Politik

Kriegswaffe Hunger? Israel greift erneut Menge bei Gaza-Hilfszentrum an

Das israelische Militär hat erneut wartende Menschen in der Nähe eines Verteilzentrums für humanitäre Hilfsgüter im Gazastreifen angegriffen und getötet. Die Behörden sprechen von mehr als 50 Toten und rund 200 Verletzten im Süden des Gazastreifens.
17.06.2025 16:59
Aktualisiert: 17.06.2025 16:59
Lesezeit: 2 min
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Kriegswaffe Hunger? Israel greift erneut Menge bei Gaza-Hilfszentrum an
Palästinenser, die bei einem israelischen Angriff in der Nähe eines Zentrums für die Verteilung humanitärer Hilfe verwundet wurden, werden in das Nasser-Krankenhaus im südlichen Gazastreifen eingeliefert (Foto: dpa). Foto: Abed Rahim Khatib

Augenzeugen berichteten, Menschen seien teils zu Fuß, teils mit Fahrzeugen auf dem Weg zu einer Ausgabestelle gewesen, als die israelische Armee sie am Morgen in einem Gebiet zwischen den Städten Rafah und Chan Junis mit Artillerie beschossen habe.

Immer wieder Berichte über Tote und Verletzte bei Verteilzentren

Ein in der Stadt Gaza arbeitender Arzt der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nannte unbestätigte Berichte, wonach es mindestens 50 Opfer gab, darunter mehr als 20 Tote. Auch am Sonntag und Montag gab es nach WHO-Angaben Dutzende Patienten, die mit Schusswunden in Krankenhäusern ankamen. Viele hätten nicht überlebt. Die Überlebenden berichteten demnach, dass sie in der Nähe der Verteilzentren angegriffen worden seien.

Es gab mehrfach Berichte darüber, dass israelische Soldaten in der Nähe der Verteilzentren Schüsse abgegeben haben und Menschen ums Leben gekommen sind. Laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa sollen seit der Einführung des neuen Hilfsverteilungsmechanismus mehr als 300 Palästinenser bei dem Versuch, humanitäre Hilfe zu erhalten, ums Leben gekommen sein.

Stiftung GHF ist umstritten

Die Zentren werden durch die von Israel und den USA unterstützten Stiftung Gaza Humanitarian Foundation (GHF) betrieben. Sie hatte ihre Arbeit im Mai nach einer fast dreimonatigen israelischen Blockade von Hilfslieferungen begonnen. Die Verteilung soll eine Alternative zum Einsatz der UN und internationaler Hilfsorganisationen sein.

Nachdem Israel und die USA die Schließung der UN-Hilfsorganisation UNRWA veranlasst haben, ist die humanitäre Versorgung im Gazastreifen zunächst zusammengebrochen. Lange hat Israel die Einfuhr von humanitärer Hilfe blockiert, sodass Vorwürfe über „Hunger als Mittel des Krieges“ erhoben worden sind.

Die GHF soll nach Angaben von Israel und den USA verhindern, dass sich die Terrororganisation Hamas humanitäre Hilfsgüter aneignet. Die Vereinten Nationen haben allerdings keine Hinweise, dass solche Diebstähle in großem Stil stattgefunden haben.

Die Stiftung ist umstritten. Sie verletzt nach UN-Angaben die humanitären Prinzipien der Neutralität, Unabhängigkeit und Unparteilichkeit. Die Vereinten Nationen kritisieren den Hilfsmechanismus, auch weil die Verteilung in Zentren die Menschen gefährde, die auf dem Hin- und Rückweg teils kilometerweit durch Kriegsgebiet laufen müssten.

Gesundheitssektor in Gaza vor dem Kollaps

Nach Angaben der WHO stehen die 17 der 36 Krankenhäuser im Gazastreifen, die noch minimale Dienste anbieten, vor dem Kollaps. Vor allem fehle Treibstoff, wie WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf X schrieb. Israel blockiert die Einfuhr von Treibstoff und erlaubt es der WHO nach Angaben von Tedros auch nicht, letzte Reserven aus Lagern in Bereichen des Gazastreifens zu holen, die Israel als Evakuierungszone deklariert hat. Das umfasst nach UN-Angaben 80 Prozent des Territoriums.

Ohne Treibstoff könnten Operationssäle, Dialysemaschinen und Brutkästen nicht betrieben, Medikamente nicht gekühlt und Wasser nicht abgekocht werden. "Feuerpause. JETZT", schrieb Tedros.

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