Wirtschaft

Chinas verlorene Generation: Millionen Absolventen – kein Ausweg in Sicht

Chinas Elite drängt auf den Arbeitsmarkt – und trifft auf geschlossene Türen. Millionen junge Akademiker rutschen ab. Droht dem Land eine soziale Zeitbombe?
11.06.2025 18:18
Lesezeit: 2 min

Trübe Aussichten trotz Qualifikation

In diesem Sommer wird in China eine Rekordzahl junger Menschen die Universität abschließen – doch viele von ihnen stehen vor einer ernüchternden Realität: einem Arbeitsmarkt mit verschlossenen Türen. Handelskonflikte mit den USA und schrumpfende Margen zwingen viele Großkonzerne dazu, Neueinstellungen massiv zurückzufahren. Das berichtet Dagens Industri.

Zahlreiche aktuelle Wirtschaftsindikatoren zeichnen ein zunehmend unsicheres Bild der chinesischen Konjunktur – von stark rückläufigen US-Exporten bis hin zur stagnierenden Industrieproduktion. Doch keine Zahl sorgt in chinesischen Haushalten für mehr Unruhe als jene, die die Zukunft der eigenen Kinder betrifft.

„Die Lage ist wirklich schlecht. Ich habe mich auf Stellenanzeigen gemeldet, meinen Lebenslauf an mehrere Firmen geschickt, sogar unbezahlte Praktika angeboten – nichts“, berichtet ein junger Mann Anfang 20 namens Liang, frisch diplomiert im Fach Marketing.

Heute verkauft er gefälschte Uhren und Handtaschen in einem Einkaufszentrum in Shenzhen, nahe der Grenze zu Hongkong.

„So habe ich mir meine Zukunft nach dem Studium nicht vorgestellt“, sagt er mit einem resignierten Lächeln.

12 Millionen Absolventen – und kaum Perspektiven

Liang ist kein Einzelfall. In diesem Sommer werden voraussichtlich 12,2 Millionen Universitätsstudenten in China ihren Abschluss machen – und in einen historisch schwierigen Arbeitsmarkt eintreten.

„Gut bezahlte Stellen – mit wenigen Ausnahmen in Bereichen wie Software und vereinzelten Hochtechnologiebranchen – sind derzeit kaum verfügbar“, so Wang Dan, China-Chefin der Eurasia Group, gegenüber der South China Morning Post.

Die offizielle Jugendarbeitslosenquote (16 bis 24 Jahre) lag im April laut Chinas Statistikbehörde bei 15,8 Prozent. Viele Beobachter gehen jedoch von einer deutlich höheren tatsächlichen Quote aus – große Bevölkerungsgruppen wurden aus der Erhebung ausgeklammert.

Konzerne kürzen massiv – Staatliche Betriebe folgen

Zahlreiche Unternehmen haben bereits angekündigt, während der diesjährigen sogenannten Frühjahrsrekrutierung weniger Personal einzustellen als im Vorjahr. Die Agricultural Bank of China plant, nur noch 4.530 neue Mitarbeiter an Bord zu holen – im Vorjahr waren es noch 14.557. Die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) will 47 Prozent weniger einstellen, die China Construction Bank sogar 35 Prozent weniger als im Vorjahr.

Auch der öffentliche Sektor sowie mehrere staatlich kontrollierte Großunternehmen bauen ihre Belegschaften ab.

Schlechtere Löhne, wachsende Unzufriedenheit

Selbst die Hochschulabsolventen, die es schaffen, eine Anstellung zu ergattern, müssen sich mit niedrigeren Gehältern und schlechteren Arbeitsbedingungen zufriedengeben – ein Trend, der ihre Lebensqualität wie auch ihre Konsumkraft spürbar schmälert.

„Das wird zwangsläufig zu wachsender Angst und Depression unter jungen Menschen führen, Familienkonflikte verschärfen und das Risiko sozialer Unruhen deutlich erhöhen“, warnt Chen Li, Forscher beim in Peking ansässigen Thinktank Anbound, im Gespräch mit der SCMP.

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