Wirtschaft

Xi Jinping empfängt deutsche Wirtschaftsbosse: Droht die Abwanderung der Wirtschaft nach China?

Die Rahmenbedingungen in Deutschland sind für Unternehmen zunehmend unwirtschaftlich: Energiekosten und Steuern sind hoch, die Bürokratie erdrückend. In allen diesen Kriterien punktet China. Deshalb wird für deutsche Industriekonzerne die Verlagerung ihres Geschäfts in das Reich der Mitte immer attraktiver – besonders für Autobauer. Welche Standortvorteile China bietet.
13.04.2025 16:03
Lesezeit: 3 min

Am 28. März hat Chinas Präsident und Staatsoberhaupt Xi Jinping führende Köpfe der globalen Wirtschaft zu einem Gipfeltreffen in die Hauptstadt Peking eingeladen – mit dem Ziel, die wirtschaftlichen Beziehungen trotz zunehmender Handelsbarrieren aufrechtzuerhalten. Hintergrund sind vor allem die Zölle seitens der EU und der Vereinigten Staaten gegenüber China. „Wer in China investiert, investiert in die Zukunft“, warb der chinesische Staatspräsident.

Chinesischer Wirtschaftsgipfel: Xi trifft Konzernchefs

Besondere Aufmerksamkeit galt den Vertretern der deutschen Automobilindustrie: Wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, begrüßte Xi bei dem Treffen auch zahlreiche hochrangige deutsche CEOs im Zentrum Pekings: darunter Miguel Angel López Borrego, Vorstandschef von ThyssenKrupp, Mercedes-CEO Ola Källenius und Siemens-Chef Roland Busch. Auch BMW-Vorstandsvorsitzender Oliver Zipse, Christian Hartel von Wacker Chemie sowie Klaus Rosenfeld, der Chef des Autozulieferers Schaeffler, nahmen an dem Treffen teil.

Angesichts der anhaltenden konjunkturellen Schwäche unternimmt China derzeit Anstrengungen, um sein Wirtschaftswachstum wieder in Schwung zu bringen und ausländisches Kapital im Land zu halten – beziehungsweise anzulocken. Parallel dazu werfen immer mehr deutsche Konzerne ihren Blick gen Osten, da der deutsche Standort durch wachstumsfeindliche Rahmenbedingungen zunehmend unattraktiv wird.

China punktet mit attraktiven Standortvorteilen

Im Vergleich zu Deutschland kann China Unternehmen genau das bieten, was für ihre Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität entscheidend ist:

  • Günstige Energiekosten

Während die Industriestrompreise in Deutschland im Jahr 2024 im Durchschnitt bei knapp 17 Cent pro Kilowattstunde lagen, bewegten sie sich in China zwischen 7 und 9 Cent. Damit unterliegen in China die Strompreise deutlich geringeren Belastungen durch Steuern, Umlagen oder Netzentgelte als in Deutschland.

Der chinesische Staat reguliert Stromerzeugung und Netzbetrieb zentral, wodurch zusätzliche Kosten weitgehend entfallen und setzt auf eine breit aufgestellte Energieversorgung. Peking setzt auch weiterhin auf Kernkraft und fossile Energieträger. Eine Erhebung von Statista verdeutlicht dies: Kohle war im Jahr 2023 mit einem Anteil von rund 60,8 Prozent nach wie vor der wichtigste Energieträger in China.

  • Bürokratie: Weniger Regulierung, mehr Effizienz

Auch in Sachen Bürokratie bietet China Unternehmen im Vergleich zu Deutschland einen deutlich vorteilhafteren Standort: Vor allem die administrativen Anforderungen sind in der Volksrepublik erheblich geringer. Unternehmensgründungen und generelle Genehmigungsverfahren verlaufen deutlich schneller und unkomplizierter, da weniger Dokumentation und behördliche Abstimmungen erforderlich sind.

  • Steuervorteile in China

Steuerlich ist China für Unternehmen mittlerweile deutlich attraktiver als Deutschland: Der reguläre Körperschaftssteuersatz liegt bei 25 Prozent, wobei kleine und mittelständische Betriebe sowie bestimmte Branchen – etwa High-Tech-Unternehmen – von reduzierten Sätzen zwischen 5 und 10 Prozent profitieren können. So zieht China gezielt Investitionen in zukunftsrelevante Sektoren wie Künstliche Intelligenz oder Halbleitertechnologie an.

Auch bei der Mehrwertsteuer liegt China vorn: Der Standardsatz beträgt 13 Prozent, während Deutschland mit 19 Prozent zur Kasse bittet.

  • Niedrige Lohnkosten

Hinzu kommen die vorteilhaften Lohnstrukturen: Die durchschnittlichen Arbeitskosten pro Stunde in der chinesischen Industrie lagen im Jahr 2023 bei etwa 8 Euro; in wirtschaftlich starken Küstenregionen wie Shanghai oder Shenzhen etwas höher.

Zum Vergleich: In Deutschland belaufen sich die durchschnittlichen Arbeitskosten in der Industrie auf rund 46 Euro pro Stunde – das ist mehr als das Fünffache. Die Arbeitskosten inkludieren Bruttoverdienste und Lohnnebenkosten.

  • Zugang zu kritischen Rohstoffen

Ein weiterer bedeutender Standortvorteil für Unternehmen in China ist der privilegierte Zugang zu kritischen Rohstoffen: China gilt als weltweit führend bei der Förderung und Verarbeitung zahlreicher strategisch bedeutsamer Rohstoffe wie Magnesium, Seltenen Erden, Gallium und Germanium. Diese Rohstoffe sind essenziell für Zukunftstechnologien wie die Halbleiterproduktion, Batterien, die Entwicklung künstlicher Intelligenz sowie Anwendungen in der Rüstungsindustrie, der Automobilbranche und weiteren Hochtechnologiebereichen.

Fazit: Deutschland verliert – China gewinnt

Während der deutsche Standort zunehmend an Attraktivität einbüßt, nimmt die globale Abwanderungswelle der Industrie weiter Fahrt auf – Osteuropa, Südostasien und nun verstärkt China rücken in den Fokus: Günstige Energie, niedrigere Steuern, weniger Bürokratie und ein verlässlicher Zugang zu Rohstoffen machen das Reich der Mitte für deutsche Unternehmen zunehmend zur Alternative – besonders für deutsche Autobauer, deren Absatzmarkt ohnehin zu großen Teilen in China liegt.

Eine grundlegende Verbesserung der Standortbedingungen in Deutschland ist dringend erforderlich, um eine anhaltende Abwanderung von Produktivität und Wertschöpfung ins Ausland zu verhindern. Bleibt die Frage, ob das rechtzeitig unter einer neuen schwarzroten Regierung unter Merz gelingt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Technologie
Technologie Millionen Hackerangriffe wegen PHP-Sicherheitslücke: Wie sicher sind Websites noch und was ist zu tun?
01.11.2026

Millionen Hackerangriffe innerhalb weniger Stunden, abgeschaltete Regierungswebsites und eine PHP-Sicherheitslücke, die seit mehr als...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quantum-Systems-Chef in Litauen: Drohnen kann man nicht im Lager anhäufen, Bedrohungen verändern sich
01.11.2026

Quantum Systems baut seine Präsenz in Litauen aus und wird dort die Bundeswehr-Brigade unterstützen. Produktionspläne hängen jedoch von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kupferpreise auf Rekordhoch: Warum das Kupfermetall knapp wird
01.11.2026

Das Industriemetall ist nicht nur bei Diebesbanden gefragt. Kaum eine Zukunftsbranche kommt ohne den Leiter zurecht. Nach Bewertung der IEA...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Server statt Spielzeug: Playmobil-Werk wird Rechenzentrum
01.11.2026

Die Mutter der bekannten Spielwarenmarke hat die Produktion ins Ausland verlagert. 350 Mitarbeitende verloren dabei ihren Arbeitsplatz....

DWN
Immobilien
Immobilien Preisschock am Bau: Neue KI soll explodierende Materialkosten und Baustopps verhindern
01.11.2026

Kriege, Krisen und explodierende Rohstoffpreise bringen die Baubranche zunehmend unter Druck. Bauprojekte werden teurer, Kalkulationen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Xiaomi-Elektroautos: Warum dieser Milliardär Volkswagen und Tesla gefährlich werden könnte
31.10.2026

Er verkaufte Smartphones, wurde Milliardär und stieg schließlich ins Autogeschäft ein. Mit seinem ersten Elektroauto gelang Xiaomi-Chef...

DWN
Panorama
Panorama Kommunale Schulden wachsen deutlich: Deutschlands Städte unter Druck, die KfW warnt
31.10.2026

Die integrierte Verschuldung der deutschen Kommunen ist 2025 deutlich gestiegen. Ende des Jahres entfielen rechnerisch 4.907 Euro Schulden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 70 Jahre Fernsehwerbung: Das beste Marketing, das Deutschland nie vergessen hat
31.10.2026

Ein Fleck auf der Tischdecke, ein Waschmittel und ein Satz, der hängen blieb: 1956 begann die Fernsehwerbung in Deutschland. Seitdem haben...