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Kernenergie: Großbritannien und Italien setzen auf Atomkraft und SMR

Großbritannien und Italien setzen auf eine Zukunft mit Atomenergie - am liebsten mit "Small Modular Reactors" (SMR), also kleinen, modularen Reaktoren. Dadurch soll auch die Abhängigkeit von Russland vermindert werden.
07.02.2025 10:39
Aktualisiert: 07.02.2025 10:39
Lesezeit: 3 min
Kernenergie: Großbritannien und Italien setzen auf Atomkraft und SMR
Kernerergie: Zwei Kühltürme des Kernkraftwerks Civaux in Civaux, Zentralfrankreich. Frankreich erzeugt fast 65 Prozent seines Stroms aus Atomkraft. Foto: Romain Perrocheau

Britische Regierung ebnet den Weg für mehr Atomkraftwerke

Anders als Deutschland setzt Großbritannien konsequent auf Atomkraft. Die Labour-Regierung bringt dafür eine Reihe von Reformen auf den Weg. Die britische Regierung fördert im Gegensatz zu Deutschland mit umfassenden Reformen den massiven Ausbau der Atomenergie im Land. Die Energiesicherheit sei zu lange "eine Geisel" des russischen Präsidenten Wladimir Putin gewesen, sagte Premierminister Keir Starmer. "Ich setze dem ein Ende." Starmer bringe das Land "zurück ins weltweite Rennen um die Kernenergie", schrieb die Regierung. Woher genau die Rohstoffe dafür kommen sollen, bleibt erstmal unklar. Uran wird weltweit meist von Russland und seinen Verbündeten bezogen werden.

Konkret soll auch der Bau kleinerer und einfacher zu errichtender Kernreaktoren – sogenannter Small Modular Reactors (SMR) – erleichtert werden, die es in Großbritannien bislang noch nicht gibt. Die Regierung verspricht Tausende zusätzliche Arbeitsplätze. Die kleineren Reaktoren waren auch in der deutschen Debatte zum Atomausstieg als Alternative genannt worden. In Deutschland wurden die letzten drei Atomkraftwerke im April 2023 abgeschaltet.

In Großbritannien wurde 1995 das bislang letzte Atomkraftwerk gebaut. Die Industrie sei durch Vorschriften "erstickt" worden, teilte die Regierung mit, Investitionen seien deshalb ausgeblieben. Derzeit befindet sich das Kraftwerk Hinkley Point C im Bau - unter chinesischer Beteiligung. Zu den Reformen gehört auch, dass nicht mehr nur wie bisher an acht Standorten gebaut werden darf. Zudem soll eine Taskforce für die Regulierung der Kernenergie geschaffen werden.

Italien will Rückkehr zur Atomenergie weiter vorantreiben

In Italien will Ministerpräsidentin Giorgia Melonis rechte Regierung die von ihr angestrebte Rückkehr zur Atomenergie weiter vorantreiben. Bis Ende 2027 solle mit einem sogenannten nationalen Programm ein Rechtsrahmen für die Rückkehr zur Atomkraft fertiggestellt werden, sagte Energieminister Gilberto Pichetto Fratin der Tageszeitung "Il Sole 24 Ore". "Italien ist bereit, zur Atomenergie zurückzukehren. Eine wichtige Entscheidung, die die erneuerbaren Energien nicht ersetzen, sondern ergänzen wird, um einen ausgewogenen und nachhaltigen Energiemix zu gewährleisten", sagte Pichetto Fratin.

Einen vollständigen Atomausstieg hat Italien bereits vor etwa 35 Jahren vollzogen. Italien stieg bereits nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl aus der Atomenergie aus. Die letzten AKW gingen nach einer Volksabstimmung 1990 vom Netz. Zwischenzeitlich gab es in Italien schon einmal Überlegungen, zur Atomkraft zurückzukehren. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 wurden die Pläne jedoch gestoppt. Seit ihrem Amtsantritt Ende 2022 hat Melonis Regierung jedoch mehrfach angekündigt, zur Atomkraft zurückkehren zu wollen. Ihr geht es dabei etwa um die mögliche Nutzung sogenannter kleiner modularer Reaktoren sowie von Fusionsreaktoren. Details dazu gibt es bislang nicht. Ein erster Entwurf für ein Rahmengesetz soll nach seinen Worten in Kürze dem Kabinett vorgelegt werden. Opposition und Umweltschützer kritisieren die Pläne.

Small Modular Reactors - was ist das?

SMR-Konzepte ("Small Modular Reactors") gehen auf Entwicklungen der 1950er Jahre zurück, insbesondere den Versuch, Atomkraft als Antriebstechnologie für Militär-U-Boote nutzbar zu machen. Weltweit existieren heute unterschiedlichste Konzepte und Entwicklungen für SMR. Die überwiegende Mehrzahl davon befindet sich auf der Ebene von Konzeptstudien.

Das Bundesamt für Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hat ein Gutachten zu SMR in Auftrag gegeben, das 2021 veröffentlicht wurde. Daraus lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen:

  • Die Bandbreite der durch den Begriff SMR erfassten Konzepte reicht von „heutigen“ Leichtwasserreaktoren mit geringer Leistung bis hin zu andersartigen Konzepten, für die bislang wenig oder keine industrielle Vorerfahrung vorliegt (wie beispielsweise Hochtemperatur- oder Salzschmelze-Reaktorkonzepte).
  • Die diskutierten Einsatzbereiche betreffen neben der regulären Stromversorgung insbesondere die dezentrale Stromversorgung für Industrie bzw. Haushalte sowie Wärme für Fernwärme, Meerwasserentsalzung und Industrieprozesse. Darüber hinaus werden auch militärische Nutzungen wie mobil einsetzbare Mikroreaktoren verfolgt.
  • Um weltweit dieselbe elektrische Leistung zu erzeugen wie mit heutigen neuen Atomkraftwerken wäre eine um den Faktor 3-1000 größere Anzahl an Anlagen erforderlich. Anstelle von heute circa 400 Reaktoren mit großer Leistung würde dies also den Bau von vielen tausend bis zehntausend SMR-Anlagen bedeuten.
  • Gegenüber Atomkraftwerken mit großer Leistung könnten SMR potenziell sicherheitstechnische Vorteile erzielen, da sie ein beispielsweise geringeres radioaktives Inventar pro Reaktor aufweisen. Die hohe Anzahl an Reaktoren, die für die gleiche Produktionsmenge an elektrischer Leistung notwendig ist, erhöht das Risiko jedoch wiederum um ein Vielfaches.
  • Anders als teilweise von Herstellern angegeben, muss bisher davon ausgegangen werden, dass für den anlagenexternen Notfallschutz bei SMR die Möglichkeit von Kontaminationen besteht, die deutlich über das Anlagengelände hinausreichen.
  • Durch die geringe elektrische Leistung sind bei SMR die Baukosten relativ betrachtet höher als bei großen Atomkraftwerken. Eine Produktionskostenrechnung unter Berücksichtigung von Skalen-, Massen- und Lerneffekten aus der Atomindustrie legt nahe, dass im Mittel dreitausend SMR produziert werden müssten bevor sich der Einstieg in die SMR-Produktion lohnen würde.

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Maximilian Modler berichtet über spannende Entwicklungen aus den Bereichen Energie, Technologie - und über alles, was sonst noch für die deutsche Wirtschaft relevant ist. Er hat BWL, Soziologie und Germanistik in Freiburg, London und Göteborg studiert. Als freier Journalist war er u.a. für die Deutsche Welle, den RBB, die Stiftung Warentest, Spiegel Online und Verbraucherblick tätig.

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