Finanzen

Pharma-Aktien: Sollten Anleger in der schwachen Phase einsteigen?

Pharma-Aktien haben 2025 ein schwaches Jahr hinter sich – trotz steigender Medikamentennachfrage und solider Quartalszahlen. Politische Unsicherheiten in den USA belasten die Branche. Doch für langfristige Investoren könnten gerade diese Rückschläge eine Chance sein.
01.09.2025 16:05
Lesezeit: 3 min

Ein turbulenter Jahresauftakt für Pharma-Aktien

Der Jahresbeginn 2025 war geprägt von der turbulenten Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus, die sofortige Erschütterungen an den Aktienmärkten auslöste. Nur wenige Tage nach Ankündigung neuer handelspolitischer Maßnahmen rutschten die US-Börsen deutlich ab. Drohende neue Zölle auf chinesische Waren, die Wiedereinführung von Zöllen auf europäische Autos sowie weitere protektionistische Signale sorgten weltweit für Verunsicherung.

Die Reaktion globaler Investoren war klassisch: schnell und panisch. Der US-Leitindex S&P 500 verzeichnete im April eine Korrektur, die an die Mini-Handelskriegspanik von 2018 erinnerte. Doch diesmal folgte die Erholung deutlich schneller. Nur wenige Wochen später setzten Technologie-Aktien zu einem kräftigen Comeback an, getragen von Themen wie Künstliche Intelligenz, Cloud-Services und digitaler Transformation. Bis Anfang Juli hatte der S&P 500 alle Verluste aufgeholt und legte vom Korrekturtief fast 25 Prozent zu.

Pharma-Aktien im Abseits: Politische Rhetorik drückt die Branche

Ganz anders verlief die Entwicklung für den Gesundheitssektor. Der S&P 500 Healthcare-Index, der Pharma-Aktien und andere Branchentitel abbildet, konnte zwischen April und Juli nur rund 1,5 Prozent zulegen – während der Gesamtmarkt fast 10 Prozent stieg. Damit notierte die Branche 2025 weiterhin im Minus. Was wie ein Paradoxon erscheint – steigende Medikamentennachfrage, solide Bilanzen – erklärt sich durch politische Unsicherheit. Donald Trump knüpfte nahtlos an seine Rhetorik aus der ersten Amtszeit an und erklärte erneut den hohen Medikamentenpreisen den Krieg. Seine Ankündigung, die Regierung solle künftig Medikamentenpreise direkt mit der Pharmaindustrie verhandeln, verunsicherte Investoren.

Für Konzerne wie Pfizer, Merck oder Bristol Myers Squibb, die sich stark auf den US-Markt stützen, ist dies eine massive Bedrohung. Die hohen US-Preise gelten seit Jahren als wichtigster Gewinnpuffer, um Milliardeninvestitionen in Forschung und Entwicklung zu finanzieren. Sollte dieser Gewinnpolster wegbrechen, gerät das gesamte Geschäftsmodell der Pharmaindustrie unter Druck.

Risiken für die Pharmaindustrie: Patentausläufe und Preisdruck

Die Pharmabranche ist ohnehin mit zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert. Zahlreiche Schlüsselpatente laufen in den kommenden Jahren aus, wodurch Umsätze sprunghaft sinken, sobald günstigere Generika den Markt betreten. Parallel dazu klettern die Kosten für die Medikamentenentwicklung: von Grundlagenforschung über klinische Tests bis zur regulatorischen Zulassung. Schätzungen zufolge kostet die Entwicklung eines einzigen Medikaments heute über 2 Milliarden Dollar – mit unsicherem Ausgang.

Bislang konnte die Branche diese Risiken über den US-Markt abfedern. Sollte Trump jedoch seine Drohung wahrmachen und US-Preise an europäische oder asiatische Niveaus angleichen, schrumpfen die Gewinnmargen dramatisch. Das hätte Folgen für Forschung, Dividenden und die gesamte Wertschöpfungskette – von Biotech-Start-ups bis hin zu Krankenhäusern.

Bewertung: Sind Pharma-Aktien jetzt günstig?

Laut Morningstar lag das Kurs-Fair-Value-Verhältnis für den Gesundheitssektor im Juni 2025 bei 0,89 – einem Abschlag von rund 11 Prozent. So günstig waren Pharma-Aktien zuletzt während des Corona-Crashs im März 2020. Während damals eine globale Pandemie Panik auslöste, basiert die aktuelle Schwäche primär auf politischer Unsicherheit.

Für langfristige Investoren könnte das eine Chance sein. Die fundamentale Nachfrage bleibt stabil: Die Weltbevölkerung altert rapide. Bis 2030 wird jeder fünfte US-Bürger älter als 65 sein – mit entsprechend steigender Medikamentennachfrage bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden oder Krebs. Konzerne wie Merck, Pfizer oder Thermo Fisher Scientific verfügen über starke Bilanzen, stabile Cashflows und umfangreiche Produktportfolios. Die aktuelle Schwäche ist daher weniger ein Ausdruck schwacher Fundamentaldaten, sondern vor allem politisch bedingt.

Pharma-Aktien: Chancen für europäische Anleger

Während US-Konzerne mit Trumps Preisdruck kämpfen, zeigt sich die Situation in Europa stabiler. Unsere Kollegen vom slowenischen Finanzportal MojeFinance zeigen dabei ein interessantes Beispiel auf: Krka, der führende slowenische Pharmakonzern, erzielt den Großteil seiner Einnahmen in Mittel- und Osteuropa und ist kaum vom US-Markt abhängig. Politische Risiken aus Washington treffen die Aktie daher weniger stark. Auch Salus, ein wichtiger slowenischer Distributor von Medikamenten und Medizintechnik, bleibt von den US-Preisdebatten unberührt. Hier zählen vor allem Logistik, Lieferkettenstabilität und lokale Marktkenntnis – ein Pluspunkt in unruhigen Zeiten.

Pharma-Aktien erleben 2025 ein ungewöhnlich schwaches Jahr – nicht aufgrund schwacher Nachfrage, sondern wegen politischer Risiken in den USA. Während Tech-Werte neue Höchststände feiern, bleiben Pharma-Titel unter Druck. Für langfristig orientierte Anleger ergibt sich daraus eine interessante Einstiegschance. Die Fundamentaldaten – alternde Gesellschaft, wachsende Medikamentennachfrage, stabile Cashflows – sprechen klar für die Branche. Kurzfristig können Unsicherheit und Volatilität dominieren, langfristig jedoch bieten Pharma-Aktien nach wie vor ein solides Fundament für jedes diversifizierte Portfolio.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sinkender Bierkonsum: Ostdeutsche Traditionsbrauerei Mauritius meldet Insolvenz
27.03.2026

Überteuerte Rohstoffpreise und sinkender Bierkonsum bedrohen 165 Jahre Brautradition aus Sachsen: Mauritius Brauerei aus Zwickau hat...

DWN
Politik
Politik Schmerzhafte Reformen für Deutschland: Merz lobt Klingbeil für Vorschläge
27.03.2026

Mit warmen Worten lobt der Bundeskanzler die Reformrede des SPD-Chefs und stellt sich damit demonstrativ hinter Finanzminister Klingbeil....

DWN
Panorama
Panorama Jugendschutz im Netz: EU-Kommission geht gegen Snapchat und Pornoseiten vor
27.03.2026

Kinder und Jugendliche sollen im Netz besser geschützt werden: EU-Kommission nimmt mehrere große Plattformen ins Visier. So soll Snapchat...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Elektromobilität: Mercedes-Chef warnt vor Verbrenner-Aus durch EU-Pläne
27.03.2026

Die EU verschärft den Druck auf die Autobranche und setzt auf Elektromobilität. Doch ausgerechnet Mercedes-Chef Ola Källenius warnt,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Ausverkauf an der Wall Street, da Aussichten auf Iran-Abkommen schwinden
26.03.2026

Die Aussicht auf ein Scheitern der Iran-Verhandlungen treibt den Ölpreis nach oben und setzt die Wall Street unter Druck. Droht den...

DWN
Finanzen
Finanzen Meta-Aktie: Konzern streicht 700 Stellen und fokussiert KI
26.03.2026

Meta baut radikal um und streicht 700 Stellen, während KI zum Kern der Strategie wird. Die Aktie gerät unter Druck, denn juristische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Handelspolitik: Kann Europa ohne die USA bestehen
26.03.2026

Trump schottet die USA ab und erschüttert den Welthandel. Doch Ursula von der Leyen nutzt die Krise und schmiedet weltweit neue Allianzen....

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg treibt Ölpreis-Angst: Deutschland bleibt verwundbar
26.03.2026

Der Iran-Krieg zeigt, wie schnell die globale Energieversorgung ins Wanken gerät – und wie abhängig Deutschland noch immer ist....