Wirtschaft

Chemiebranche kämpft mit hohen Kosten – Hoffnung auf die Bundesregierung

Hohe Energiepreise und eine schwache Konjunktur setzen der Chemieindustrie zu. Während die Pharmabranche wächst, bleibt die Chemieproduktion unter Druck. Unternehmen drosseln die Kapazitäten, Stellenabbau und Werksschließungen sind die Folge. Der Branchenverband fordert entschlossene Maßnahmen der neuen Bundesregierung – doch schnelle Lösungen sind nicht in Sicht.
12.03.2025 18:22
Lesezeit: 2 min

Chemieindustrie sieht kein Ende der Krise – Pharma wächst

Hohe Energiepreise und die schwache Konjunktur bremsen Deutschlands drittgrößte Industriebranche. Die Chemieindustrie erkennt noch kein Licht am Ende des Tunnels. Doch es gibt auch eine positive Nachricht.

Keine Trendwende in Sicht

Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie erwartet nach einem schwierigen Jahr 2024 weiterhin keine Erholung. Die Produktion dürfte 2025 stagnieren, während der Umsatz voraussichtlich um ein Prozent auf 219 Milliarden Euro sinkt, teilte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt mit. Während die Chemieproduktion nochmals um zwei Prozent zurückgehen dürfte, entwickelt sich die Pharmabranche besser: Hier rechnet der Branchenverband mit einem Zuwachs von zwei Prozent.

VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup forderte schnelles Handeln von der Politik: "Es gibt keine Schonfrist für die neue Bundesregierung, sie muss jetzt liefern." Ohne Industrie sei alles nichts.

Stabile Beschäftigung

2024 sank der Umsatz der Chemie- und Pharmabranche im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent auf 221 Milliarden Euro. Die Produktion legte trotz erheblicher Rückgänge im Schlussquartal um ein Prozent zu. Während die Chemiegeschäfte im Heimatmarkt schwach liefen, zogen sie in Nordamerika zum Jahresende an. Besonders gefragt waren Pharmazeutika sowie Wasch- und Körperpflegemittel.

Trotz der Krise blieb die Beschäftigung 2024 mit rund 480.000 Arbeitsplätzen stabil, so der VCI. Zuwächse in der Pharmaindustrie, die von starken Exportgeschäften in Asien und den USA profitierte, glichen Jobverluste in der Chemie aus. Auch eine Insolvenzwelle sei nicht zu erwarten, sagte Große Entrup.

Anlagen schlecht ausgelastet

Die energieintensive Chemiebranche – nach Auto- und Maschinenbau die drittgrößte Industrie Deutschlands – leidet unter hohen Energiepreisen und der schwachen Konjunktur. Industrieunternehmen drosseln die Produktion, was die Nachfrage nach Chemieerzeugnissen weiter sinken lässt. Um gegenzusteuern, haben Chemiekonzerne wie BASF und Evonik umfassende Restrukturierungen angekündigt, Stellen abgebaut und Anlagen stillgelegt.

Kritik am „Verschiebebahnhof“

Der VCI setzt auf Impulse der neuen Bundesregierung. Die Ergebnisse der Sondierungsgespräche zwischen SPD und Union seien erste Schritte in die richtige Richtung bei Steuern, Strompreisen und Bürokratieabbau. Dennoch bestehe weiterhin Nachholbedarf. Höhere Verteidigungsausgaben seien alternativlos, betonte Große Entrup. "Aber bei den Investitionen in Infrastruktur können wir den Verschiebebahnhof 'raus aus dem Haushalt – rein ins Sondervermögen' nicht gutheißen." Notwendig sei eine klarere Priorisierung der Ausgaben.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Ist die Ära der Niedrigzinsen vorbei? Wie Bull DeFi ungenutzte Ersparnisse in aktive Renditen verwandelt – bis zu 3.700 US-Dollar pro Tag.

Wir beleuchten die unterschiedlichen Mechanismen von Bull Market DeFi im Vergleich zu traditionellen Anlagen – und warum es sich lohnt,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street schließt höher, da Bessent auf baldiges US-Iran-Abkommen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus hindeutet
04.08.2026

Ein überraschender Wendepunkt an den globalen Finanzmärkten sorgt für Aufsehen – erfahren Sie, was die Börsen jetzt antreibt.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Marsch in die Flaute drückt Deutschlands Industrie 
04.08.2026

In China braut sich womöglich eine länger anhaltende Krise zusammen. Für die ohnehin angeschlagene deutsche Wirtschaft ist das eine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Öl-Aktien: Konzerne kassieren, Deutschlands Wirtschaft zahlt
04.08.2026

Krieg im Nahen Osten, Ölpreise auf Rekordniveau und Milliardengewinne für die Energiekonzerne: Öl-Aktien schlagen 2026 sogar den...

DWN
Politik
Politik Trump-Vertraute Loomer in der Ukraine: „Russland hat mich getäuscht“
04.08.2026

Jahrelang verbreitete Laura Loomer die Erzählungen des Kremls und beschimpfte die Ukraine als Land der „Nazi-Apologeten“. Nun reist...

DWN
Finanzen
Finanzen Palantir-Aktie: Überwachungsfirma hebt Prognose kräftig an
04.08.2026

Die Palantir-Aktie schießt nach starken Quartalszahlen zweistellig nach oben und profitiert vom boomenden KI-Geschäft in den USA. Vor...

DWN
Politik
Politik KI-Steuer, steuerfreie Einkommen, Grundeinkommen? Zeit für einen Systemwechsel
04.08.2026

Wenn Erwerbsarbeit nicht mehr die Existenz sichert: Künstliche Intelligenz frisst Arbeitsplätze, Inflation und Steuern fressen Löhne,...

DWN
Finanzen
Finanzen Nivea bremst: Beiersdorf-Aktie gerät unter Druck
04.08.2026

Die Schwäche von Nivea zwingt Beiersdorf zu einer überraschenden Prognosesenkung und setzt die Beiersdorf-Aktie kräftig unter Druck....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ein Volk in Rente: 22,5 Millionen Rentenempfänger in Deutschland
04.08.2026

Immer mehr Menschen beziehen Rente – und der steuerpflichtige Anteil der Auszahlungen wächst weiter. Neue Zahlen zeigen, wie viele...