Wirtschaft

Konjunkturprognose unter Druck: Wie der Zollstreit Deutschlands Exporte trifft

Zölle, Exporteinbrüche und schwache Industrieproduktion setzen Deutschlands Wirtschaft zu. Die aktuelle Konjunkturprognose gibt wenig Anlass zur Hoffnung – doch gibt es erste Anzeichen für eine Wende?
06.06.2025 14:35
Lesezeit: 2 min
Konjunkturprognose unter Druck: Wie der Zollstreit Deutschlands Exporte trifft
Ein Schlepper und ein Schiff unter einer Planenabdeckung liegen im Hamburger Hafen. Der Zollstreit belastet die Konjunkturerwartungen in Deutschland (Foto: dpa). Foto: Christian Charisius

Zollkonflikt schwächt Konjunkturprognose für Deutschland

Schwächelnde Ausfuhren und eine rückläufige Industrieproduktion: Der anhaltende Zollstreit mit den Vereinigten Staaten hat den erhofften Aufschwung in Deutschland zum Beginn des zweiten Quartals erheblich gebremst. Die Konjunkturprognose bleibt eingetrübt – auch die Bundesbank senkte ihre Erwartungen und rechnet für die größte Volkswirtschaft Europas 2025 mit dem dritten Jahr in Folge ohne Wachstum. Einige Ökonomen erkennen dennoch erste Signale für eine mögliche Erholung.

Im April mussten deutsche Exporteure vor allem im Handel mit dem wichtigsten Partner USA starke Einbußen hinnehmen. Laut vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes gingen trotz der Ankündigung neuer Zölle durch US-Präsident Donald Trump auch in diesem Monat die meisten Ausfuhren in die Vereinigten Staaten. Mit 13 Milliarden Euro wurde allerdings der niedrigste Wert seit Oktober erreicht. Im Vergleich zum April 2024 sank der Wert kalender- und saisonbereinigt um 6,3 Prozent.

Wirtschaft fordert Lösung im Zollstreit

"Nun spüren wir konkret die Folgen der US-Handelspolitik. Die Exporte in die USA brechen weg", erklärte Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). "Die EU muss jetzt in einen ernsthaften Dialog mit unserem wichtigsten Handelspartner treten. Ohne die USA geht es nicht."

Kurz zuvor hatte Washington die Lage erneut verschärft: Trump ordnete eine Verdopplung der Zölle auf Stahl und Aluminium auf 50 Prozent an – ein Rückschlag für die Konjunkturprognose Deutschlands.

Exportzahlen sinken spürbar

Im April exportierten deutsche Firmen Waren im Gesamtwert von 131,1 Milliarden Euro ins Ausland – 1,7 Prozent weniger als im März und 2,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Einfuhren erreichten 116,5 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 3,9 Prozent zum Vormonat und 3,8 Prozent gegenüber April 2024 entspricht.

Noch im ersten Quartal hatte der Export zugelegt: Unternehmen hatten ihre Lieferungen vorgezogen, um drohenden US-Zöllen zuvorzukommen. Für den Zeitraum Januar bis April ergibt sich so laut den Wiesbadener Statistikern ein kleines Exportplus von 0,2 Prozent.

Industrieproduktion leidet unter US-Zöllen

Auch die Industrieproduktion in Deutschland schrumpfte im April – um 1,4 Prozent im Vergleich zum März. Der Anstieg im März hatte sich zudem als weniger dynamisch herausgestellt als zunächst gedacht: 2,3 Prozent statt der vorherigen Schätzung. Trotz der Rückgänge sieht Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung, keine dramatische Entwicklung: "Insgesamt signalisieren die Daten, dass sich die Industrie allmählich stabilisiert. Möglicherweise stehen wir kurz vor einem Wendepunkt."

Analyst Ralph Solveen von der Commerzbank erkennt ebenfalls Hoffnungsschimmer für die Konjunkturprognose: Höhere Auftragseingänge und ein verbessertes Ifo-Geschäftsklima sprechen seiner Meinung nach dafür, dass die deutsche Wirtschaft in den nächsten Quartalen wieder wachsen dürfte – auch wenn ein starker Aufschwung in Deutschland durch strukturelle Probleme und US-Zölle gedämpft wird.

Bundesbank revidiert Konjunkturausblick

Das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal fiel mit 0,4 Prozent zum Vorquartal doppelt so stark aus wie zunächst angenommen. Die positive Entwicklung war jedoch nur von kurzer Dauer: Die Bundesbank geht davon aus, dass der Aufschwung in Deutschland 2025 ausbleiben wird.

"Die neuen US-Zölle und die ungewisse Ausrichtung der amerikanischen Handelspolitik belasten die wirtschaftliche Entwicklung", sagte Bundesbankpräsident Joachim Nagel. "Dies geschieht in einer Phase, in der sich die Industrie gerade zu stabilisieren begann."

Deutsche Exporteure unter Druck

Gerade die exportorientierte Wirtschaft in Deutschland steht vor herausfordernden Zeiten: Die Bundesbank erwartet aufgrund der Handelspolitik der USA einen Rückgang der Ausfuhren für das laufende Jahr und rechnet auch 2026 kaum mit einer Besserung. Zudem wertete der Euro gegenüber dem Dollar deutlich auf – eine Folge der sprunghaften US-Politik. Dies verschlechtert die Wettbewerbsposition deutscher Unternehmen auf dem Weltmarkt, was die Konjunkturprognose zusätzlich belastet. Produkte aus dem Euroraum verteuern sich in Dollar, während der Wettbewerb aus China wächst.

Volker Treier vom DIHK bestätigt: "Deutsche Unternehmen im Ausland haben in fast allen Regionen der Welt mit verschlechterten Bedingungen und wachsender Unsicherheit zu kämpfen."

Investitionen als Hoffnungsträger

Eine spürbare wirtschaftliche Erholung wird laut Bundesbank erst in den kommenden Jahren eintreten, wenn staatliche Milliardenpakete in Infrastruktur und Verteidigung greifen. Für 2026 rechnet man mit einem realen BIP-Wachstum von 0,7 Prozent, 2027 mit 1,2 Prozent. Größtes Risiko für jede Konjunkturprognose bleibt weiterhin der unvorhersehbare Kurs von US-Präsident Trump.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie KI-Arbeitsmarkt: Kanada überholt Deutschland im KI-Ranking
06.05.2026

Deutschland bleibt Europas KI-Spitzenreiter, doch Kanada überholt und der Frauenanteil im deutschen KI-Sektor fällt auf Rekordtief. Was...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nord Stream 1: Lubminer Gaskraftwerk wird an die Ukraine verschenkt
06.05.2026

Das funktionsfähige und stillgelegte Gaskraftwerk in Lubmin, soll an die Ukraine verschenkt werden. Das sorgt für Unmut, denn die Anlage...

DWN
Politik
Politik Programmänderung ZDF: kurzfristige Sondersendung mit Kanzler Merz
06.05.2026

Im ZDF kommt es am Mittwoch (6. Mai) zu einer Programmverschiebung. Grund dafür ist eine Sondersendung mit Bundeskanzler Friedrich Merz.

DWN
Politik
Politik Kerosin-Mangel im Sommer? Israel liefert Deutschland Kerosin
06.05.2026

Die Lieferung aus Nahost geschieht nach israelischen Angaben auf Bitte des deutschen Energieministeriums. Der deutsche Verkehrsminister...

DWN
Finanzen
Finanzen BMW-Aktie trotzt Gewinneinbruch: Sollten Anleger jetzt die BMW-Aktie kaufen?
06.05.2026

Rückläufige Umsätze, ein Gewinneinbruch und Probleme in China: Die BMW-Zahlen liefern eigentlich wenig Grund zur Euphorie. Dennoch zieht...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Daimler Truck-Aktie: Gewinn um 80 Prozent eingebrochen
06.05.2026

Daimler Truck hat im ersten Quartal vor allem wegen einer schwachen Profitabilität des Geschäfts in Nordamerika deutlich weniger...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Infineon-Aktie: Chipkonzern Infineon hebt wegen KI-Boom Prognose an
06.05.2026

Infineon blickt optimistischer auf das laufende Geschäftsjahr 2025/26. Trotz der Belastungen durch den starken Euro rechnet der...

DWN
Finanzen
Finanzen Novo Nordisk-Aktie: Erfolg der Wegovy-Abnehmpille – und überraschend gute Zahlen
06.05.2026

Mit der neuen Wegovy-Abnehmpille gelingt Novo Nordisk ein beeindruckender Marktstart in den USA. Die Novo Nordisk-Aktie reagiert deutlich...