Wirtschaft

Whistleblowerin erhebt schwere Vorwürfe: Meta soll Nutzerdaten mit China geteilt haben

Ein neuer Skandal erschüttert den US-Techgiganten Meta. Die ehemalige Facebook-Managerin Sarah Wynn-Williams, früher Director of Global Public Policy, erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren früheren Arbeitgeber: Meta soll gezielt Daten amerikanischer Nutzer mit der Kommunistischen Partei Chinas geteilt haben – im Zuge milliardenschwerer Expansionspläne im Reich der Mitte.
16.04.2025 16:00
Lesezeit: 3 min
Whistleblowerin erhebt schwere Vorwürfe: Meta soll Nutzerdaten mit China geteilt haben
In Washington wächst der Druck auf Meta. (Foto: dpa) Foto: Jens Büttner

Milliarden für den Markteintritt – und Nutzerdaten als Türöffner?

Die Enthüllungen wurden am Donnerstag im Rahmen einer Anhörung im US-Kongress publik und zuerst von der BBC berichtet. Meta weist alle Vorwürfe entschieden zurück. Doch die Aussagen der Insiderin werfen erneut ein Schlaglicht auf die engen – und offenbar bewusst intransparenten – Verflechtungen westlicher Tech-Konzerne mit autoritären Regimen.

Laut Wynn-Williams plante Meta eine Investition von rund 18 Milliarden US-Dollar in China, offenbar in der Hoffnung auf regulatorische Genehmigungen und den Zugang zum größten Internetmarkt der Welt. Im Gegenzug, so die Whistleblowerin, sei das Unternehmen bereit gewesen, bei der Zensur und Überwachung politisch unerwünschter Inhalte zu kooperieren – und dabei sogar Daten westlicher, darunter auch amerikanischer Nutzer, preiszugeben.

„Meta hat aktiv mit Peking zusammengearbeitet, um Dissidenten zu identifizieren und zum Schweigen zu bringen“, sagte Wynn-Williams vor dem Ausschuss. Als konkretes Beispiel nannte sie die Löschung des Facebook-Kontos von Guo Wengui, einem chinesischen Regimekritiker im US-Exil. Die offizielle Begründung lautete damals, der Account habe gegen Richtlinien verstoßen – ein Standardargument, das in diesem Zusammenhang einen bitteren Beigeschmack erhält.

Meta dementiert – aber das Misstrauen wächst

Ein Sprecher von Meta, Ryan Daniels, wies die Vorwürfe als „realitätsfern und voller falscher Behauptungen“ zurück. Mark Zuckerberg selbst habe zwar öffentlich sein Interesse an China bekundet, doch Meta betreibe dort „derzeit keine Dienste“, so Daniels.

Eine Aussage, die Fragen aufwirft. Denn wie die BBC berichtet, generiert Meta trotz offizieller Blockade relevante Werbeeinnahmen von chinesischen Unternehmen. Und nicht zuletzt gilt die Meta-Datenstruktur als global vernetzt – ein Zugriff auf Informationen in anderen Regionen ist technisch jederzeit möglich.

„Zuckerberg und die KPCh eint der Wunsch nach Kontrolle“

In ihren Aussagen geht Wynn-Williams noch weiter: Die Politikabteilungen von Meta hätten systematisch Instrumente zur Meinungsunterdrückung entwickelt, die sich eng an den Wünschen und Vorgaben Pekings orientierten. Dabei sei es keineswegs nur um China-spezifische Inhalte gegangen – vielmehr um den Aufbau eines Mechanismus, mit dem globale Zensur möglich wird.

„Eines haben die Kommunistische Partei Chinas und Mark Zuckerberg gemeinsam: Sie wollen ihre Kritiker zum Schweigen bringen. Das kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung sagen“, so die ehemalige Top-Managerin.

Die Aussagen sind brisant – nicht zuletzt, da sie nicht von einer Außenstehenden stammen, sondern von einer Führungskraft, die zwischen 2011 und 2018 tief in die strategische Ausrichtung des Konzerns eingebunden war. In ihrem kürzlich veröffentlichten Buch Careless People beschreibt Wynn-Williams ein internes Klima, das geprägt war von Intransparenz, Opportunismus und geopolitischer Naivität – ein Vorwurf, der auch andere Silicon-Valley-Konzerne wie Apple oder Microsoft betrifft.

Nationale Sicherheit erneut gefährdet?

In Washington wächst der Druck auf Meta. Mehrere Abgeordnete forderten in ersten Reaktionen eine parlamentarische Untersuchung, um den Umfang der mutmaßlichen Datenweitergabe und mögliche Verstöße gegen nationale Sicherheitsgesetze zu prüfen.

„Wenn sich herausstellt, dass ein US-Konzern aktiv mit einer autoritären Regierung kooperiert hat – zum Schaden amerikanischer Bürger –, dann ist das nicht nur ein Skandal. Es ist ein sicherheitspolitischer Ernstfall“, sagte der republikanische Senator Josh Hawley am Rande der Anhörung.

Der digitale Ausverkauf?

Die Enthüllungen fügen sich in ein besorgniserregendes Gesamtbild: Immer mehr westliche Tech-Giganten suchen den Schulterschluss mit autoritären Systemen, um ihre wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen. Im Gegenzug nehmen sie – bewusst oder stillschweigend – die Preisgabe sensibler Daten, Einschränkungen der Meinungsfreiheit und eine Aushöhlung demokratischer Grundwerte in Kauf.

Meta steht nicht zum ersten Mal am Pranger. Doch die neuen Vorwürfe könnten weitreichende Folgen haben. Sie stellen nicht nur die Glaubwürdigkeit des Konzerns infrage – sondern auch die Frage, wem die digitale Infrastruktur der freien Welt eigentlich noch gehört.

Wenn die Aussagen von Sarah Wynn-Williams zutreffen, steht Meta nicht nur wirtschaftlich, sondern auch moralisch am Abgrund. Es ist ein Lehrstück darüber, wie Konzerne, getrieben von Profitgier, bereit sind, die Grundlagen westlicher Gesellschaften zu verraten – für ein paar Milliarden Dollar und einen Platz im chinesischen Markt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Verbessern Sie die Lieferketten-Transparenz

Identifizieren, scannen und übermitteln von eindeutigen Komponentendaten

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Was der Krieg für Verbraucher und Wirtschaft bedeutet
03.03.2026

Tanken und Heizen verteuern sich, Aktien geben nach, und der Ölpreis könnte die Konjunktur bremsen. Doch es gibt auch hoffnungsvolle...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Man sieht sich immer zweimal im Leben: Souveräner Umgang mit Kündigungen 
03.03.2026

Ob Unzufriedenheit mit dem Chef, eine neue Jobchance oder persönliche Veränderungen: Die Gründe für eine Kündigung des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Jobrad-Stellenabbau fällt moderater aus: 107 Jobs fallen bis Jahresende weg – was heißt das für Wettbewerber
03.03.2026

Weniger Kündigungen als befürchtet, ein neuer CEO ab 1. Februar und ein Strategiewechsel im Sponsoring: Der Jobrad-Stellenabbau fällt...

DWN
Panorama
Panorama Spritpreise steigen weiter: Diesel überholt E10
03.03.2026

Der Krieg im Nahen Osten treibt Rohölpreise und damit auch Kosten für Tanken und Heizen in die Höhe. Am Dienstag setzte sich der Anstieg...

DWN
Finanzen
Finanzen Allianz-Aktie: Rekordergebnis reicht Anlegern nicht – Allianz-Aktienkurs steht vor kritischen Marken
03.03.2026

Die Allianz-Aktie rutscht am Dienstag deutlich ins Minus – trotz starker Zahlen und eines neuen Allianz-Rekordergebnisses. Was bedeutet...

DWN
Politik
Politik Ressourcenimperialismus im 21. Jahrhundert: USA gegen Europa
03.03.2026

Der Wettlauf um seltene Erden, Öl und digitale Vorherrschaft bestimmt längst globale Machtspiele. Wer strategische Ressourcen...

DWN
Finanzen
Finanzen Schaeffler-Aktie: Kursrückgang nach Robotik-Hype belastet Anleger
03.03.2026

Die Schaeffler-Aktie verliert nach Rekordgewinnen kräftig an Wert. Vor allem das traditionelle Antriebsgeschäft bremst das Wachstum.

DWN
Finanzen
Finanzen Beiersdorf-Aktie: Trüber Ausblick drückt Kurs massiv
03.03.2026

Die Beiersdorf-Aktie verliert deutlich, weil das Wachstum ausbleibt. Analysten und Anleger reagieren auf den konservativen Ausblick nervös.