Politik

Von Russland lernen, um Taiwan anzugreifen? China studiert Sanktionen gegen Russland — und wie man sie umgeht

Etliche Sanktionen des Westens gegen Moskau haben ihre Wirkung verfehlt — die russische Wirtschaft bleibt resilient, während die EU und insbesondere Deutschland unter dem Handelskrieg leiden. In Peking wird der russische Weg aufmerksam studiert, um die Oberhand zu behalten, sollte es zu einem Angriff auf Taiwan kommen.
06.01.2025 06:01
Lesezeit: 3 min
Von Russland lernen, um Taiwan anzugreifen? China studiert Sanktionen gegen Russland — und wie man sie umgeht
China analysiert genau die Auswirkungen westlicher Sanktionen auf Russland, um sich auf mögliche Reaktionen des Westens bei einer möglichen Eingliederung Taiwans vorzubereiten. Gleichzeitig verstärkt Peking den militärischen Druck, mit rund 90 Schiffen in der Nähe Taiwans. Eine Eskalation scheint möglich. (Foto: iStock.com/Rich Townsend) Foto: Rich Townsend

Kaum ein Land steht so treu an der Seite Moskaus wie China. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt unterstützt Russland mit unterschiedlichsten Waren, von Mikroelektronik bis zu Waschmaschinen. Der Handel hat sich seit 2022 intensiviert, und Peking duldet selbst spektakuläre Aktionen Moskaus wie die Rekrutierung nordkoreanischer Soldaten in der Ukraine. Peking profitiert maßgeblich von den Erfahrungen, die es aus dem hybriden Krieg Russlands gegen den Westen erlangt.

So studiert man in China aufmerksam die Wirkweise von Sanktionen auf die russische Volkswirtschaft. Der Hintergrund: Taiwan soll in das chinesische Festland einverleibt werden. Ob und wann China Taiwan angreifen wird, ist unklar. Auch ist nicht sicher, ob es dabei auf eine hybride oder klassische Kriegsführung zurückgreift. Derweil befinden sich 90 chinesische Kriegs- und Schiffe der Küstenwache um Taiwan. Die Lage könnte also plötzlich eskalieren.

China vs. USA: Bestehen in Zeiten der „economic warfare“

Laut einem Bericht des Wall Street Journals (WSJ) besuchen chinesische Offizielle die russische Zentralbank, das Finanzministerium und andere Institutionen, die gegen die westlichen Sanktionen ankämpfen. In Zeiten der „ökonomischen Kriegsführung“, in der Wirtschaft und geostrategische Politik zunehmend miteinander vermengt werden, benötigt Peking das Know-how der Russen, um gegen etwaige Sanktionen des Westens bestehen zu können.

Hoffnungen Chinas auf eine Entspannung zwischen den USA und dem eurasischen Machtblock wurden durch die Trump Administration bereits jetzt ein Ende bereitet. Trump kündigte an, die Strafzölle und Steuern auf Produkte aus Mexiko, Kanada und China am ersten Tag seiner Amtszeit massiv zu erhöhen. Selbst ohne einen Kriegsausbruch scheint die Zollvermeidung für China daher dringlicher denn je.

Und die beherrscht man in Russland außerordentlich gut. Auch wenn der Rubel kürzlich abstürzte, zeigt sich die russische Wirtschaft überraschend zäh gegenüber den zahlreichen westlichen Sanktionen, die sie seit Kriegsbeginn getroffen hat. Das liegt vorwiegend an den Öl- und Gasexporten Moskaus sowie seinen engen Beziehungen zu China und dem Iran.

Vorbereitungen, Deglobalisierung und starke Allianzen gegen den Westen

Russland profitiert in der engen Partnerschaft mit China deutlich mehr als sein Partner. Peking könnte die fossilen Energieträger Russlands auch von anderen Partnern erhalten, während Russland dringend auf die Hilfe Pekings angewiesen ist. Peking erkennt aber vornehmlich die Relevanz von Vorbereitung, die Notwendigkeit zur Strahlung von Lieferketten und von der Bildung starker Allianzen gegen einen äußeren Feind — Kernelemente des russischen Kampfes gegen den Westen.

Russland zehrt zudem noch heute von seinen umfassenden Maßnahmen, Vermögenswerte zu entdollarisieren und der Diversifizierung seiner Vermögenswerte, Vorkehrungen, die China längst trifft.

Ohne seine engen Verbindungen zum Iran und zur Volksrepublik hätte Moskau den Krieg womöglich längst abbrechen müssen. So wird auch die Notwendigkeit starker Allianzen gegen den Westen ersichtlich. China erhofft sich, mit Bündnissen wie der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) oder den BRICS gegen den Westen mehr Verhandlungsspielraum zu schaffen.

Auch versucht Peking, seine Wirtschaft weitgehend autark zu gestalten. Die Straffung von Lieferketten zugunsten des heimischen Marktes wird in Russland spätestens seit der Annexion der Krim im Jahr 2014 erprobt und durchgeführt, wobei Peking sich bereits jetzt deutlich erfolgreicher auf diesem Gebiet zeigt.

Wird der Export essenzieller Güter ins Ausland untersagt oder sanktioniert, greift Moskau auf Mittel wie seine „Schattenflotte“ zurück. So werden russische Rohstoffe über ehemalige Sowjet-Republiken ins Ausland gebracht, ein System, das im angelsächsischen Sprachraum als „Eurasian Roundabout“ betitelt wird. China kopiert diese Praxis nicht nur, sondern gestaltet sie auch aktiv mit. So schaffen es chinesische Firmen, trotz drakonischer Sanktionen mit Russland chinesische Kraftwerke in der Arktis aufzubauen, gleichzeitig aber bestmögliche Deals mit westlichen Partnern auszuhandeln.

Kommt eine „Chinesische Lösung“ gegen den Westen?

China könnte die russischen Erfahrungswerte nutzen, um deutlich eleganter und effektiver gegen westliche Sanktionen vorzugehen.

Die Monopolstellung Chinas beim Besitz und dem Raffinieren seltener Erden und kritischer Mineralien erlaubt es dem Land, einen wirksamen Hebel gegen den Westen einzusetzen. Wird der Export von profitablen Gütern wie E-Autos und Batterien sanktioniert, wird die Produktion in unbelastete Länder wie Ungarn, die Türkei, Marokko oder Brasilien verlegt. Von dort können günstig produzierte Autos, Batterien und mehr in westliche Länder geliefert werden, ohne dabei von den Strafzöllen erfasst zu werden.

Diese aggressive Wirtschaftspolitik Chinas könnte einst den Grundstein für eine erfolgreiche Lösung gegen die westliche Vormacht legen. Der Westen und sogar Deutschland, vormals einer der größten Profiteure der Globalisierung und der engen Beziehungen zu Russland und China, greifen indessen zu rabiateren Mitteln, um China in die Schranken zu weisen. Zum ersten Mal seit 22 Jahren fuhr eine deutsche Fregatte in der Taiwanstraße, ein klarer Affront gegen China. Die Trump Administration droht derweil mit Strafzöllen gleichermaßen gegen die Volksrepublik und deren Handelspartner.

In Deutschland stellt sich derweil die Frage, ob der langsam eskalierende Konflikt zwischen Eurasien und den USA eine Notwendigkeit in der gegenwärtigen geopolitischen Lage darstellt — und ob Europa ihn überhaupt bestehen kann, ohne dabei von einem der beiden Gravitationszentren Peking oder Washington verschluckt zu werden.

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Virgil Zólyom

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Virgil Zólyom, Jahrgang 1992, lebt in Meißen und arbeitet dort als freier Autor. Sein besonderes Interesse gilt geopolitischen Entwicklungen in Europa und Russland. Aber auch alltagsnahe Themen wie Existenzgründung, Sport und Weinbau fließen in seine Arbeit ein.

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