Finanzen

Bitcoin-Kurs trotzt Wall-Street-Panik – Digitales Gold übernimmt das Ruder

Der Bitcoin-Kurs erklimmt neue Rekorde – und das, obwohl die Aktienmärkte schwächeln. Institutionelle Investoren fluten den Markt, Großbanken kippen ihre Krypto-Aversion, und Trump inszeniert sich als „Krypto-Kandidat“. Steht der nächste Machtwechsel im globalen Finanzsystem bevor?
27.05.2025 15:54
Aktualisiert: 27.05.2025 16:02
Lesezeit: 2 min

Bitcoin auf Rekordkurs – trotz schwacher Aktienmärkte

Die nach Marktkapitalisierung größte Kryptowährung, Bitcoin (BTC), hat in der vergangenen Woche ein neues Allzeithoch erreicht. Obwohl der Kurs am Wochenende zwischenzeitlich zurückging, erholte sich die digitale Leitwährung am Montag erneut. Experten nennen mehrere Katalysatoren, die weiteres Wachstum stützen könnten.

Am Donnerstag markierte der Bitcoin mit einem Kurs von 111.970,17 US-Dollar einen neuen Höchststand. Der bisherige Rekord lag laut Daten von CoinMarketCap bei 109.114,88 US-Dollar – aufgestellt am 20. Januar, dem Tag der Amtseinführung von Donald Trump.

Bemerkenswert: Der Anstieg erfolgte ungeachtet der negativen Stimmung an den US-Aktienmärkten. Zwar weist der Bitcoin üblicherweise eine Korrelation insbesondere mit dem technologielastigen Nasdaq-Index auf – diesmal jedoch scheint sich der Kursverlauf abgekoppelt zu haben. Beobachter führen dies auf ein verstärktes Interesse institutioneller Investoren zurück, alternative Wertspeicher zu erschließen.

Mittlerweile rangiert Bitcoin weltweit als fünftgrößtes Anlagegut – mit einer Marktkapitalisierung von 2,2 Billionen US-Dollar. Vor ihm liegen nur Apple, Nvidia, Microsoft und Gold.

Kursschwankungen im Zeichen geopolitischer Spannungen

Am Wochenende fiel BTC unter die Marke von 107.000 US-Dollar. Der Rückgang erfolgte als Reaktion auf Äußerungen von Donald Trump, der mit der Einführung von Zöllen gegen die Europäische Union drohte. Nachdem Trump jedoch andeutete, eine Entscheidung vertagen zu wollen, stabilisierte sich die Lage. Am Montag notierte der Bitcoin wieder über 110.000 US-Dollar, wie CoinDesk berichtet.

Institutionelle Nachfrage und politische Impulse als Treiber

Laut CNBC wurde der jüngste Kursanstieg durch eine zunehmende institutionelle Beteiligung am digitalen Vermögensmarkt sowie durch dessen tiefere Integration in Unternehmen beflügelt. Wesentliche Impulse lieferten dabei die Entspannung im Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie die Herabstufung des US-Kreditratings durch Moody’s – von Aaa auf Aa1. Dies habe das Interesse an alternativen Wertspeichern wie Bitcoin verstärkt.

„Der Aufschwung von BTC wird von positiven Trends, wachsendem Optimismus in Bezug auf die US-Kryptoregulierung und institutionellem Interesse getragen“, erklärte James Butterfill, Forschungschef bei der auf Kryptowährungen spezialisierten Vermögensverwaltung CoinShares, gegenüber CNBC.

Ein bedeutender politischer Fortschritt: Der US-Senat hat vergangene Woche erstmals für ein Gesetz zur Regulierung sogenannter „Stablecoins“ gestimmt. Donald Trump, der sich im Wahlkampf als „Krypto-Kandidat“ positioniert und sich klar für digitale Vermögenswerte ausgesprochen hat, forderte, das Gesetz solle noch vor der Sommerpause des Kongresses im August zur Unterzeichnung vorliegen.

JPMorgan öffnet sich für Bitcoin – ein Kurswechsel mit Signalwirkung

Für zusätzliche Aufbruchsstimmung sorgte eine unerwartete Ankündigung von JPMorgan Chase: Der größte US-Bankkonzern wird seinen Kunden künftig den Kauf von Bitcoin ermöglichen. Das ist bemerkenswert – vor allem, da CEO Jamie Dimon sich bislang als scharfer Kritiker digitaler Währungen hervorgetan hatte.

Einen weiteren Meilenstein erreichte auch die US-Kryptobörse Coinbase, die in den renommierten S&P 500 Aktienindex aufgenommen wurde. Laut CoinGecko verfügt das Unternehmen über Bitcoin-Bestände im Wert von rund 750.000 US-Dollar.

„Das ist ein Wendepunkt – für Coinbase und für die gesamte Branche“, kommentierte Owen Lau, Analyst bei Oppenheimer. Die Indexaufnahme könnte zu verstärkter Nachfrage nach den Coinbase-Aktien führen, da viele Fonds, die den S&P 500 nachbilden, das Unternehmen künftig berücksichtigen müssen.

Rekorde bei ETF-Zuflüssen – Anleger setzen auf Bitcoin

Seit Jahresbeginn ist der Bitcoin-Kurs um mehr als 17 Prozent gestiegen. Bitcoin-ETFs verzeichnen stabile und kräftige Mittelzuflüsse. Im Mai wurden laut SoSoValue bisher lediglich an zwei Tagen Nettoabflüsse gemeldet. Allein am Freitag verbuchte der ETF IBIT von BlackRock Rekordzuflüsse von 877,2 Millionen US-Dollar. Seit April sei kein Rückgang des verwalteten Vermögens zu beobachten, wie Analysten der Saxo Bank feststellen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen BYDFi im ausführlichen Test 2026

In deutschsprachigen Krypto-Foren hält sich eine Überzeugung besonders hartnäckig: Börsen ohne KYC-Pflicht sind unseriös, unsicher und...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Lufthansa-Aktie: Technik-Sparte betritt mit militärischen Projekten Neuland
20.04.2026

Mit einem ungewöhnlichen Auftrag sorgt Lufthansa Technik für Aufmerksamkeit rund um die Lufthansa-Aktie. Die Wartung moderner...

DWN
Politik
Politik Analyse: Präsident Trump hat die USA zum mächtigsten Schurkenstaat der Welt gemacht
20.04.2026

Der Begriff Schurkenstaat wurde einst in den USA geprägt, um Staaten wie Nordkorea oder Iran zu beschreiben. Inzwischen wird er zunehmend...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie: Düsseldorfer Rüstungskonzern beginnt Serienfertigung von Drohnenbooten
20.04.2026

Mit einem neuen Produktionsstart sorgt die Rheinmetall-Aktie für Aufmerksamkeit am Markt. Die Rüstungsaktie profitiert von wachsender...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Was ist nur mit den vermeintlich sicheren Häfen Gold und Bitcoin los?
20.04.2026

Gold und Bitcoin gelten als klassische Krisenanlagen. Doch ausgerechnet in einer Phase geopolitischer Spannungen zeigen sowohl der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Verschuldungsdynamik? Bundesrechnungshof warnt vor wachsender Staatsverschuldung
20.04.2026

Deutschland steht vor wichtigen finanzpolitischen Entscheidungen: Der Bundeshaushalt 2027 soll kommende Woche konkrete Formen annehmen....

DWN
Finanzen
Finanzen Commerzbank-Aktie: Unicredit greift deutsches Geldinstitut scharf an - und fordert strategische Neuausrichtung
20.04.2026

Im Ringen um die Commerzbank verschärft Unicredit den Ton und kritisiert zentrale Strukturen des Instituts. Die Commerzbank-Aktie zeigt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI im Management: Warum Führung unersetzlich bleibt – Tipps von Experte Hilgenstock
20.04.2026

Künstliche Intelligenz verändert Management, Beratung und Mittelstand rasant. Doch ersetzt KI wirklich Führungskräfte – oder...

DWN
Politik
Politik Tankrabatt ab 1. Mai erreicht Verbraucher womöglich verspätet
20.04.2026

Mit dem Tankrabatt plant die Politik sinkende Spritpreise. Doch zwischen Gesetz und Zapfsäule liegen komplexe Mechanismen. Schon einmal...