Wirtschaft

Maul- und Klauenseuche Deutschland: Landwirtschaftliche Schäden und Eindämmungsmaßnahmen

Der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche Deutschland sorgt für große Besorgnis unter Landwirtinnen und Landwirten. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krankheit sind bereits in Brandenburg spürbar. Trotz der Ungefährlichkeit des Virus für Menschen sind die Schäden für die Landwirtschaft erheblich. Erfahren Sie mehr über die aktuellen Entwicklungen und Maßnahmen.
18.01.2025 09:25
Lesezeit: 3 min

Der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche Deutschland versetzt Landwirtinnen und Landwirte bundesweit in Sorge. „Es muss alles darangesetzt werden, um diesen Ausbruch einzudämmen“, teilte der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, mit. „Obwohl das Virus für den Menschen völlig ungefährlich ist, ist der wirtschaftliche Schaden für die Tierhalter erheblich.“ Bund und Länder müssten nun eng zusammenarbeiten.

Wirtschaftliche Folgen für Brandenburg sofort spürbar

„Die Maul- und Klauenseuche Deutschland ist für uns Landwirte ein Supergau, wenn sie in der Fläche vorkommt“, sagte auch der Landesbauernpräsident aus Brandenburg, Henrik Wendorff, der DPA. Wirtschaftlich seien die Auswirkungen für Brandenburger Betriebe sofort spürbar gewesen.

Die Maul- und Klauenseuche Deutschland (MKS) ist eine hochansteckende Viruserkrankung bei Klauentieren wie Rindern, Schafen, Ziegen oder Schweinen. Betroffene Tiere zeigen häufig hohes Fieber und Bläschenbildung im Maul- und Klauenbereich.

Zur Eindämmung der Tierseuche hatte das Brandenburgische Landwirtschaftsministerium von Samstag bis Montagnacht – genau für 72 Stunden – ein Verbot angeordnet, Klauentiere zu transportieren.

Ställe seien deshalb überbelegt, sagte Wendorff. „Man muss sich vorstellen, das sind alles Zeitläufe und Abläufe, die getaktet sind.“ Unter den Tierhaltern gebe es eine große Solidargemeinschaft, wie die Tierseuchenkasse, die Teile des Schadens auffange. Die Höhe der Schäden sei aber noch nicht zu beziffern.

Handel innerhalb der EU weiterhin möglich

Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) hat nach Angaben seines Ministeriums bereits den Kontakt zu seinen Amtskollegen aus den Ländern aufgenommen, um sie über die Lage zu informieren. Mit Vertretern der Branche traf sich Özdemir am Nachmittag in Baden-Württemberg.

Die konkreten wirtschaftlichen Auswirkungen für die Betriebe seien noch unklar, sagte ein Ministeriumssprecher. Der Handel mit Agrarprodukten, die nicht aus den Sperrzonen stammen, sei innerhalb der EU weiterhin möglich. Bei Drittstaaten, mit denen der Handel über Zertifikate stattfinde, gebe es noch keinen genauen Überblick. Unter anderem Südkorea und Mexiko hätten aber bereits angekündigt, vorerst kein Schweinefleisch mehr aus Deutschland zu importieren.

Weitere Tiere werden aufgrund der Maul- und Klauenseuche getötet

Unterdessen sollten weitere Tiere aufgrund des Ausbruchs der Tierseuche in Brandenburg getötet werden. Auf einem Betrieb in Schöneiche (Landkreis Oder-Spree) betreffe das 55 Ziegen und Schafe sowie 3 Rinder, die vorsorglich gekeult würden, sagte eine Sprecherin des Landkreises.

Hintergrund sei, dass der Hof Heu vom betroffenen Büffel-Betrieb in Hönow bezogen hatte. Dort – ganz in der Nähe von Berlin – war das MKS-Virus in Proben von Wasserbüffeln nachgewiesen worden. Bei dem Hof in Schöneiche handele es sich um einen Kontaktbestand, sagte Brandenburgs Agrarministerin Hanka Mittelstädt (SPD) im RBB-Inforadio.

Keine weiteren bestätigten Fälle bislang

„Dementsprechend musste dort auch die Tötungsanordnung kommen, weil eben die Ausbreitung deutlich eingedämmt werden muss. Wir wissen nicht, ob das Heu tatsächlich auch das MKS-Virus in sich hatte.“

Bislang seien keine weiteren bestätigten Fälle bekannt. „Stand heute ist, dass die gegenwärtig ausgewerteten Proben keinen weiteren positiven Befund hatten“, sagte Mittelstädt weiter.

Landkreis: Ziegen zeigen keine Krankheitssymptome

In Schöneiche, wo Ziegen und andere Tiere vorsorglich getötet werden, sollen Proben untersucht werden. Ein Krisenstab mit Tierärzten sei im Einsatz, sagte die Sprecherin des Oder-Spree-Kreises. Krankheitsanzeichen zeigten die Tiere nach bisherigen Erkenntnissen nicht. Zuvor waren bereits rund 170 Schweine im Landkreis Barnim getötet worden, weil dieser Tierbestand in der Nähe des Ausbruchsorts liegt.

Die Auswirkungen sind auch in Berlin zu spüren. Wegen der Maul- und Klauenseuche Deutschland werden einige Kinderbauernhöfe vorsichtshalber geschlossen. Am Gehege des Tierhofs Alt-Marzahn etwa wurden Schilder angebracht, auf denen wegen der Gefahr für die Tiere darum gebeten wurde, sie weder anzufassen noch zu füttern.

Auch der Tierhof Helle Tierarche in Marzahn-Hellersdorf schloss wegen der Tierseuche. Der Betrieb befindet sich innerhalb der Schutzzone um die betroffene Weide mit den Wasserbüffeln in Hönow. „Wir hoffen, dass wir verschont bleiben“, sagte Projektleiter Monty Geiseler. Bislang gehe es allen Tieren gut. Am Freitag war ein Schaf der Tierarche gestorben, wurde anschließend aber negativ auf MKS getestet.

Döberitzer Heide sperrt Eingänge zum Schutz der Wildtiere

Westlich von Berlin im Naturschutzgebiet Döberitzer Heide wurden zudem sämtliche Eingänge bis auf Weiteres gesperrt. „Wir appellieren in aller Dringlichkeit an die Bevölkerung, die Döberitzer Heide vorerst nicht mehr zu betreten oder zu befahren und auch die angrenzenden Parkplätze zu meiden“, teilte der Leiter der Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide, Peter Nitschke, mit. „Die Maul- und Klauenseuche Deutschland ist eine sehr ernste Gefahr für unsere Wisente, Rothirsche und genauso für die vielen Weidetiere unserer Pächter wie etwa Galloway-Rinder, Wasserbüffel, Schafe und Ziegen.“

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