Finanzen

Goldpreis aktuell: Hausse am Goldmarkt färbt auf Schmuck- und Uhrenbranche ab

Zu Weihnachten den Liebsten Schmuck schenken - oder sich selbst eine schicke goldene Uhr gönnen? In anderen Kulturkreisen ist die Wertanlage in Preziosen eine Selbstverständlichkeit. Bei uns ist es noch ein ausbaufähiger Trend. Zumal der rasant steigende Kaufpreis für Gold die Preise für Rolex, Cartier & Co. auch ordentlich antreibt. Es wird immer teurer, einen teuren Geschmack zu haben.
20.12.2024 06:01
Lesezeit: 2 min
Goldpreis aktuell: Hausse am Goldmarkt färbt auf Schmuck- und Uhrenbranche ab
Eine Rolex zu kaufen, gilt zum einen Statussysmbol, aber zum anderen als Form der Wertanlage. Bei den Juwelieren treibt der Goldpreis freilich auch die Preise für Schmuck und wertvolle Uhren an. (Foto: dpa) Foto: Matthias Balk

Wer seine Liebsten zu Weihnachten mit Schmuck oder Uhren beschenken möchte, muss dafür dieses Jahr mutmaßlich etwas tiefer in die Tasche greifen. Insbesondere der gestiegene Goldpreis wirkt sich hier aus. "Ja, das hat einen Effekt", sagte Guido Grohmann vom Bundesverband Schmuck-, Uhren, Silberwaren und verwandte Industrien (BVSU). Insgesamt steht die Branche trotz leicht rückläufiger Zahlen gut da. Wie im Einzelhandel generell spielt das Weihnachtsgeschäft auch hier eine große Rolle.

Hier und da Lieferschwierigkeiten

"Deutschland spart, aber nicht am Schmuck", sagte Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer des Handelsverbands Juweliere (BVJ) mit Sitz in Köln. Die allgemeine Kauflaune und die Kauflaune bei Luxusgütern seien nicht identisch. "Wir verkaufen Luxusgüter, die man zum Leben nicht braucht, aber für die Seele." Die Stückzahlen sinken den Angaben zufolge zwar. Aber die verkauften Produkte seien hochwertiger und kosteten daher auch mehr.

Bei Uhren etwa sei gerade die Nachfrage im gehobenen Segment mit Preisen ab 5000 Euro sehr stabil, sagte Dünkelmann. Trotz sinkender Nachfrage in China gebe es bei Topmarken allerdings hin und wieder immer noch Lieferschwierigkeiten.

Viele Kunden und Kundinnen scheine auch der steigende Goldpreis nicht so sehr zu interessieren - wenngleich das Gramm doppelt so viel koste wie vor fünf Jahren, sagte Dünkelmann. Andere wichen auf Platin aus. "Das ist im Moment dramatisch günstiger." Generell gelte: "Der ganz laute und extrovertierte Schmuck steht nicht mehr so im Fokus." Oft falle er schlichter aus, häufig dann aber mit echten Diamanten besetzt.

Konkurrenz durch Reisen, Gastro und Events

Trotz steigender Preise und Diskussionen über Inflation und verfügbares Einkommen beschränke sich die Kundschaft nicht auf die oberen Zehntausend: "Es ist immer noch die breite Masse, die sich schmücken will", sagte Dünkelmann. Die Branche sei eher von der Stimmung abhängig als von der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage.

Was die Branche aber zu spüren bekommt, sind Nach-Corona-Effekte: Menschen reisen zum Beispiel wieder mehr. Die Tourismusbranche sei die größte Konkurrenz, sagte Dünkelmann. Auch an die Gastronomie und andere Events seien Marktanteile gegangen, sagte Hauptgeschäftsführer Grohmann vom BVSU in Pforzheim.

Das laufende Jahr könnte der Industriezweig nach seiner Einschätzung mit einem kleinen Minus von bis zu sieben Prozent abschließen, welches vom hohen Goldpreis jedoch in den Zahlen kompensiert werden könnte. "Aber das ist keine Katastrophe, weil die zwei Jahre davor echte Rekordjahre waren." Im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit habe das Plus bei 20 Prozent gelegen, sagte Grohmann. Der BVSU analysiert dabei Importe und Exporte.

Bei den Juwelieren zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: Viele sind Dünkelmann zufolge auf Vorjahresniveau, einige leicht darunter. Das Umsatzwachstum 2022 sei mit mehr als 20 Prozent trotz Krieg, Inflation und Energiekrise sehr gut gewesen. Das Level habe man 2023 halten können, "was angesichts der Krisen dieser Welt niemand für möglich gehalten hätte".

Keine Sorge vor großen Einbrüchen

Auch seien viele Kundinnen und Kunden nach Corona zurück in die Geschäfte gekommen, der Online-Anteil sei gering. Schmuck und Uhren seien persönliche Produkte, die man anprobieren wolle. "Das möchte man fühlen. Das funktioniert am Bildschirm nicht so gut."

Juweliere seien inzwischen vorsichtiger beim Einkauf, sagte Grohmann. Das spreche dafür, dass viel vom Lager verkauft werde. Eine Prognose, wie lange der Trend anhalten könnte, wollte er nicht abgeben. "Ich glaube schon, dass wir nicht die fettesten Jahre vor uns haben", sagte er. Aber das Risiko, dass es jetzt steil bergab gehe, sei sehr gering.

Unklar sei, welche Politik die neue Bundesregierung einschlagen, wie sich der neue US-Präsident Donald Trump verhalten werde und wie sich die Lage in der Ukraine entwickle. "Unsicherheit ist keine gute Voraussetzung, um Rekordzahlen zu erzielen", sagte Grohmann

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen Biontech-Aktie: Gründer Sahin und Türeci verlassen Konzern, Aktie stürzt ab
10.03.2026

Die Gründer von Biontech treten ab und starten ein neues Biotech-Unternehmen. Für die Biontech-Aktie beginnt eine neue Phase, geprägt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kreditvergabe: Banken werden strenger – wie Unternehmen dennoch an Geld kommen
10.03.2026

Banken verschärfen derzeit die Kreditvergabe – und ausgerechnet innovative Unternehmen geraten dabei nicht selten ungewollt ins...

DWN
Panorama
Panorama Evakuierungsflüge: Vollkasko oder staatliche Pflicht?
10.03.2026

Nach dem US-israelischen Angriff auf Iran sitzen tausende Urlauber in der Krisenregion Nahost fest. Nicht wenige hoffen auf staatliche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Aldi schließt Filialen: Diese Aldi-Standorte sind von den Schließungen betroffen
10.03.2026

Bundesweit sorgen neue Aldi-Schließungen für Irritationen bei vielen Kunden. Immer mehr Aldi-Filialen verschwinden, während gleichzeitig...

DWN
Finanzen
Finanzen Porsche-Aktie: Modellfusion Taycan und Panamera als Antwort auf Verluste
10.03.2026

Die Porsche-Aktie kämpft mit einem massiven Gewinneinbruch und schrumpfenden Marktanteilen in China. Anleger beobachten nun gespannt, wie...

DWN
Politik
Politik DWN-Interview: Putins Strategie und der aggressive Globalismus des Kremls
10.03.2026

Russlands Krieg in der Ukraine, seine Aktivitäten in Afrika und hybride Operationen weltweit werfen eine grundlegende Frage auf: Welche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Exporte im Januar rückläufig: China-Geschäft bricht ein
10.03.2026

Deutschlands Exportwirtschaft sendet zum Jahresbeginn gemischte Signale. Während wichtige Märkte einbrechen, wächst der Handel mit den...

DWN
Finanzen
Finanzen Ölpreis aktuell: Hoher Ölpreis stärkt Russlands Kriegskasse – Brent und WTI uneinheitlich
10.03.2026

Die Ölpreis-Entwicklung sorgt derzeit für Aufwind in Moskau. Steigende Einnahmen aus Öl und Gas könnten Russlands Staatskasse stärken...