Finanzen

Stiftung Warentest: PKV im Test - diese Tarife lohnen sich wirklich

Schnelle Arzttermine und exklusive Leistungen – die private Krankenversicherung gilt als Premium-Schutz. Doch ein aktueller Test zeigt: Viele Tarife haben erhebliche Lücken und bieten oft weniger als die gesetzliche Kasse. Besonders bei wichtigen Gesundheitsleistungen gibt es Defizite. Welche Tarife empfehlenswert sind, worauf Versicherte achten sollten und warum hohe Beiträge nicht automatisch besseren Schutz bedeuten.
19.02.2025 11:47
Aktualisiert: 19.02.2025 11:47
Lesezeit: 2 min
Stiftung Warentest: PKV im Test - diese Tarife lohnen sich wirklich
Private Krankenversicherung: Hohe Beiträge, oft wenig Leistung. (Foto: dpa) Foto: Peter Kneffel

Stiftung Warentest: Mehrheit der PKV-Tarife nicht empfehlenswert

Die private Krankenversicherung bietet nicht automatisch besseren Schutz im Krankheitsfall. Das zeigt das überraschende Ergebnis des großen Tests der Stiftung Warentest. Zwei von drei Tarifen haben entweder einen zu hohen Selbstbehalt oder gravierende Lücken – viele bieten nicht einmal das Leistungsniveau der gesetzlichen Krankenkasse.

Wer sich in Deutschland privat krankenversichert, erhält Arzttermine oft in Rekordzeit. Das bestätigt eine repräsentative Civey-Umfrage* im Auftrag der Stiftung Warentest. Unter 5.000 befragten Versicherten gaben Privatpatienten fast doppelt so häufig wie Kassenpatienten an, zuletzt einen schnellen Facharzttermin erhalten zu haben. 58 Prozent der Privatpatienten bekamen ihren jüngsten Facharzttermin nach eigenen Angaben innerhalb eines Monats, bei den Kassenpatienten waren es nur 30 Prozent.

Großer PKV-Test: Viele Tarife fallen durch

Dennoch sollte die Wahl der privaten Krankenversicherung und des passenden Tarifs gut überlegt sein. Das zeigt der große PKV-Test der Stiftung Warentest. Von 1.245 untersuchten Tarifkombinationen empfiehlt die Stiftung Warentest lediglich 384.

Oft schlechter als gesetzliche Krankenversicherung

"Sehr viele PKV-Tarife weisen Lücken auf. Viele leisten sogar weniger als gesetzliche Krankenkassen", sagt Julia Bönisch, Vorständin der Stiftung Warentest. "Defizite gibt es bei zahlreichen Tarifen etwa in der Palliativpflege, bei ambulanter Psychotherapie oder bei digitalen Anwendungen wie Ernährungs-Apps." Nur ein knappes Drittel der getesteten Tarife bietet umfassenden Schutz. Hier lohnt sich ein genauer Vergleich: Der Unterschied zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angestelltentarif auf der Empfehlungsliste beträgt über 400 Euro im Monat – obwohl beide das Qualitätsurteil "Sehr gut" erhalten haben.

Testleiter Julian Chudoba räumt mit einem Irrglauben auf: "Ein höherer Beitrag bedeutet nicht automatisch, dass mehr Risiken abgedeckt sind." Der Ökonom rät: "Wer sich für eine private Krankenversicherung entscheidet, sollte genau prüfen, ob wirklich ein Top-Tarif nötig ist. Die leistungsstärksten Tarife sind oft sehr teuer, doch der Preisaufschlag spiegelt nur selten den Umfang der zusätzlich abgesicherten Gesundheitsrisiken wider."

Private Krankenversicherung: Verlockend für Junge, teuer im Alter

Für viele junge Menschen scheint die private Krankenversicherung wegen der günstigen Tarife zu Beginn attraktiv. Doch mit zunehmendem Alter steigen die einkommensunabhängigen Beiträge stark an.

Vorständin Julia Bönisch warnt: "Die private Krankenversicherung kann zur existenzbedrohenden Kostenfalle werden. Wir empfehlen sie nur für Beamte uneingeschränkt, da der Staat einen Großteil der Kosten im Alter übernimmt. Angestellte und Selbstständige mit gutem Einkommen sollten genau abwägen, ob sie sich die enormen Beiträge auch langfristig leisten können."

Umfrage: Mehrheit zufrieden mit Gesundheitsversorgung

Egal ob gesetzlich oder privat versichert – die meisten Befragten sind mit ihrer Gesundheitsversorgung zufrieden. Auf die Frage "Wie bewerten Sie Ihre persönliche Gesundheitsversorgung?" antworteten 58 Prozent mit "sehr gut" oder "eher gut". 28 Prozent bewerteten ihre Versorgung als "eher schlecht" oder "sehr schlecht".

Welche PKV-Tarife die Stiftung Warentest empfiehlt, welche günstigen Tarife überzeugen und welche Fehler beim Antrag oft passieren, beantwortet die März-Ausgabe von Stiftung Warentest Finanzen sowie der PKV-Test.

*Das Meinungsforschungsinstitut Civey hat für die Stiftung Warentest vom 10.01. bis 12.01.25 online 5.000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ab 18 Jahren befragt. Die Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ, unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 2,5 Prozentpunkten beim jeweiligen Gesamtergebnis.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie USB-C wird Pflicht: EU zwingt Laptop-Hersteller zum neuen Standard
28.04.2026

Die EU schreibt USB-C ab heute als Pflichtanschluss für alle neuen Laptops vor und beendet damit eine jahrelange Übergangsphase. Für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Atomaktien im Aufwind: Energiekrise setzt US-Börsen unter Druck
28.04.2026

Die US-Börsen stehen trotz geopolitischer Spannungen auf hohem Bewertungsniveau, während Atomaktien durch neue Sorgen um die...

DWN
Politik
Politik Richard Moore sieht globale Risiken: Spannungen setzen Europa unter Druck
28.04.2026

Die Aussagen von Ex-MI6-Chef Richard Moore zeichnen ein ungewöhnlich offenes Bild der aktuellen Weltlage zwischen Ukrainekrieg,...

DWN
Politik
Politik Vereinigte Arabische Emirate verlassen Opec
28.04.2026

Die massiven Einnahmen aus dem Ölexport haben den Emiraten über Jahrzehnte Macht und Wohlstand verschafft. Nun kündigen sie den Austritt...

DWN
Panorama
Panorama Weniger Zuckerbrot, mehr Peitsche: Regierung plant Zuckerabgabe und höhere Steuern
28.04.2026

Die Bundesregierung greift zu neuen Einnahmequellen und plant eine Zuckerabgabe – während Ausgaben und Schulden steigen. Gleichzeitig...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Aldi Süd baut mehr als 1.200 Stellen ab
28.04.2026

Aldi Süd treibt den Umbau voran und streicht 1.250 Stellen – vor allem in der IT. Der Einschnitt zeigt, wie hart selbst Discounter...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Thomas Schäfer vor Bewährungsprobe: Volkswagen Pkw kämpft mit Kostendruck
28.04.2026

Volkswagen Pkw steht vor einem tiefgreifenden Umbau, der Kosten, Elektromobilität und wachsenden Wettbewerbsdruck aus China zugleich...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Von SEO zu GEO: So werden KMU in KI-Antworten sichtbar
28.04.2026

265 Millionen Klicks weniger pro Monat: Google beantwortet immer mehr Suchanfragen direkt. Für viele Mittelständler bricht damit ein...