Politik

D-Day-Papier laut Lindner nur "Praktikanten-Papierchen"

Die FDP setzt im Wahlkampf alles auf Christian Lindner und einen radikalen Kurswechsel. Mit Schwarz-Gelb als Symbol für Veränderung fordert die Partei eine Zusammenarbeit mit der Union. Doch die Lage ist brisant: Die FDP dümpelt unter der Fünf-Prozent-Hürde und kämpft um ihren Wiedereinzug. Das umstrittene D-Day-Papier sorgte für viel Wirbel und interne Kritik - jetzt soll auch noch ein namenloser Praktikant schuld daran sein. Wird Lindner seine Vision einer schwarz-gelben Regierung so durchsetzen können?
10.12.2024 13:30
Aktualisiert: 10.12.2024 13:30
Lesezeit: 2 min
D-Day-Papier laut Lindner nur "Praktikanten-Papierchen"
Weiter so! Christian Lindners FDP bläst nach drei Jahren Regierungsbeteiligung nun munter zum Angriff und will fortan alles anders machen. Und der bewusst herbeigeführte Koalitionsbruch? Die Schuld des Praktikanten. (Foto: dpa) Foto: Bernd von Jutrczenka

Er lindnert einfach weiter: Der FDP-Chef wirft der politischen Konkurrenz ein "Weiter so" vor. Er selbst macht ebenfalls einfach weiter, und tut das berühmt-berüchtigte D-Day-Papier, das aufzeigte, wie kalkuliert die FDP die Ampel platzen ließ, kaltschnäuzig ab. Ob diese Mischung aus Arroganz, Ignoranz und Naivität bei den Wählern Christian Lindners gut ankommt? Aktuell eher nicht.

„Alles lässt sich ändern“ in einem kräftigen Schwarz-Gelb: Die FDP baut in ihrer Kampagne für die Bundestagswahl am 23. Februar ganz auf Parteichef Christian Lindner, den Wunsch nach einem Kurswechsel und die Zusammenarbeit mit CDU/CSU. Von Schwarz-Grün oder einer neuen großen Koalition aus Union und SPD gehe ein „Weiter so“ aus, sagte Lindner bei der Vorstellung zentraler Wahlkampfaussagen in der Parteizentrale in Berlin. „Ohne Freie Demokraten gibt es keine Chance auf Veränderung.“

Lindner als schwarz-weißer Botschafter der Veränderung

Der designierte Generalsekretär Marco Buschmann – in der Ampel-Koalition Justizminister – präsentierte Wahlplakate und zentrale Slogans. Der Parteivorsitzende wird dort in Schwarz-Weiß gezeigt. „Alles geben. Auch für Deinen Job“ und „Vater Staat ist nicht Dein Erziehungsberechtigter“, heißt es. Die FDP meint: „Schönreden ist keine Wirtschaftsleistung“ und „Schulden: Kinder haften für ihre Eltern.“ Zur Einwanderungspolitik fordern die Liberalen: „Migration: Auch guter Wille muss Grenzen setzen.“

Buschmann erklärte: „Wir wollen so stark werden, dass wir bei der nächsten Regierungsbildung gebraucht werden, dass wir dort Einfluss ausüben können und im Sinne dieser Richtungsentscheidung für unser Land mitwirken.“

Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz signalisiere Bereitschaft, ernsthafte Veränderungen mitzutragen. „Und das wird nur möglich sein in einer schwarz-gelben Regierung“, betonte Buschmann. „Wenn man eine echte gemeinsame Grundlage hat, ist auch Verständigung und Kooperation möglich.“

FDP steckt vorerst im Umfragetief fest

Nach dem Aus der Ampel-Koalition mit SPD und Grünen dümpeln die Liberalen weiter bei Zustimmungswerten unter der Fünf-Prozent-Hürde und müssen damit um den Wiedereinzug in den Bundestag bangen.

Wirbel verursachten Planungen für das Ende der Koalition, die im Dauerstreit um Wirtschafts- und Finanzpolitik platzte. Der Ausstieg der FDP wurde mit militärischen Begriffen wie „D-Day“ und „offener Feldschlacht“ beschrieben und strategisch durchgespielt.

Das Papier sorgte auch innerparteilich für Kritik. Generalsekretär Bijan Djir-Sarai und Bundesgeschäftsführer Carsten Reymann traten zurück. In der Öffentlichkeit wurden Zweifel an der Glaubwürdigkeit der FDP-Führung laut, während Parteigrößen in Kommentaren und TV-Debatten scharf kritisiert wurden.

D-Day-Papier laut Lindner ein „Praktikanten-Papierchen“

Angesichts zunehmender Spannungen in der Koalition hätten sich damals alle vorbereitet, sagte Lindner am Montag bei einer Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung in Frankfurt. Dies sei auch in der Parteizentrale der FDP geschehen.

Den Begriff „D-Day“ hätte er selbst nicht genutzt, erklärte Lindner. Laut Wörterbuch bedeute er „Tag der Entscheidung“ – unabhängig vom Zweiten Weltkrieg. Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe in ihrer Biografie von einer „offenen Feldschlacht“ geschrieben, ohne dass dies skandalisiert worden sei. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) habe den Begriff „Bazooka“ verwendet – ein Raketenwerfer.

„Ich habe den Eindruck, hier wird ein Fehler der FDP genutzt, um eiskalt Machtpolitik zu betreiben, nicht um ethische Maßstäbe durchzusetzen“, sagte Lindner. Er selbst hätte das Papier nicht benötigt und bezeichnete es als „Praktikanten-Papierchen“.

Der Praktikant war's? Im Zweifel einfach mal irgendeinen Untergebenen beschuldigen - wer Lindner diese Behauptung abnimmt, wählt auch FDP.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Nvidias steiler Kurssturz drückte den Technologiesektor ins Rote
26.02.2026

Trotz der hervorragenden Finanzergebnisse des KI-Riesen Nvidia konnte das Unternehmen die Investoren nicht ausreichend überzeugen. Dies...

DWN
Politik
Politik EU-Klimazoll: CO2-Zoll soll auch für Waschmaschinen und andere Waren kommen
26.02.2026

Künftig sollen 180 Industrieprodukte, darunter auch Haushaltswaren, unter den EU-CO2-Zoll fallen. Was die Kommission damit erreichen will.

DWN
Politik
Politik Bundeswehr bekommt Kamikaze-Drohen: Stärkung der Nato-Ostflanke
26.02.2026

Deutschland stellt 540 Millionen Euro für Kamikaze-Drohnen bereit und stärkt damit gezielt die militärische Präsenz an der...

DWN
Politik
Politik AfD: Verwaltungsgericht Köln stoppt die vorläufige Einstufung der AfD als rechtsextrem
26.02.2026

Die AfD hat vor dem Verwaltungsgericht Köln mit einem Eilantrag einen Erfolg erzielt: Der Verfassungsschutz darf sie vorerst nicht als...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KMU unter Druck: Deutscher Mittelstand leidet unter Konkurrenz aus China
26.02.2026

Einst brachte China deutschen Unternehmen glänzende Geschäfte, heute wächst der Druck aus Fernost. Einen harten Wettbewerb mit China...

DWN
Politik
Politik Epstein-Skandal: Chef des Weltwirtschaftsforums tritt zurück
26.02.2026

Der frühere norwegische Außenminister, Børge Brende, legt sein Amt als Präsident des WEF nieder. Was ist über seine Verbindungen zum...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Verlust 2025: Erneut keine Überweisung an die Bundesbank
26.02.2026

Die Zinspolitik der Euro-Währungshüter hinterlässt seit Jahren Spuren in der Bilanz der Europäischen Zentralbank. Über zehn Milliarden...

DWN
Finanzen
Finanzen Kupferpreis-Prognose: Was das Metall über die Industrie verrät – und was für Anleger jetzt wichtig wird
26.02.2026

Der Kupferpreis rückt angesichts globaler Infrastrukturprogramme, Energiewende und geopolitischer Verschiebungen zunehmend ins Zentrum der...