Wirtschaft

Trump-Zölle könnten Preiskarussell, Zinserhöhungen und Insolvenzen anheizen - die EU bereitet sich vor

Die Regierungen weltweit bereiten sich auf die massive Einführung von Zöllen durch US-Präsident Donald Trump vor, die, so sein Plan, „in allen Ländern“ starten sollen. Die neue US-Administration ignoriert bislang die Warnungen von Ökonomen, dass Importzölle letztlich den Endverbrauchern aufgebürdet werden, und dass alle in den Handelskrieg involvierten Parteien Verluste erleiden werden.
02.04.2025 21:29
Lesezeit: 3 min

"Befreiungstag": Trump-Zölle kommen

Wenige Tage vor dem 2. April, den er als „Befreiungstag“ bezeichnet, kündigte US-Präsident Donald Trump an, dass Zölle für alle Länder gelten werden, nicht nur für die rund 10 bis 15 Staaten mit dem größten Handelsdefizit gegenüber den USA, wie ursprünglich von seinen Beratern verkündet worden war.

„In den Vereinigten Staaten nennen sie es den ‚Befreiungstag‘. Ich sehe es als einen Moment, in dem wir gemeinsam entscheiden müssen, unser Schicksal stärker zu kontrollieren, und ich glaube, dass dies ein Schritt in Richtung (europäischer ökonomischer) Unabhängigkeit ist“, sagte Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), im Interview mit dem französischen Radiosender „France Inter“.

Zölle und Handelskrieg: Europa reagiert mit Gegenmaßnahmen

Der Handelskrieg traf die EU bereits Mitte März, als die USA einen 25-prozentigen Zoll auf alle Stahl- und Aluminiumprodukte sowie eine Erhöhung der Zölle auf chinesische Waren ankündigten. Die EU reagierte darauf mit einem Gegenmaßnahmengesetz, das US-Produkte im Wert von 26 Milliarden Euro betreffen soll. Der Inkrafttreten dieses Gesetzes wurde nach Konsultationen in den Hauptstädten der EU von 1. April auf den 12. April verschoben.

Europas Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte kurz vor den Zollankündigungen, dass sie weiterhin hoffe, dass es über Verhandlungen zu einer Einigung mit Washington kommen könnte. Gleichzeitig habe die EU jedoch einen Plan entwickelt, falls Gegenmaßnahmen notwendig werden.

Mit dem Start des neuen Zoll-Rundgangs am 2. April droht ein 20-prozentiger Zoll auf Waren aus der EU. Ab dem 3. April wird zudem ein 25-prozentiger Zoll auf importierte Fahrzeuge eingeführt, wie das Team von Donald Trump bestätigte. Die USA exportieren mehr Dienstleistungen in die EU, während die EU vor allem Autos, Medikamente und Nahrungsmittel in die Vereinigten Staaten verkauft. US-Technologiegiganten, Finanzdienstleister und Pharmaunternehmen sind tief in Europa verwurzelt.

Der gesamte Handelsüberschuss der EU mit den USA beträgt nur 50 Milliarden US-Dollar, etwa 3% des gesamten transatlantischen Handelsvolumens von 1,7 Billionen US-Dollar im Jahr 2024. Der Defizit in der Warenbilanz alleine beträgt 235,6 Milliarden US-Dollar.

Keiner wird gewinnen: Auswirkungen der Trump-Zölle auf die Märkte

Die Aktienmärkte haben die neuen Zölle mit einem massiven Rückgang begrüßt, und das Vertrauen der US-Verbraucher ist auf dem Tiefpunkt, da Ökonomen wiederholt betonen, dass Importzölle früher oder später auf die Endverbraucher umgelegt werden. Alle, die in den Handelskrieg verwickelt sind, werden letztlich verlieren.

Derzeit folgt Brüssel den traditionellen Regeln des Handelskrieges, indem es die breiteren Zölle auf Industriemetalle mit ähnlichen Steuern auf bekannte amerikanische Marken wie „Harley-Davidson“ kombiniert. Nun, da Washington droht, nicht nur für bestehende Zölle, sondern auch für sogenannte nicht-tarifäre Handelshemmnisse, wie etwa Technologie-Regulierungen, zu bestrafen, richtet Brüssel seinen Blick auf die Dienstleistungsanbieter. Hier könnten insbesondere große Banken wie „J.P. Morgan“ oder „Bank of America“ sowie Technologieriesen wie „Google“ oder „Amazon“ betroffen sein.

Der 25-prozentige Zoll auf importierte Fahrzeuge wird voraussichtlich besonders die Käufer von Fahrzeugen der unteren Preisklassen treffen, da fast alle in den USA verkauften Neuwagen im Ausland produziert werden, berichtet „Reuters“. Autos, die weniger als 30.000 US-Dollar kosten, sind schon jetzt selten, da die durchschnittlichen Preise für neue Autos fast bei 50.000 US-Dollar liegen.

Der Zinsmarkt unter Druck: Zinssenkungen zu erwarten

Die gestiegene Unsicherheit durch die neuen Zölle lässt die Investoren in Aktien zurück, während sie verstärkt auf Anleihen und andere sichere Anlageformen setzen. Sie erwarten, dass der Handelskrieg die US-amerikanische Federal Reserve und die Europäische Zentralbank (EZB) dazu drängt, die Zinssätze weiter zu senken.

Die Ökonomen der „Goldman Sachs Group Inc.“ prognostizieren nun, dass beide Zentralbanken ihre Leitzinsen dreimal senken werden, nachdem zuvor nur kleinere Zinssenkungen erwartet wurden. Der geldpolitische Rat der EZB wird vor Ostern, am 16. April, stattfinden. Bis dahin wird die EZB die Auswirkungen des Handelskrieges auf das Wachstum der Eurozone bewerten.

Analysten achten auf zwei Faktoren: Zunächst, ob die Dienstleistungsinflation, die für die EZB eine große Herausforderung darstellt, weiter gesenkt werden kann, wie die EZB es erwartet. Und zweitens, ob es neue Anzeichen für Inflation gibt, die durch den Import von US-Inflation nach Europa oder durch den Anstieg der Produktionspreise in der Eurozone selbst verursacht werden.

Der Blick in die Zukunft: Geopolitische und wirtschaftliche Auswirkungen

„Coface“-Analysten prognostizieren, dass sich der weltweite Handel bis 2030 in drei Hauptblöcke aufteilen wird: die USA und ihre Verbündeten, China und deren Partner sowie neutrale Volkswirtschaften wie Indien und Lateinamerika. Es wird erwartet, dass der Handel innerhalb dieser Blöcke um 2% wachsen wird, während der Handel zwischen den Blöcken stagnieren oder sogar schrumpfen könnte.

Für Europa bleibt die Herausforderung bestehen, eine Balance zwischen den Interessen der USA und Chinas zu finden, während gleichzeitig geopolitische Spannungen die internationale Wirtschaftsordnung verändern. Das Ergebnis dieses Handelskrieges und der damit verbundenen geopolitischen Verschiebungen bleibt schwer vorhersehbar, ebenso wie der Zeitpunkt, an dem die Verhandlungen am Verhandlungstisch zu einem Ende kommen könnten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Die Ökonomie der Aufmerksamkeit: Warum Unternehmen um jede Minute kämpfen

Im Internet ist Geld nicht länger die einzige Währung. Eine ebenso große Rolle spielt die Währung Aufmerksamkeit. Wer im Überfluss an...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Das Maschinenherz Deutschlands kommt zum Stillstand: Das Problem ist größer als in der Automobilbranche
18.07.2026

In den meisten Ländern der Europäischen Union wächst die Maschinenproduktion dank einer Investitionswelle. Nicht so in Deutschland. Der...

DWN
Finanzen
Finanzen Marktbericht: „Böse Überraschung“, während der KI-Ausverkauf anhält
17.07.2026

Turbulenzen an den Märkten: Erfahren Sie, welche Kräfte den Technologiesektor jetzt bewegen und wie Experten die Lage einschätzen.

DWN
Politik
Politik Leihmutterschaft: CDU-Politiker fordert Spahns Rücktritt
17.07.2026

Die CDU ist strikt gegen eine Zulassung von Leihmutterschaften. Dass ihr Frontmann im Bundestag nun privat einen anderen Weg gegangen ist,...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Upvest: Der unsichtbare Riese hinter Revolut, N26 und Co.
17.07.2026

Die Schnittstellen-Technologie von Upvest etabliert sich zusehends zum Standard im europäischen Wertpapierhandel. Nach N26 und Revolut...

DWN
Finanzen
Finanzen Mercedes-Aktie: Autobauer investiert eine Milliarde Euro in Ungarn – Strategie gegen chinesische Konkurrenz?
17.07.2026

Mercedes hat eine Milliarde Euro in Ungarn investiert. Nach dem Ausbau soll das Werk in Kecskemét jährlich mehrere hunderttausend Autos...

DWN
Politik
Politik EU-Kritik an Deutschland: Mängel bei Pressefreiheit und Lobby-Transparenz
17.07.2026

Rüge aus Brüssel für die Bundesregierung: Im neuen Rechtsstaatsbericht bescheinigt die EU-Kommission Deutschland anhaltende Defizite....

DWN
Politik
Politik Bahn und Länder im Streit: Netzagentur erzwingt Platz für Fernverkehrs-Konkurrenz
17.07.2026

Ein Machtwort mit Folgen für das deutsche Schienennetz: Die Bundesnetzagentur zieht ihren vorläufigen Beschluss durch und verpflichtet...

DWN
Technologie
Technologie Chinas KI-Vorstoß: Moonshot AI setzt US-Giganten wie OpenAI unter Druck
17.07.2026

China startet seinen Angriff auf die globale KI-Spitze. Mit dem Start-up Moonshot AI bringt das Land ein neues Modell auf den Markt, das es...