Wirtschaft

Trumps Handelsstrategie und die Zukunft des US-Dollars: Wird Krypto den Dollar retten?

Die aggressive Handelsstrategie von US-Präsident Donald Trump wird bald auf einen elementaren Widerspruch stoßen: Die Verhängung von Zöllen und die Ablehnung des Multilateralismus im Namen des Schutzes amerikanischer Arbeitsplätze stehen im Widerspruch zu seinem erklärten Ziel, die Rolle des Dollars als dominierende Weltreservewährung zu erhalten. Irgendetwas wird den Kürzeren ziehen müssen, und das wird sehr wahrscheinlich der Dollar sein, trotz seiner gegenwärtigen Stärke.
09.02.2025 05:57
Lesezeit: 3 min

Die zentrale Rolle des US-Dollars im globalen Finanzsystem

Die Rolle des Dollars als dominierendes Tauschmittel im Welthandel hat das Wachstum des Offshore-Eurodollar-Marktes angekurbelt. Dieser Markt versorgt die Welt mit dringend benötigter Liquidität, entzieht sich aber der US-Regulierung und hat somit keinen direkten Zugang zu den Liquiditätsfazilitäten der Federal Reserve. In Zeiten finanzieller Turbulenzen muss die Fed als Kreditgeber letzter Instanz auftreten, indem sie anderen Zentralbanken Swap-Linien (im Wesentlichen kurzfristige Kredite) gewährt und es ihnen so ermöglicht, Dollarliquidität an Geschäftsbanken weiterzuleiten, die mit Engpässen konfrontiert sind. Die Krisen von 2008 und 2020 haben gezeigt, dass die Stabilität des internationalen Finanzsystems maßgeblich von der Zuverlässigkeit des Sicherheitsnetzes der Fed abhängt.

Das „exorbitante Privileg“ des Dollar-Hegemon

Die Absicherung des internationalen Finanzsystems ist gewissermaßen der Preis, den die USA für das zahlen, was der damalige französische Finanzminister Valéry Giscard d’Estaing einmal als „exorbitantes Privileg“ der globalen Hegemonie des Dollars bezeichnete. Im Laufe der Jahre hat sich der Status des Greenback zu einem enormen und dauerhaften Finanzierungsvorteil für die US-Regierung und US-Unternehmen entwickelt.

Chinas Strategie zur Abkopplung vom Dollar

Andere Länder, insbesondere China, bemühen sich seit langem, ihre Abhängigkeit vom Dollar zu verringern. Trumps unerbittliche Zolldrohungen und sein offensichtlicher Wille, die Größe und Macht der US-Wirtschaft auszunutzen, um bessere Handelsbedingungen zu erreichen, werden diese Bemühungen sicherlich beschleunigen.

Lehren aus der Geschichte: Der „Nixon-Schock“

Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass Trump eine ernsthafte Bedrohung für die internationale Stellung des Dollars darstellt. Schließlich hat sich keine klare Alternative zum Dollar herauskristallisiert. Zudem ist es nicht das erste Mal, dass die USA einseitig das Weltfinanzsystem durcheinanderwirbeln. 1971 ‑ und dies ist vielleicht die offensichtlichste historische Parallele zu Trump ‑ kündigte der damalige US-Präsident Richard Nixon das Bretton-Woods-System auf, ohne die europäischen Verbündeten Amerikas zu konsultieren. In der Folge sahen sich diese Länder mit einer plötzlichen Aufwertung ihrer Währungen konfrontiert. Nixons Schritt war drastisch, aber er funktionierte: Die Welt führte flexible Wechselkurse ein, und die Vormachtstellung des Dollars wurde sogar noch gestärkt.

Damals sah die Welt allerdings noch ganz anders aus. Der internationale Handel war weit weniger integriert, und die Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Westen und den Ländern des Sowjetblocks waren praktisch inexistent. Die einzigen potenziellen Bedrohungen für die wirtschaftliche Vorherrschaft Amerikas gingen von Japan und Europa aus, die beide ‑ ähnlich wie heute ‑ schwach und zerstritten waren. Und selbst unter diesen günstigen Bedingungen hatte der sogenannte „Nixon-Schock“ weitreichende Folgen. Man könnte zum Beispiel argumentieren, dass er zur Schaffung des Euro geführt hat.

Beschleunigt Trumps Politik das Ende der Dollar-Dominanz?

Angesichts des wachsenden Anteils Chinas und anderer Schwellenländer am Welt-BIP und am Welthandel ist es schwer vorstellbar, dass die Bemühungen um die Entwicklung dollarunabhängiger Zahlungssysteme nicht beschleunigt werden, wenn Trump den Greenback weiterhin als Waffe einsetzt. Die Androhung von Zöllen, um Länder zur Einhaltung der Regeln zu zwingen, wie er es tat, als Kolumbien kurzzeitig US-Militärflugzeugen die Landung verweigerte, die illegal in die USA eingereiste kolumbianische Migranten zurückbringen sollten, ist ein todsicherer Weg, um die Suche nach alternativen Reservewährungen voranzutreiben.

Stablecoins als neue Alternative?

Trumps Begeisterung für Kryptowährungen deutet darauf hin, dass er und seine Regierung sie als Lösung für dieses Problem betrachten. Stablecoins, die durch US-Dollar gedeckt sind, haben viele der Eigenschaften und Vorteile, die einst das Wachstum des Eurodollar-Marktes angetrieben haben. Auch hier agieren die Emittenten frei von regulatorischen Zwängen und profitieren nicht vom direkten Zugang zu den Liquiditätsfazilitäten der Fed, haben aber ‑ für einige ‑ den zusätzlichen Vorteil der völligen Anonymität.

Die Kombination aus Stabilität und Geheimhaltung hat Stablecoins bereits für Libertäre und Kriminelle interessant gemacht. Wenn sie jedoch erfolgreich skaliert werden, könnten dieselben Eigenschaften sie auch für die Abwicklung des internationalen Handels und als Depot für globale Reserven nützlich machen und damit indirekt die Vormachtstellung des Dollars stärken.

Natürlich würde ein solches Szenario die Weltwirtschaft nicht sicherer machen. Da die Bilanzen von Stablecoin-Emittenten kurzfristige Schatzanweisungen und kurzfristige besicherte Kredite (Repos) enthalten, sind sie ‑ ähnlich wie Geldmarktfonds ‑ anfällig für Runs. Daher benötigen sie einen Sicherheitsmechanismus, der sie dazu zwingt, sich darauf zu verlassen, dass die Fed in Krisenzeiten eingreifen wird.

Trumps Widerstand gegen eine digitale Zentralbankwährung (CBDC)

Dieses Risiko könnte Trumps Widerstand gegen eine von der Fed ausgegebene digitale Zentralbankwährung (CBDC) erklären. Eine solche Währung könnte die Finanzstabilität verbessern, würde aber keine Anonymität garantieren, was sie bei den Befürwortern von Kryptowährungen und damit auch bei den Geschäftsbanken unbeliebt macht.

Vielleicht ist das der Grund, warum Trump eine privatwirtschaftliche Kryptopolitik bevorzugt. Dieser Ansatz ähnelt dem von Nixon, der nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems Anfang der 1970er Jahre eine multilaterale Lösung zugunsten eines unilateralen Übergangs zu flexiblen Wechselkursen ablehnte. Unabhängig von Trumps Argumentation könnte eine solche Strategie seine beste Chance sein, den globalen Status des Dollars zu erhalten, ohne den von ihm geschmähten Multilateralismus zu übernehmen.

Copyright: Project Syndicate, 2025.

www.project-syndicate.org

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Datenschutz in Casino-Apps und was deutsche Nutzer wirklich erwarten

Spieler schreiben an ihr Online-Casino und verlangen Auskunft darüber, welche Daten über sie gespeichert wurden. Das Casino antwortet...

Lucrezia Reichlin

***

Die Autorin ist ehemalige Forschungsdirektorin bei der Europäischen Zentralbank und ist Professorin für Ökonomie an der London Business School

DWN
Unternehmen
Unternehmen Uni-Start-ups: Warum Deutschland im Vergleich hinterherhinkt
28.05.2026

Eine neue Untersuchung zeigt: Aus deutschen Hochschulen entstehen im europäischen Vergleich relativ wenig erfolgreiche Start-ups. Woran...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wissenschaftler: KI zerstört den Kapitalismus
28.05.2026

Der KI-Arbeitsmarkt steht vor einer historischen Zäsur. Zukunftsforscher Martin Ford warnt, dass künstliche Intelligenz nicht nur Jobs...

DWN
Finanzen
Finanzen Börsenboom treibt Reichtum der Eliten: Ist eine Vermögenssteuer überfällig?
27.05.2026

Wer mehr als 100 Millionen Dollar besitzt, gilt als superreich. In Deutschland gehören Tausende Menschen dazu - Tendenz steigend, wie eine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Direktinvestitionen. Europas neue Angst vor China-Geld
27.05.2026

China investiert so viel wie nie in Europas Schlüsselindustrien. Ausgerechnet jetzt verschärft die EU ihre Regeln für ausländische...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Agrartechnik wird elektrisch: Ex-VW-Chef Diess will E-Traktor auf den Markt bringen
27.05.2026

Früher VW-Boss, jetzt Landmaschinen-Pionier? Herbert Diess plant einen E-Traktor mit Wechsel-Akkus für Landwirte. Diese sollen schon bald...

DWN
Politik
Politik China-Politik: Zwischen Vorsicht und Fairness - Reiches Spagat
27.05.2026

Bundeswirtschaftsministerin Reiche sucht in Peking den Dialog mit China. Doch seltene Erden, fairer Wettbewerb und die Debatte über...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mini-Wachstum: Wirtschaftsweise senken erneut Prognose - Abschwung setzt sich fort
27.05.2026

Einen Aufschwung der deutschen Wirtschaft gibt es langfristig nicht: Der Sachverständigenrat erwartet nur noch ein Mini-Wachstum von 0,5...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tech-Börsengänge mit Rekordwerten lassen Experten zweifeln
27.05.2026

SpaceX, OpenAI und Anthropic könnten mit ihren Tech-Börsengängen neue Rekordbewertungen erreichen. Experten warnen jedoch vor Hype,...