Politik

Höhere Nato-Verteidigungsausgaben: Was Trumps 5-Prozent-Ziel für Deutschland bedeuten würde

Dass Trump die Nato-Mitgliedsstaaten bei den Verteidigungsausgaben unter Druck setzt, ist keine Neuigkeit. Doch fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts? Selbst die USA erreichen diese Marke nicht annähernd.
08.01.2025 12:21
Aktualisiert: 08.01.2025 12:21
Lesezeit: 3 min
Höhere Nato-Verteidigungsausgaben: Was Trumps 5-Prozent-Ziel für Deutschland bedeuten würde
Fahrzeuge und Material der Bundeswehr werden im Seehafen von Emden verladen (Foto: dpa). Foto: Sina Schuldt

Es ist eine Forderung, die die Nato voraussichtlich noch länger beschäftigen wird. Noch vor seiner Vereidigung am 20. Januar forderte der künftige US-Präsident Donald Trump die Nato-Staaten dazu auf, fünf Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für Verteidigung auszugeben. Das aktuelle Nato-Ziel liegt allerdings bei zwei Prozent. Diese Forderung dürfte auch die Debatten im Bundestagswahlkampf beeinflussen.

Wie ist der aktuelle Stand in der Nato?

Die Nato-Staaten hatten sich beim Gipfel 2023 in Litauen darauf geeinigt, jährlich mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben. Diese Vereinbarung führte das Zwei-Prozent-Ziel aus dem Jahr 2014 weiter, das bis dahin lediglich vorsah, dass die Mitglieder auf diese Marke hinarbeiten sollten. Zu diesem Zeitpunkt lagen bis auf die USA, Großbritannien und Griechenland alle Nato-Staaten unter diesem Zielwert. Deutschland blieb damals besonders weit zurück. Angesichts der wachsenden Bedrohung aus Russland hat sich diese Situation jedoch geändert.

Laut der jüngsten Nato-Statistik vom Juni 2024 liegen von den 32 Mitgliedern nur noch acht Staaten unter der Zwei-Prozent-Marke. Island, das keine eigenen Streitkräfte besitzt, wird hierbei nicht einbezogen. Trumps Fünf-Prozent-Ziel bleibt jedoch für alle weit entfernt – selbst für die USA. Die Länder an der russischen Grenze, wie Polen mit 4,12 Prozent und Estland mit 3,43 Prozent, stehen an der Spitze. Die USA folgen mit 3,38 Prozent, obwohl sie die größte Wirtschaftskraft innerhalb der Nato haben. Deutschland wird für 2024 mit einem Anteil von 2,12 Prozent geschätzt.

Was würden fünf Prozent für den Bundeshaushalt bedeuten?

Eine Erhöhung auf fünf Prozent würde 2025 Verteidigungsausgaben von weit mehr als 200 Milliarden Euro erfordern, basierend auf dem von der Bundesregierung geschätzten Bruttoinlandsprodukt von 4.400 Milliarden Euro.

Der bisherige Entwurf des Bundeshaushalts für 2025 sieht einen Verteidigungsetat von 53,3 Milliarden Euro vor. Das entspricht etwa elf Prozent des Gesamthaushalts, der auf rund 489 Milliarden Euro veranschlagt wird. Nicht eingerechnet sind hier militärische Hilfen für die Ukraine sowie Ausgaben aus dem 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen der Bundeswehr, das bis 2027 aufgebraucht sein dürfte. Für 2024 meldete Deutschland der Nato daher zuletzt Verteidigungsausgaben von rund 90,6 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: Der derzeit größte Einzeletat ist der des Arbeitsministeriums mit 179 Milliarden Euro, zu dem unter anderem Renten- und Bürgergeldausgaben gehören. Würde das Verteidigungsbudget auf fünf Prozent des BIP angehoben, wäre es somit der größte Etatposten.

Wie positionieren sich die Parteien dazu im Wahlkampf?

Innerhalb der Parteien der ehemaligen Ampel-Koalition und der Union gelten die zwei Prozent als Untergrenze. Die Regierung erreichte diesen Wert jedoch nur mithilfe des Sondervermögens für die Bundeswehr. Eine Finanzierung aus dem regulären Haushalt bleibt ungeklärt.

Im Wahlprogramm der Union heißt es: "Wir verstehen das aktuelle Zwei-Prozent-Ziel der Nato als Untergrenze unserer Verteidigungsausgaben, um eine vollständig einsatzbereite Bundeswehr mit einer personellen und materiellen Vollausstattung zu ermöglichen." CSU-Chef Markus Söder erklärte bei RTL/ntv, Deutschland müsse "deutlich über drei Prozent" anstreben. Unionsfraktionsvize Johann Wadephul sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, man sei bereit, "drei Prozent als weiteres Ziel anzustreben".

Auch die SPD plant laut Programmentwurf eine "nachhaltige Verteidigungsfinanzierung von mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts". Die Grünen wollen "dauerhaft deutlich mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in unsere Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit" investieren, finanziert durch höhere Kredite. Kanzlerkandidat Robert Habeck strebt 3,5 Prozent an. Die FDP bekennt sich in ihrem Programmentwurf zur Erfüllung der Nato-Ziele und sieht perspektivisch sogar drei Prozent vor. "Wenn die Nato höhere Ziele vereinbart, werden wir auch diese erfüllen und noch mehr in unsere Sicherheit investieren."

Was sagen AfD, BSW und die Linke?

Die Linke vertritt eine ganz andere Haltung. Parteichef Jan van Aken sagte, der derzeitige Verteidigungsetat von 52 Milliarden Euro sei ausreichend. Im Wahlprogramm des Bündnisses Sahra Wagenknecht werden keine konkreten Zahlen genannt; die Partei bezeichnet sich als "einzige konsequente Friedenspartei im Deutschen Bundestag".

Im Entwurf des AfD-Wahlprogramms heißt es lediglich, die Bundeswehr müsse "finanziell gut ausgestattet" sein. Parteichefin Alice Weidel erklärte in einem Interview mit "The American Conservative", eine AfD-geführte Regierung würde den Verteidigungshaushalt signifikant erhöhen, ohne jedoch genaue Zahlen zu nennen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dacia Sandero Stepway: Europas Bestseller hat ein Sicherheitsproblem
10.10.2026

Europas meistverkauftes Auto kommt nicht von Volkswagen, Toyota oder Peugeot, sondern von Dacia. Der Sandero Stepway punktet mit enormer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kingspan Group-Aktie unter Druck: EU greift nach geplatztem Deal durch
10.10.2026

Ein geplatzter Milliardendeal? Nein, ein gescheiterter Firmenkauf mit teuren Folgen. Weil der irische Baustoffkonzern Kingspan die...

DWN
Politik
Politik Marine Le Pen plant finanzpolitischen Kurs mit großen Einsparungen: Auf den Straßen wächst die Wut
10.10.2026

Frankreich steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Während Zehntausende junge Menschen gegen marode Schulen und fehlende Investitionen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Generation Z trifft auf Generation X: Wie ein Eiskaffee zum Karrierekiller werden kann
10.10.2026

Ein Eiskaffee beim Bewerbungsgespräch sollte eigentlich keine große Sache sein. Doch für manche Personalverantwortliche verrät der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB-Leitzinsen: Die Zinswende kommt anders als erwartet
10.10.2026

Erst schien die nächste Zinserhöhung der EZB fast sicher, jetzt rudern die Finanzmärkte zurück. Trotz hartnäckiger Inflation und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Anleger wägen SpaceX-Schritt ab, während die Wall Street boomt
09.10.2026

Wie ein überraschender Deal die Kräfteverhältnisse an der Börse nachhaltig verschiebt.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Finanz Informatik: Der unsichtbare Riese hinter der Sparkassen-Digitalisierung
09.10.2026

Vom Online-Banking bis zu Wertpapiergeschäften – die Finanz Informatik digitalisiert 338 Sparkassen und betreut rund 114 Millionen...

DWN
Politik
Politik Brüssel schlägt vor: weniger Kommissare, weniger Vetos, mehr Schutzklauseln und 15 Jahre Kontrolle neuer Mitglieder
09.10.2026

Die Europäische Kommission will in den bisherigen Mitgliedstaaten Unterstützung für die Erweiterung gewinnen, da dort Sorgen über die...