Politik

Bundestag-Abstimmung über Finanzpaket: Bewährungsprobe für Union und SPD

Im Bundestag steht für den wahrscheinlichen künftigen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) an diesem Dienstag eine bedeutende Entscheidung an: Der eigens erneut einberufene alte Bundestag wird über das von Union, SPD und Grünen ausgehandelte milliardenschwere Finanzpaket abstimmen, das Investitionen in Infrastruktur, Klimaschutz und Verteidigung ermöglichen soll.
18.03.2025 06:38
Aktualisiert: 18.03.2025 06:38
Lesezeit: 3 min

Schuldenpaket vor Abstimmung im alten Bundestag

Ich bin zuversichtlich, dass wir die notwendige Mehrheit bekommen", erklärte der voraussichtliche neue Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach einer Sitzung der Unionsfraktion. Falls die Bundestag-Abstimmung erfolgreich verläuft, muss am Freitag auch im Bundesrat eine Zweidrittelmehrheit erreicht werden.

Vorgesehen sind mehrere Änderungen am Grundgesetz. Die dafür erforderliche Zweidrittelmehrheit ist jedoch nicht garantiert. Eine Zustimmung ist für die geplante Bundesregierung aus Union und SPD mit einem Kanzler Merz essenziell. Beide Parteien halten das Paket für notwendig, um wirtschaftlich sowie sicherheitspolitisch handlungsfähig zu bleiben. Parallel laufen intensive Verhandlungen über die Bildung einer schwarz-roten Koalition.

Bundestag-Abstimmung: Klimaneutralität 2045 als Verfassungsziel?

Das Gesetzespaket sieht eine Lockerung der Schuldenbremse im Grundgesetz vor. Diese regelt grundsätzlich, dass Bund und Länder keine zusätzlichen Kredite aufnehmen dürfen. Angesichts der schwachen Konjunktur und geopolitischer Herausforderungen wie der Ukraine-Krise sollen nun Ausnahmen geschaffen werden: Für Verteidigung, Zivilschutz, Nachrichtendienste und Cybersicherheit sollen unbegrenzte Kredite möglich sein. Zudem wird für Infrastrukturprojekte wie Schienen, Brücken und Straßen ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen eingerichtet, das durch Kredite finanziert wird.

Die Zustimmung der Grünen, die für die Bundestag-Abstimmung unerlässlich ist, wurde daran geknüpft, dass Mittel auch "für zusätzliche Investitionen zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2045" genutzt werden dürfen. Diese Formulierung soll im neuen Artikel 143h des Grundgesetzes verankert werden. Klimaneutralität bedeutet, dass nicht mehr Treibhausgase emittiert als kompensiert werden.

Diskutiert wird, ob die Nennung des Jahres 2045 im Grundgesetz einem neuen Staatsziel gleichkommt und wirtschaftliche Nachteile oder rechtliche Klagen nach sich ziehen könnte. Merz widersprach dem in der ARD: Das Jahr 2045 sei bereits international beschlossen und im Klimaschutzgesetz Deutschlands festgeschrieben. Zudem habe das Bundesverfassungsgericht die Politik dazu verpflichtet. Es handle sich lediglich um eine Zweckbestimmung für das Sondervermögen, nicht um ein Staatsziel.

Spannung vor der Bundestag-Abstimmung

Die Bundestag-Abstimmung könnte zur Zitterpartie werden. Das noch einmal zusammengetretene Parlament besteht aus 733 Abgeordneten. Für die nötige Zweidrittelmehrheit müssten 489 zustimmen. Union (196 Sitze), SPD (207) und Grüne (117) kommen gemeinsam auf 520 Stimmen - laut Bundestagsverwaltung 31 mehr als benötigt.

Merz sprach ebenfalls von 31 Stimmen als Puffer für Krankheitsfälle. Dennoch bleibt die Mehrheit knapp. Einzelne Abgeordnete hatten angekündigt, nicht zuzustimmen oder der Sitzung fernzubleiben. Laut Merz sind zwei bis drei Unionsabgeordnete dagegen.

Auch in der Grünen-Fraktion gab es bei einer internen Probeabstimmung eine Enthaltung und eine unentschiedene Stimme. SPD-Fraktionschef Lars Klingbeil erklärte am Montag, dass von den 207 SPD-Abgeordneten einer krankheitsbedingt fehlen und ein weiterer mit Nein stimmen werde.

Transparente Bundestag-Abstimmung

Da es sich um eine namentliche Bundestag-Abstimmung handelt, wird später für jeden Abgeordneten nachvollziehbar sein, wie er abgestimmt hat. Einige Abgeordnete, die nicht mehr dem neuen Bundestag angehören, dürften ihre Entscheidung unabhängiger von Fraktionslinien treffen.

Am Montag scheiterten in Karlsruhe weitere Versuche, die Bundestag-Abstimmung per Gerichtsbeschluss zu stoppen. Das Bundesverfassungsgericht wies mehrere Eilanträge von AfD, Linke, FDP und BSW zurück. Bereits am Freitag hatte das Gericht Anträge gegen die Sondersitzung des alten Bundestags als unbegründet abgelehnt.

Nächster Schritt: Bundesrat muss zustimmen

Doch selbst wenn die Bundestag-Abstimmung positiv ausfällt, ist das Vorhaben noch nicht abgeschlossen. Grundgesetzänderungen müssen auch durch den Bundesrat. Am Freitag entscheidet die Länderkammer, wobei ebenfalls eine Zweidrittelmehrheit erforderlich ist. Von den 69 Stimmen im Bundesrat werden mindestens 46 benötigt.

Die Länder, in denen Union, SPD und Grüne regieren, verfügen über 41 Stimmen. Zusammen mit den sechs Stimmen Bayerns wäre die notwendige Mehrheit erreicht. Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) bestätigte am Abend, dass Bayern zustimmen werde. CSU und Freie Wähler hätten sich nach internen Beratungen auf eine Zustimmung geeinigt, obwohl es zuvor Bedenken seitens der Freien Wähler gegeben hatte.

Julia Klöckner als Bundestagspräsidentin nominiert

Kurz vor der konstituierenden Sitzung des neuen Bundestages traf die CDU/CSU-Fraktion eine Personalentscheidung: Sie nominierte Julia Klöckner als Bundestagspräsidentin. "Julia Klöckner hat langjährige parlamentarische Erfahrung", lobte Merz. Klöckner betonte, dass der Bundestag mit Respekt debattieren und Vorbild für die Gesellschaft sein müsse.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street beendet den Monat auf einem Hoch
30.04.2026

Was hinter der außergewöhnlichen Rallye steckt und warum dieser Börsenmonat in Erinnerung bleiben wird.

DWN
Politik
Politik Deutschland rüstet auf: Merz setzt auf europäische Führungsrolle
30.04.2026

Deutschland erhöht seine Verteidigungsausgaben massiv und stellt damit die Machtbalance in Europas Sicherheitspolitik neu zur Disposition....

DWN
Politik
Politik Rente als Basisabsicherung? Rente nicht mehr sicher - Altersarmut auf Ansage
30.04.2026

Der Bundeskanzler löst mit seiner Aussage, dass die staatliche Rente als eine „Basisabsicherung“ nicht mehr reichen wird, große...

DWN
Politik
Politik Moskau droht mit Konsequenzen: Selenskyj provoziere Atomkrieg
30.04.2026

Das russische Außenministerium hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj das Heraufbeschwören eines Atomkriegs vorgeworfen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preisschock vor der Entlastung: Historischer Sprung an den Zapfsäulen
30.04.2026

Eigentlich sollten Autofahrer ab Mitternacht durch den neuen Tankrabatt aufatmen können – doch kurz vor dem Start der Steuersenkung...

DWN
Immobilien
Immobilien Warnsignal für den Immobilienstandort: Justiz-Debakel um Bauruine belastet Investitionsklima
30.04.2026

Der Fall des Fellbacher „Schwabenlandtowers“ entwickelt sich von einem lokalen Bau-Skandal zu einem besorgniserregenden Lehrstück für...

DWN
Politik
Politik Gesundheitsreform auf dem Weg: Das sind die wichtigsten Änderungen
30.04.2026

Die Bundesregierung hat die Gesundheitsreform auf den Weg gebracht. Der Gesetzesentwurf bringt für Versicherte zahlreiche Änderungen –...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Teuerung in der Eurozone: Iran-Krieg treibt Inflationsrate auf 3,0 Prozent
30.04.2026

Der Ölpreisschub infolge des Iran-Krieges hat die Inflation im Euroraum im April massiv angeheizt. Nach ersten Schätzungen des...