Finanzen
Anzeige

Drastischer Rückgang der Anzeigen für nicht lizensiertes Glücksspiel in Deutschland

Die Glücksspielindustrie wächst in jeder Hinsicht. Immer mehr Menschen nehmen am Online Glücksspiel teil, und das sowohl in Deutschland als auch weltweit. Die Gemeinsame Glücksspielaufsichtsbehörde der Länder (GGL) kündigt nun aber an, Werbung für nicht lizensierten Online Casinos über Google Ads zu minimieren.
22.01.2025 09:33
Lesezeit: 3 min
Drastischer Rückgang der Anzeigen für nicht lizensiertes Glücksspiel in Deutschland
(Bildquelle: unsplash.com)

Dieser Wandel ist Teil der aktualisierten Werberichtlinie "Glücksspiele und andere Spiele", die am 25. September des vergangenen Jahres umgesetzt wurde. Der deutsche Staat möchte sich damit gegen nicht lizensierte Online Casinos durchsetzen. Doch worum handelt es sich eigentlich bei der Gemeinsamen Glücksspielaufsichtsbehörde und was will sie mit diesen neuen Richtlinien bewirken?

Die Gemeinsame Glücksspielaufsichtsbehörde

Die GGL hat die Aufgabe, die Bundesländer Deutschlands mit gemeinsamen Regulierungen für den Glücksspielmarkt zu vereinen und illegale Aktivitäten zu verhindern. Seitdem im Jahr 2021 der Glücksspielstaatsvertrag durchgesetzt wurde, will Deutschland den Markt und das Glücksspiel stärker regulieren. Die Ziele dafür sind vielfältig. Zum einen möchte die GGL den Spielerschutz gewährleisten und dafür sorgen, dass sich alle Anbieter auf dem Markt an gewisse Regeln halten. Die deutschen Gesetze geben zum Beispiel vor, dass die Spielsucht mit Hilfe von Einsatzlimits und Transparenz der Gewinnchancen vermieden werden muss. Außerdem sollen Online Casinos und andere Glücksspielplattformen nur eingeschränkt für sich werben dürfen.

Marktkontrolle und Wettbewerb

Außerdem zahlen internationale Plattformen, die zum Beispiel in Curaçao oder Malta lizensiert sind, in Deutschland keine Steuern - ein Umstand der dem deutschen Staat selbstverständlich ein Dorn im Auge ist. Gehört ihnen ein Großteil der Gewinne durch deutsche Spieler, gibt es für den deutschen Staat keinen Weg, an diesem Profit teilzuhaben, während die deutsch lizensierten Online Casinos natürlich saftige Steuern zahlen. Da sich die internationalen Online Casinos an weniger strenge Regeln halten müssen, könnte man argumentieren, dass sie, bei gleichen Werbeausgaben, einen unverhältnismäßigen Vorteil gegenüber den deutschen Online Casinos hätten. Unter anderem deshalb will die Gemeinsame Glücksspielaufsichtsbehörde der Länder ihren Marktanteil gering halten.

Internationale Online Casinos, auch ohne Einzahlung

Aus Sicht des Verbrauchers sind diese Absichten nicht unbedingt förderlich. Für den Spieler öffnen die international lizensierten Online Casinos nämlich großartige Türen. So können sie in einem Online Casino aus Malta beispielsweise einen Bonus ohne Einzahlung in 2025 kassieren, mit dem sie ohne Verifizierung direkt mit dem Spiel beginnen können. Experten wie Erik King stellen diesen Punkt immer wieder als konkreten Vorteil gegenüber den deutschen Online Casinos vor. Der Bonus kann vor allem an Spielautomaten verwendet werden und lässt neue Spieler sogar dann gewinnen, wenn sie selbst noch keinen Cent in ihr Konto eingezahlt haben - ein attraktiver Verkaufspunkt. Bei ihnen können Spieler mit Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum und Co. zahlen und ohne Verifizierung am Glücksspiel teilnehmen. Die deutschen Online Casinos können dabei nicht mithalten.

Suchmaschinenoptimierung und lokale Priorisierung

Ganz konkret möchte die Gemeinsame Glücksspielaufsichtsbehörde der Länder also die Prominenz der international lizensierten Online Casinos in den deutschen Suchmaschinenergebnissen reduzieren. Das passiert allerdings nicht nur durch strengere Auflagen für Google Ads. Stattdessen muss sie auch die Suchmaschinenoptimierung (SEO) unter die Lupe nehmen. Verfügt ein Online Casino aus Malta nämlich über eine gut strukturierte Website mit exzellenten Inhalten, schnellen Ladezeiten und den entsprechenden Backlinks, wird sie bei der Suche nach den entsprechenden Keywords trotzdem zu den ersten Treffern gehören. Dementsprechend landet der Nutzer eben doch auf der Seite des internationalen Anbieters, und das, ohne dass dafür überhaupt Google Ads geschaltet werden mussten. Die GGL möchte allerdings lieber lokale Unternehmen priorisieren.

Proaktive Zusammenarbeit mit Google

Allein wird sie das nicht schaffen. Deshalb hat sie sich den Giganten Google zu Rate gezogen und will mit ihm seit 2023 zusammen dafür sorgen, dass die politischen und wirtschaftlichen Ziele erreicht werden. Die Alternative wäre ein Wandel auf der Verwaltungsebene, doch die Gemeinsame Glücksspielaufsichtsbehörde der Länder ging direkt ans Eingemachte und trat in den offenen Dialog mit Google selbst. Seitdem erscheinen für die internationalen Anbieter tatsächlich keine Google Ads mehr. Stattdessen liegt der Fokus bei den deutschen Plattformen, die nicht nur über eine deutsche Lizenz verfügen, sondern auch den deutschen Glücksspielstaatsvertrag einhalten müssen. Laut Ronald Benter, einem Vorstandsmitglied der GGL, sollten vor allem Vergleichsportale entfernt werden. Sie waren nämlich bisher noch ein entscheidender Faktor dafür, dass Spieler auf den Seiten der internationalen Wettbewerber landeten und ihr Geld bei ihnen einsetzten anstatt bei den deutschen Vertretern. Mit diesen Umstellungen ist die Arbeit aber noch nicht getan.

Deutsche Online Casinos ziehen nach

Tatsächlich sind viele der deutschen Online Casino Betreiber noch immer unzufrieden. Obwohl die weltweite Glücksspielbranche jedes Jahr wächst und enorme Gewinne einbringt, sind die deutschen Anbieter außen vor. Da sie dem deutschen Glücksspielstaatsvertrag und der Aufsicht der Gemeinsamen Glücksspielaufsichtsbehörder der Länder unterliegen, können sie nicht die gleichen Angebote schalten wie ihre international lizensierten Wettbewerber. Ihnen sind die Hände gebunden und doch wollen sie den Markt weiter für sich gewinnen und die Spieler an sie binden, anstatt sie an fremde Plattformen zu verlieren. Im europäischen Vergleich ist Deutschland die stärkste Volkswirtschaft und trotzdem sind nur 39 Online Slot Betreiber in Deutschland registriert, eine Zahl die im internationalen Vergleich mickrig erscheint. Betreiber, die bereits internationalen Erfolg feiern, wollen nicht in den deutschen Markt und seine stark regulierte Glücksspiellandschaft investieren, da ihnen die Grenzen zu eng erscheinen und sie nicht sicher sind, ob sie die Richtlinien einhalten können und wollen. Auch in der Branche der Sportwetten sehen die Trends ähnlich aus. Sowohl hier als auch in der Glücksspielindustrie wollen die deutschen Anbieter nachziehen die besorgniserregenden Trends weiter umdrehen.


DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Straße von Hormus im Krisenmodus: Irans Drohungen setzen Ölpreis-Entwicklung unter Druck
04.03.2026

Die Drohungen der iranischen Revolutionsgarde erhöhen den Druck auf eine der wichtigsten Energierouten der Welt und treiben die Spannungen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lithium-Boom inmitten von Deutschland: Warum Mitteldeutschland zum Lithium-Produzenten werden könnte
04.03.2026

Lithium ist einer der wichtigsten und wertvollsten Rohstoffe für Zukunftstechnologien. Noch bezieht die EU das „weiße Gold“ teuer...

DWN
Politik
Politik Macron stößt EU-Debatte an: Frankreich drängt auf stärkere nukleare Abschreckung
04.03.2026

Frankreich stößt eine Debatte über eine europäische nukleare Abschreckung an und wirbt bei NATO-Staaten für ein erweitertes...

DWN
Politik
Politik Nachfolge und Machtkämpfe: Wer führt künftig den Iran?
04.03.2026

Nach dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei muss das iranische Machtgefüge klären, wer ihm nachfolgt. Doch in Kriegszeiten wird auch die Wahl...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Noch mehr Bürokratie? EU-Kommission will „Made in Europe“ - Vorgabe für öffentliche Aufträge
04.03.2026

Die Europäische Union muss ihre CO2-Emissionen senken und will ihre Industrie erhalten. Ist die Lösung, europäisch zu kaufen? Kritik...

DWN
Finanzen
Finanzen Ernährungsindustrie warnt: Iran-Krieg könnte Lebensmittelpreise erhöhen
04.03.2026

Die Folgen des Iran-Kriegs sind für Verbraucher in Deutschland zu spüren - etwa beim Tanken. Ist mit weiteren Auswirkungen zu rechnen?

DWN
Politik
Politik Wirtschaftsministerin Reiche: keine Spritpreisbremse - Öl und Gas nicht knapp
04.03.2026

Der Iran-Krieg lässt Öl-, Benzin- und Gaspreise steigen - doch Energiemangel droht in Deutschland nach Angaben der Wirtschaftsministerin...

DWN
Finanzen
Finanzen Börsenturbulenzen: Wie Anleger klug reagieren – 5 konkrete Tipps für einen Börsencrash
04.03.2026

Sinkende Kurse, rote Zahlen im Depot und ständig neue Marktmeldungen: In unsicheren Börsenzeiten verlieren viele Anleger schnell die...