Politik

Nato-Ziele: Trump und der mögliche Nato-Kurswechsel in der Ukraine

Könnte Donald Trump ein Ende des Ukraine-Kriegs herbeiführen? Der Nato-Generalsekretär warnt vor Friedensverhandlungen, die unter Druck geführt werden. Zudem wird bereits über die Einrichtung einer Friedenstruppe diskutiert.
04.12.2024 07:17
Lesezeit: 2 min
Nato-Ziele: Trump und der mögliche Nato-Kurswechsel in der Ukraine
Eine Nato-Flagge weht bei einer Pro-Nato-Demonstration vor dem Parlamentsgebäude in Helsinki (Foto: dpa). Foto: Antti Aimo-Koivisto

In der Nato laufen wenige Wochen vor dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump die Vorbereitungen für einen möglichen Kurswechsel in der amerikanischen Ukraine-Politik. Es gehe darum, sicherzustellen, dass die Ukraine Friedensgespräche mit Russland aus einer starken Position führen könne, erklärte Generalsekretär Mark Rutte bei einem zweitägigen Nato-Außenministertreffen in Brüssel. Dazu sei vor allem mehr Militärhilfe erforderlich.

Außenministerin Annalena Baerbock bestätigte, dass auch die Frage im Raum stehe, wie eine "internationale Präsenz zur Absicherung eines Waffenstillstandes" in der Ukraine aussehen könnte und schloss eine Beteiligung der Bundeswehr nicht aus. Man werde selbstverständlich alles tun, was dem Frieden in der Zukunft diene, erklärte die Grünen-Politikerin. Wie Rutte betonte auch sie die Bedeutung zusätzlicher Militärhilfe. Das Land müsse in einer starken Position sein, wenn es an den Verhandlungstisch gehe, so Baerbock.

Hintergrund der Nato-Diskussionen: Trump und mögliche Friedensverhandlungen

Hinter den Gesprächen in der Nato stehen Befürchtungen, dass Trump nach seinem Amtsantritt versuchen könnte, die Ukraine und Russland zu Verhandlungen zu drängen. Beispielsweise könnte er der Ukraine drohen, die Militärhilfe zu stoppen, wenn sie sich weigert, an Gesprächen teilzunehmen. Auf der anderen Seite könnte er Russlands Präsident Wladimir Putin ankündigen, die Militärhilfe für Kiew weiter auszubauen.

Rutte warnte davor, die Ukraine in einer schwachen Position zu Friedensverhandlungen mit Russland zu drängen. "Was auf keinen Fall passieren darf, ist, dass Kim Jong-un, Xi Jinping und andere sich High Five geben", sagte er. Dies könnte den nordkoreanischen Machthaber und den chinesischen Staatschef zu Handlungen bewegen, die auch für die USA und Europa nachteilig wären. "Wenn wir irgendwann zu einem Ukraine-Deal kommen, muss es ein guter Deal sein", betonte Rutte.

Zugleich bekräftigte der frühere niederländische Regierungschef, dass er nicht daran glaube, dass Putin an einer Beendigung des Krieges interessiert sei. "Russlands Aggression zeigt keine Anzeichen des Nachlassens. Im Gegenteil: Putin verschärft seine Rhetorik und handelt weiterhin rücksichtslos", sagte Rutte. Als Beispiele nannte er den Einsatz nordkoreanischer Soldaten und den Einsatz neuer Raketen auf die Ukraine.

Ukraine fordert Nato-Mitgliedschaft als Sicherheitsgarantie

Die Ukraine verdeutlichte am Dienstag erneut, dass sie als einzige wirksame Sicherheitsgarantie im Falle eines Waffenstillstands mit Russland eine Nato-Mitgliedschaft ansieht. Zielgerichtet auf das Treffen der Nato-Außenminister erinnerte das Außenministerium in Kiew an die negativen Erfahrungen mit dem fast 30 Jahre alten Budapester Memorandum.

"Wir sind überzeugt, dass die einzige reale Sicherheitsgarantie für die Ukraine und eine Abschreckung weiterer russischer Aggression gegen die Ukraine und andere Staaten eine vollständige ukrainische Nato-Mitgliedschaft ist", hieß es in der Erklärung. "Ausgehend von der bitteren Erfahrung mit dem Budapester Memorandum, werden wir keine Alternativen, keine Nachahmung und keinen Ersatz für eine vollständige Nato-Mitgliedschaft der Ukraine akzeptieren."

Im Jahr 1994 gab die Ukraine ihre sowjetischen Nuklearwaffen ab, und die Atommächte USA, Russland und Großbritannien versprachen ihr unverbindliche Sicherheitsgarantien. Moskau habe die Vereinbarung jedoch mit dem Angriff auf die Ukraine 2014 und der groß angelegten Invasion 2022 gebrochen, erklärte das Außenministerium in Kiew.

Debatte um Nato-Einladung für die Ukraine

Eine schnelle Nato-Einladung für die Ukraine scheint derzeit jedoch unwahrscheinlich. Rutte zählte diese am Dienstag nicht zu den dringenden Schritten. Eine solche Einladung könnte nur einstimmig im Bündnis beschlossen werden und wird von Staats- und Regierungschefs wie Bundeskanzler Olaf Scholz und Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban abgelehnt. Auch der luxemburgische Außenminister Xavier Bettel äußerte Bedenken: "Ich glaube, dass eine Nato-Mitgliedschaft wieder Spannung bringen wird", sagte er. Dies könnte sofort zu weiteren Konflikten führen.

Bettel spielte darauf an, dass sich Russland durch die Nato bedroht fühlt. Die mögliche Aufnahme der Ukraine in das westliche Verteidigungsbündnis sei für Moskau ein wesentlicher Kriegsgrund gewesen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Russland fordert, dass die Ukraine wie nach ihrer Unabhängigkeit im Jahr 1991 neutral bleibt. Die Ukraine hat jedoch das Streben nach einer Nato-Mitgliedschaft in ihrer Verfassung verankert.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie Twitch, Kick & Co. die Unterhaltungsbranche prägen

Das Bild der Unterhaltungsbranche hat sich dramatisch gewandelt. Dabei wurde aus einer Einbahnstraße eine Autobahn mit unzähligen Spuren...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Aktien erholen sich auf Allzeithochs nach positiven Iran-Äußerungen von Trump und Tech-Boom
01.06.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Wendungen in der globalen Diplomatie und neue Trends in der Technologiebranche die Anleger derzeit in...

DWN
Politik
Politik Statistisches Bundesamt: Auswanderung von Deutschen auf Allzeithoch
01.06.2026

Deutschlands Nettozuwanderung ist 2025 stark gesunken: Statt 430.000 kamen noch 235.000 Menschen hinzu. Es gibt eine rückläufige...

DWN
Politik
Politik Ausreisegenehmigungen für wehrfähige Männer rechtswidrig? Verteidigungsministerium räumt Fehler ein
01.06.2026

Erst wird sie übersehen, dann eilig wieder ausgesetzt: Eine Regel zu Ausreisegenehmigungen für Männer im wehrfähigen Alter. Minister...

DWN
Politik
Politik EU-Schulden werden zur Kostenfalle für Deutschland
01.06.2026

Europa will mehr Rüstung, sichere Energie, starke Industrie und stabile Renten. Doch der IWF warnt, dass diese Rechnung kaum aufgeht,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Flugkraftstoff gerettet, Urlaub nicht. Europas Airlines sparen weiter
01.06.2026

Erst drohten Flugausfälle, leere Tanks und ein chaotischer Sommer über Europas Flughäfen. Nun scheint der akute Mangel an Flugkraftstoff...

DWN
Finanzen
Finanzen Trade Republic attackiert Europas Banken mit sechs Prozent Zinsen
01.06.2026

Sechs Prozent Zinsen, Brad Pitt im Werbespot und ein deutscher Anbieter, der in Polen plötzlich klassische Banken herausfordert. Trade...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Automobilchef: Mehrere europäische Automarken werden aussterben
01.06.2026

Jahrzehntelang lernten chinesische Hersteller von deutschen Autobauern. Nun reisen Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW nach China, um...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hyundai Kona im Test: Futuristisch, mutig und anders
01.06.2026

Der Hyundai Kona sieht aus, als wolle er nicht jedem gefallen. Genau das macht ihn spannend, denn hinter der mutigen Form steckt ein...