächst an die technischen und datenschutzrechtlichen Komponenten. Doch der eigentliche...

DWN
Politik
Politik Antragsloses Kindergeld aber weniger Elterngeld? Wie die Regierung für mehr Kinder sorgen will
27.05.2026

Die Geburtenrate befindet sich parallel zur Wirtschaftskrise auf einem historischen Tiefstand. Kinder rücken plötzlich in den Fokus der...