Wirtschaft

USA: Höchste Zahl an Firmeninsolvenzen seit der Finanzkrise

Zinsdruck, Konsumflaute, Strukturprobleme: Immer mehr US-Unternehmen gehen pleite – ein wirtschaftlicher Selbstreinigungsprozess mit Risiken für die Realwirtschaft.
22.04.2025 10:54
Aktualisiert: 22.04.2025 11:00
Lesezeit: 2 min
USA: Höchste Zahl an Firmeninsolvenzen seit der Finanzkrise
Immer mehr Unternehmen in den USA müssen aufgeben – der wirtschaftliche Druck steigt. (Foto: viarami/pixabay.com)

Die wirtschaftliche Stabilität der Vereinigten Staaten gerät zunehmend ins Wanken. Wie das Analysehaus S&P Global Market Intelligence bekanntgab, verzeichneten die USA im ersten Quartal 2025 die höchste Zahl an Firmeninsolvenzen seit dem Jahr 2010. Insgesamt meldeten 188 große Unternehmen Konkurs an – ein Anstieg von 49 Fällen im Vergleich zum Vorjahr.

Schuldenlast erdrückt Unternehmen – Zinsen zeigen Wirkung

Die Zahlen erinnern an die dunklen Tage der globalen Finanzkrise – und sie werfen ein grelles Licht auf die fragile Lage der amerikanischen Unternehmenslandschaft, die unter steigenden Zinsen, sinkender Konsumbereitschaft und strukturellen Schwächen leidet.

S&P Global betont in seiner Analyse, dass insbesondere Unternehmen mit hoher Verschuldung und schwachen Bilanzen zunehmend unter Druck geraten. Die jahrelange Nullzinspolitik der US-Notenbank hatte viele Firmen in eine Kreditabhängigkeit gedrängt, die nun – bei deutlich höheren Refinanzierungskosten – zur existenziellen Falle wird.

„Viele dieser Unternehmen wurden durch billiges Geld künstlich am Leben gehalten. Jetzt sehen wir die ersten echten Auswirkungen der Zinswende“, so ein Analyst von S&P Global gegenüber Fox Business.

Besonders betroffen ist der Industriesektor, in dem allein 32 Unternehmen Insolvenz anmeldeten. Auch der Konsumgütersektor steht massiv unter Druck – hier kam es zu 24 Insolvenzen im ersten Quartal.

Prominente Namen unter den Pleitefirmen

Unter den bekanntesten Insolvenzmeldungen befinden sich der Elektrofahrzeughersteller Nikola, der trotz staatlicher Förderung und hoher Erwartungen den wirtschaftlichen Anforderungen nicht standhielt, sowie die traditionsreiche Ladenkette Joann Fabrics, die sich auf Stoffe, Garne und Handarbeitszubehör spezialisiert hatte.

Beide Beispiele verdeutlichen die Breite und Tiefe der Krise: Sowohl hochinnovative Branchen als auch klassische Konsummärkte kämpfen mit sinkender Nachfrage, gestiegenen Betriebskosten und einer Investitionszurückhaltung auf breiter Front.

Jahresbilanz 2024 bereits düster – 2025 droht noch schlimmer zu werden

Schon im Gesamtjahr 2024 meldeten 694 Unternehmen in den USA Insolvenz an – das ist die höchste Zahl seit 2010 und ein Anstieg um mehr als neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Dynamik hat sich im ersten Quartal 2025 beschleunigt – und es gibt bislang keine Hinweise auf eine Trendwende.

Wirtschaftsanalysten sehen in der aktuellen Entwicklung nicht nur ein Zeichen kurzfristiger Anpassung, sondern eine systemische Bereinigung, bei der Geschäftsmodelle ohne Substanz zunehmend vom Markt verschwinden.

Doch auch gesunde Unternehmen geraten immer stärker unter Druck, wenn Konsumenten sparen, Lieferketten stocken und Finanzierungskosten explodieren.

Inflationsbekämpfung um jeden Preis?

Die aktuellen Entwicklungen werfen erneut die Frage auf, ob die US-Notenbank zu lange gezögert hat, die expansive Geldpolitik der letzten Jahre zurückzufahren – und nun durch radikale Zinserhöhungen einen erzwungenen Kahlschlag in der Wirtschaft provoziert.

Die geopolitische Unsicherheit, die Abkühlung des Weltmarkts und die zunehmenden Spannungen mit China tun ihr Übriges: Für viele US-Unternehmen ist 2025 bereits jetzt ein Jahr der Konsolidierung – oder des endgültigen Zusammenbruchs.

Fazit: Die USA erleben einen dramatischen Anstieg der Firmeninsolvenzen – stärker als in jedem ersten Quartal seit dem Tiefpunkt der Finanzkrise. Die Politik der letzten Jahre rächt sich, die Schuldenlast wird für viele Unternehmen zur tödlichen Falle. Der vielbeschworene „weiche Landeanflug“ der US-Wirtschaft scheint sich als Illusion zu entpuppen. Die Krise ist zurück – und sie beginnt in der Realwirtschaft.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Lehren aus der Ukraine: Wie Staaten ihre Bürger schützen können
16.03.2026

Der Krieg in der Ukraine zeigt, dass moderne Konflikte nicht nur an der Front entschieden werden. Infrastruktur, Wirtschaft und Zivilschutz...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Macht der Gewerkschaften: Verdi ruft erneut zu ÖPNV-Warnstreiks in mehreren Bundesländern auf
16.03.2026

Der nächste Warnstreik im Nahverkehr: In mindestens sechs Bundesländern sollen am Donnerstag die Fahrzeuge in den Depots bleiben....

DWN
Finanzen
Finanzen Banken-Poker spitzt sich zu: UniCredit legt Übernahmeangebot vor - Commerzbank-Aktie haussiert
16.03.2026

UniCredit will die Commerzbank kaufen. Jetzt hat die italienische Großbank ein offizielles Übernahmeangebot für den Konzern vorgelegt....

DWN
Panorama
Panorama Stillstand in Berlin: Wenn der Hauptbahnhof zur 150-Stufen-Falle wird
16.03.2026

Pleite, planlos, kaputt: In Berlin scheitert der Alltag bereits an der Rolltreppe. Während Reisende am Hauptbahnhof unfreiwillige...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Verkaufsspekulationen um Leica: Kamerahersteller Leica bekommt neuen Chef
16.03.2026

2005 schrammte der Kamerahersteller Leica knapp an der Insolvenz vorbei. Mit einer Finanzspritze und geordneter Restrukturierung überlebte...

DWN
Finanzen
Finanzen Analyse: 11 Aktien, mit denen sich ein Portfolio gegen Nahost-Spannungen absichern lässt
16.03.2026

Der Krieg im Iran hat die Finanzmärkte stark verunsichert. Eine Analyse von MarketWatch zeigt, welche Aktien in geopolitischen Krisen...

DWN
Politik
Politik Nach Koalitionsbruch von SPD und BSW: Rot-schwarze Koalition in Brandenburg steht
16.03.2026

SPD und CDU können in Brandenburg loslegen – mit Ministerpräsident Dietmar Woidke an der Spitze. Der Sozialdemokrat, der seit 2013...

DWN
Politik
Politik Gegen Abzocke: Regierung bringt Spritpreis-Paket auf Weg - was geplant ist
16.03.2026

Die Spritpreise sind infolge des Iran-Kriegs gestiegen - zu stark? Politiker warfen Mineralölkonzernen "Abzocke" vor. Wie die...