Panorama

Russischer Öltanker vor Rügen: "Eventin" mit 99.000 Tonnen Öl an Bord - was der Vorfall für die Sicherheit der Ostsee bedeutet

Ein russischer Öltanker vor Rügen in Seenot: Die Eventin, wie der Gigant heißt, ist beladen mit rund 99.000 Tonnen Öl und gehört zur sogenannten russischen Schattenflotte, also zur nicht registrierten und oft überalteten Schiffsflotte Russlands. Trotz der massiven Ladung besteht derzeit keine akute Gefahr für die Umwelt, der Tanker scheint inzwischen gesichert. Doch was bedeutet dieser Vorfall für die Sicherheit der Ostsee?
10.01.2025 15:38
Aktualisiert: 10.01.2025 15:38
Lesezeit: 3 min

Ein russischer Tanker trieb mehrere Stunden manövrierunfähig nördlich der Insel Rügen in der Ostsee. Die 274 Meter lange und 48 Meter breite "Eventin" hat nach Angaben des Havariekommandos nach bisherigem Kenntnisstand etwa 99.000 Tonnen Öl geladen. Das Schiff sei dicht, für die Umwelt bestehe keine Gefahr, sagte eine Sprecherin des Havariekommandos. Auch für die Besatzung des unter der Flagge von Panama fahrenden Tankers bestehe demnach keine Gefahr. Die Seeleute seien an Bord und blieben auch dort, eine Evakuierung sei nicht erforderlich.

Die "Eventin" wurde 2006 gebaut und steht auf einer Liste der Umweltorganisation Greenpeace mit Schiffen der sogenannten russischen Schattenflotte. Mit solchen Schiffen wird russisches Öl exportiert. Sie sind häufig überaltert. Der havarierte Tanker vor Rügen ist inzwischen gesichert, es wurde laut Havariekommando auf hoher See eine Schleppverbindung hergestellt. Wohin der russische Rügen-Tanker geschleppt wird, ist noch nicht klar.

Tanker vor Rügen: Unterwegs von Russland nach Ägypten

Nach Angaben des Tracking-Dienstes Vesselfinder war der Rügen-Tanker auf dem Weg von Ust-Luga (Russland) nach Port Said (Ägypten). Das Havariekommando sprach von mäßigem bis frischem Wind – mehr Details zu Wetter und Wellengang konnten zunächst nicht gegeben werden.

Warum der Tanker in Seenot geriet und manövrierunfähig wurde, sei noch unklar, sagte die Sprecherin weiter. Zur Vermeidung weiterer Gefahren waren das Mehrzweckschiff "Arkona" der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes sowie der Notschlepper "Bremen Fighter" zum Havaristen geschickt worden. Außerdem seien der Schlepper "Bremen" sowie ein speziell ausgebildetes Team alarmiert worden, das eine Schleppverbindung zu dem Havaristen herstellen sollte.

Vorfall im Oktober: Öltankschiff brannte vor Küste Mecklenburg-Vorpommerns

Erst Mitte Oktober hatte es einen Zwischenfall mit einem Öltanker vor Mecklenburg-Vorpommerns Küste gegeben. Das kleine Öltankschiff "Annika" brannte auf der Ostsee in Sichtweite der Küste. Das Schiff war auf dem Weg von Rostock nach Travemünde, als am 11. Oktober rund 4,5 Kilometer vor dem Ostseebad Heiligendamm an Bord Feuer ausbrach. Nach ersten Löscharbeiten auf See war das 73 Meter lange und 12 Meter breite Schiff von Schleppern in den Rostocker Überseehafen bugsiert worden. Öl trat bei dem Zwischenfall nicht aus.

Litauen für striktes Vorgehen gegen Russlands Schattenflotte

Trotz Sanktionen treibt Russland weiter Handel mit Öl - mit Tankern und Frachtschiffen über die Ostsee. Litauen hat nun die anderen Anrainerstaaten dazu aufgerufen, dagegen gemeinsam entschieden vorzugehen. Litauens Außenminister Kestutis Budrys hat sich für ein entschiedeneres Vorgehen und weitere Maßnahmen gegen Russlands Schattenflotte ausgesprochen. "Die Ostsee ist das wichtigste Tor für Russlands Ölexporte und das müssen wir unterbinden", sagte er bei einem Besuch in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Zugleich sei die Schattenflotte ein "Instrument in den Hybridaktivitäten" und stelle eine Bedrohung für die Umwelt dar. Daher müsse sie gestoppt werden, sagte Budrys. Der Minister sagte, er hoffe, dass sich die zur Nato gehörenden Ostseeanrainerstaaten bei ihrem Gipfel kommende Woche in Finnland politisch darauf einigen können. Für die Ostsee und die Umwelt sind die Tanker vor Rügen mit ihren gigantischen Ladungen ein Problem. Eine Lösung - gerade im Umgang mit Russlands Schattenflotte - muss dringend gefunden werden.

Russland wird seit langem vorgeworfen, zur Umgehung eines westlichen Preisdeckels für russische Ölexporte in Drittstaaten auf Schiffe zu setzen, die nicht in der Hand westlicher Reedereien und nur unzureichend versichert sind. Weiter betonte Budrys ebenso wie sein estnischer Kollege Margus Tsahkna, dass internationale Vorschriften und nationale Regulierungen angepasst werden müssen, um auf Zwischenfälle in der Ostsee reagieren zu können.

Bei ihrem Spitzentreffen in Helsinki wollen die Nato-Verbündeten der Anrainerstaaten über die Sicherheit in der Region sprechen, nachdem es zuletzt wiederholt zu Vorfällen gekommen war, bei denen Leitungen und Kabel in der Ostsee beschädigt wurden. An Weihnachten waren Schäden an einem Stromkabel zwischen Finnland und Estland sowie an vier Kommunikationskabeln festgestellt worden. Die finnischen Behörden setzten in der Folge den Öltanker "Eagle S" fest, der nach Einschätzung der EU zur russischen Schattenflotte gehört.

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