Finanzen

Immobilieninvestoren: Ist es sinnvoll, ein Aktienportfolio zu hebeln?

Immobilieninvestoren nutzen häufig Fremdkapital, um die Rendite zu steigern. Macht der Einsatz eines Hebels auch bei Aktien Sinn?
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12.03.2025 12:37
Aktualisiert: 12.03.2025 12:53
Lesezeit: 3 min
Immobilieninvestoren: Ist es sinnvoll, ein Aktienportfolio zu hebeln?
Die Rendite eines Portfolios erhöht sich durch den Einsatz eines Hebels, etwa über einen gehebelten ETF oder durch Schuldenaufnahme (Foto: dpa). Foto: venuestock

Auf sozialen Medien genießt der Amundi Leveraged MSCI USA Daily fast schon Kultstatus. Der Hebel-ETF mit mehr als 1 Milliarde Euro Fondsvermögen verdoppelt die tägliche Rendite des US-Aktienindex MSCI USA (ISIN: FR0010755611). Steigt der MSCI USA beispielsweise um 1,5 Prozent innerhalb eines Tages, steigt der Amundi-ETF um 3 Prozent.

Grund dürfte die spektakuläre Performance sein: Seit Auflage im Juni 2009 hat der ETF eine jährliche Rendite von über 30 Prozent erzielt. Das sind insgesamt über 6000 Prozent - ein Investment hätte sich also im Wert mehr als versechzigfacht. MSCI World ETFs legten im gleichen Zeitraum “nur” um 600 Prozent zu (Versiebenfachung).

Aktienportfolio hebeln: Experten sind kritisch

Experten mahnen indes zur Vorsicht mit Hebelstrategien, etwa einem Hebel-ETF oder Schuldenaufnahme beim Broker. Er halte ein Hebelinvestment für Privatanleger “für nicht sinnvoll”, erklärt der Vermögensberater Matthias Bernhardt von der Dr. Bernhardt Finanzplanungs GmbH. Gerade jungen Anlegern sei davon abzuraten, die mehrheitlich unerfahren an Kapitalmärkten seien.

Der Vermögensberater Gerd Kommer erklärt in einem Youtube-Interview ebenfalls, er rate seinen Kunden nicht zu einem gehebelten Portfolio. Das sei allenfalls einem Anleger zu empfehlen, der über extrem starke Nerven verfüge, bereits zu 100 Prozent in Aktien investiere und das Geld in einem Hebel-ETF über viele Jahre mit Sicherheit nicht benötigen werde.

Manche Kapitalmarktforscher sprechen sich für einen Hebel aus, etwa die beiden Yale-Ökonomen Ian Ayres und Barry Nalebuff in einer Studie aus dem Jahr 2008. In einer Simulation vergleichen sie einen Anleger, der ein Aktien-Anleihen-Portfolio hebelt, mit Anlegern, die zu 100 Prozent in Aktien investieren oder ein ungehebeltes Aktien-Anleihen-Portfolio besitzen und die Aktienquote mit zunehmendem Alter senken.

Der Hebel-Anleger würde über deutlich mehr Vermögen im Ruhestand verfügen, etwa 19 Prozent mehr als der Anleger mit einer Aktienquote von 100 Prozent. “Der erwartete Zugewinn würde es den Arbeitnehmern ermöglichen, fast sechs Jahre früher in Rente zu gehen oder ihren Lebensstandard im Ruhestand um 27 Jahre zu verlängern.”

Zwar würden Hebel-Anleger einem Totalverlustrisiko unterliegen. Aber: “Anleger laufen nur Gefahr, ihre aktuellen Investments zu verlieren, wenn sie noch jung sind und die Chance haben, sich neu aufzubauen.” Zudem würde der Hebel-Investor selbst im ungünstigsten Fall noch immer besser dastehen als der normale Investor im ungünstigsten Fall.

Um das Totalverlustrisiko zu begrenzen, schlagen Nalebuff und Ayres einen maximalen Hebel von 1,5 vor. Ein Investor, der über ein Eigenkapital von 100.000 Euro verfügt, dürfte also nicht mehr als 50.000 Euro Schulden aufnehmen, um weitere Aktien zu kaufen und so die Rendite zu steigern.

Pfadabhängigkeit von Hebelprodukten

Matthias Bernhardt sieht die Hebelstrategie der US-Forscher indes kritisch. In der Praxis lasse sich der Ansatz nur schwer umsetzen. Etwa seien Derivate mit sehr langer Laufzeit, deren Einsatz Ayres und Nalebuff vorschlagen würden, “für Privatanleger nicht verfügbar”. Außerdem dürfe man die psychologische Komponente nicht unterschätzen. “Ein Rückgang von 40, 50 oder 60 Prozent lässt wahrscheinlich die wenigsten kühle Nerven bewahren”, erklärt der promovierte Finanzökonom.

Wie sehr gehebelte ETFs einbrechen können, zeigte sich im Corona-Crash. Während normale MSCI World-Anleger einen Verlust von 34 Prozent hinnehmen mussten, waren es beim gehebelten Amundi-ETF fast 60 Prozent.

Dazu kommt: Finanzprodukte, die die tägliche Entwicklung eines Basiswerts hebeln, können länger brauchen, um sich von starken Kurseinbrüchen zu erholen. “Weil Hebelprodukte durch tägliches Rebalancing eine Pfadabhängigkeit aufweisen, können Verluste stärker ins Gewicht fallen als Gewinne”, erklärt Matthias Bernhardt.

Fällt etwa ein normaler MSCI World ETF an einem Tag um 10 Prozent und steigt am nächsten Tag um 5 Prozent, würde der Gesamtverlust 5,5 Prozent betragen. Bei einem zweifach gehebelten ETF müssten Anleger hingegen ein Minus von 12 Prozent verkraften (Tag 1: -20 Prozent, Tag 2: +10 Prozent).

Das kann laut einer Analyse des Youtube-Kanals Notgroschen auch langfristige Auswirkungen haben. Wer zwischen 1970 und 2025 mit zweifachem Hebel und über einen monatlichen Sparplan in den MSCI World investiert hätte, der hätte in 20 Prozent aller Fünf-Jahreszeiträume hinter einem ungehebelten MSCI World gelegen.

In 10 Prozent der Zeiträume hätte der Hebel-Anleger selbst nach 12,5 Jahren den Rückstand zum ungehebelten MSCI World nicht aufgeholt. Über 20 Jahre hätte es bei einem Prozent aller Zeiträume eine Unterperformance gegeben. Dabei ist nicht garantiert, dass der Anleger eine positive Rendite erzielt - Notgroschen untersuchte nur, ob die Rendite höher war als bei einem ungehebelten “MSCI World”-Investment.

Derzeit gibt es zudem keine gehebelten Aktien-ETFs, die weltweit streuen. Der Amundi-ETF beschränkt sich ausschließlich auf US-Aktien. Diese haben sich allerdings in den vergangenen Jahren besonders gut entwickelt. Ob die Aktien auch in den kommenden Jahrzehnten outperformen werden, ist zumindest fraglich.

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Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

Elias Huber

Elias Huber arbeitet als freier Journalist und Honorar-Finanzanlagenberater. Der studierte Volkswirt schreibt vor allem über die Themen Wirtschaft und Geldanlage. 

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