Politik

Weltweit viertgrößte Armee: Können Nordkoreas Truppen Russland zum Sieg verhelfen?

Es ist eine Wende im Ukrainekrieg: Rund 10.000 nordkoreanische Soldaten wurden nach Europa entsandt, um dort an der Seite Russlands zu kämpfen. Kann die viertgrößte Armee der Welt Putins Truppen die nötige Unterstützung bieten, um die Ukraine endgültig in die Defensive zu zwingen?
17.11.2024 16:03
Lesezeit: 3 min

Im Schatten der US-Wahlen und der Selbstdemontage der Ampel-Regierung Deutschlands schaffte Wladimir Putin Historisches: Der russische Präsident lud ausländische Truppen nach Russland ein, um ihm bei einem Feldzug gen Westen zu helfen. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un sandte bereits über 13.000 Soldaten nach Russland, um dort trainiert zu werden und schließlich in Kursk zu kämpfen.

Analysten schätzen, dass die Zahl der nordkoreanischen Soldaten in Russland bis 2025 gar auf 100.000 hochschnellen könnte, sollte sich die Zusammenarbeit als Erfolg erweisen. Während Nordkorea pro Soldat und Monat einen Sold von umgerechnet 2.000 Dollar erhält, bekommt Putin Unterstützung von den besten Militärs, die Nordkorea zu bieten hat. Diese dürfte er brauchen, um die langsamen Geländegewinne seiner Truppen voranzubringen.

Nordkorea sendet Spezialkräfte und Artilleriemunition nach Russland

Nordkorea mit seinen 25 Millionen Einwohnern verfügt über 1,3 Millionen aktive Soldaten und etwa 7,6 Millionen Reservisten. Beinahe also 9 Millionen Menschen, die das verarmte Land gerne gegen finanzielle Hilfe und tatsächliche Kampferfahrung seiner Rekruten eintauschen möchte. Und Manpower, die Russlands Armee dringend benötigt. Denn Russland vermeldet derzeit zwar Geländegewinne, allerdings auch tägliche Verluste von um die 1.200 Mann.

Dieser Verschleiß soll mit nordkoreanischen Soldaten aufgewogen werden. Ein Teil der Spezialkräfte des kommunistischen Regimes Nordkoreas bildet das sogenannte „Sturmkorps“. Diese Truppen sollenBlitzangriffe auf feindliche Territorien ausführen. Viele der nordkoreanischen Soldaten, die derzeit in Ostrussland trainiert oder bereits in Kursk stationiert werden, gehören zu der Spezialeinheit.

Diese Infanterie könnte an Sabotageaktionen, Sturmangriffen und Unterstützungen für reguläre Vorstöße der russischen Armee beteiligt werden. Mit ihrer Hilfe bereiten die russischen Streitkräfte eine Offensive zur Rückeroberung Kursks vor. Im Idealfall soll nach der Konsolidierung ihrer Föderation die Front in Cherson, Saporischschja, Charkiw und weiteren ostukrainischen Gebieten zugunsten Russlands verschoben werden.

Des Weiteren soll Nordkorea Russland mit seiner stärksten Waffengattung beliefern: der Artillerie. Sowohl Munition als auch Geschütze und Fachpersonal werden von Pjöngjang bereitgestellt. Im Ukrainekrieg ist die Artillerie für etwa 80 Prozent aller Verluste verantwortlich. Die Seite, die also mehr Kanonen und Granaten zur Verfügung hat, erhält damit die Offensivkraft. Ukraines Präsident Selenskyj bittet bereits jetzt um mehr Waffen, um seine in die Defensive gedrängten Truppen zu entlasten, eine Aufstockung russischer Arsenale könnte den Druck auf Kiew dramatisch verschärfen.

Mehr Unterstützung für die Ukraine, zweifelhafte Kampfkraft der Nordkoreaner

Doch sind die ostasiatischen Soldaten mit veralteter Ausrüstung und ohne jegliche Kampferfahrung tatsächlich geeignet, um den russischen Truppen beizustehen? Immerhin mehren sich bereits jetzt Meldungen von nordkoreanischen Deserteuren und Ausfällen an der Front. Die ukrainischen Truppen zeigen sich zuversichtlich, dass die Nordkoreaner über zu wenig Kampferfahrung verfügen und das Kriegsgeschehen nicht entscheidend beeinflussen dürften.

Auch bekommt die Ukraine Zuspruch von Japan und Südkorea. Beide Länder diskutieren derzeit über eine Reaktion auf die vertiefte militärische Zusammenarbeit zwischen Moskau und Pjöngjang. Südkorea sicherte den Ukrainern große Militärhilfen zu und auch der Außenminister der USA, Anthony Blinken, sprach davon, dass Moskau schon bald eine „harte Antwort“ auf den Einsatz nordkoreanischer Soldaten erhalten werde.

Mark Rutte: Nordkoreaner in Europa markieren „Wendepunkt“

Es wäre allerdings verfehlt, den Einfluss nordkoreanischer Truppen in der Ukraine deshalb zu unterschätzen. NATO-Generalsekretär Mark Rutte sieht einen „Wendepunkt des Krieges“ in dem Einsatz der ausländischen Truppen für Moskau. „Bisher hat unsere Unterstützung die Ukraine im Kampf gehalten. Aber wir müssen noch viel mehr tun, um den Verlauf des Konflikts zu ändern. Wir müssen die Kosten für Putin und seine autoritären Freunde erhöhen“, so Rutte.

Zwar ist der Einsatz ausländischer Streitkräfte auf russischem und sogar ukrainischem Gebiet kein Novum. Doch sobald die logistische Grundlage für den Nachzug weiterer Truppen aus Nordkorea etabliert worden ist, könnten zügig deutlich mehr Soldaten ins Kriegsgeschehen geschickt werden. So schätzt der südkoreanische Geheimdienst, dass derzeit etwa 13.000 Nordkoreaner in Russland stationiert sind und in Teilen schon an der Front kämpfen. Und schon 2025 könnten über 100.000 Nordkoreaner an dem Kampfgeschehen teilnehmen.

Nordkorea für den Ukrainekrieg das „Zünglein an der Waage“

Eine solche Masse an unterstützenden Kräften könnte Putins Truppen durchaus zum Sieg verhelfen, wenn der Westen keine gleichwertigen Gegenmaßnahmen ergreift. Doch auch wenn eine drastische Erhöhung der Hilfsmittel für die Ukraine vergleichsweise laut Mark Rutte unverzichtbar und überdies billig sei, sind die westlichen Partner Kiews gespaltener Meinung. Experten wie Ostasienexperte Prof. Rüdiger Frank sehen im Hochfahren der Rüstungslieferungen und in Debatten um die Einbeziehung westlicher Truppen in der Ukraine ein gefährliches Eskalationspotenzial, das schlimmstenfalls zum Dritten Weltkrieg führen könnte.

Nordkoreanische Soldaten in Russland könnten also für den Krieg das Zünglein an der Waage darstellen. Antwortet der Westen mit verstärkten Waffenlieferungen oder gar Truppenentsendungen, riskiert er eine weitere Eskalation. Innerhalb dieser Zwickmühle sind die Augen nicht zuletzt auf China gerichtet, das massiven Druck auf Russland und Nordkorea ausüben könnte, um den Konflikt zu deeskalieren. Doch Peking wartet ab.

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Virgil Zólyom, Jahrgang 1992, lebt in Meißen und arbeitet dort als freier Autor. Sein besonderes Interesse gilt geopolitischen Entwicklungen in Europa und Russland. Aber auch alltagsnahe Themen wie Existenzgründung, Sport und Weinbau fließen in seine Arbeit ein.

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