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Datengold statt Excel-Chaos: Wie Unternehmen Gewinne steigern

Datengestützte Entscheidungen schlagen Bauchgefühl: Wie Unternehmen mit Analytik Prozesse optimieren, Kosten senken und Mitarbeitende gezielt einsetzen. Eine bessere Effizienz heißt nicht immer, Leute zu entlassen.
07.08.2025 12:37
Lesezeit: 3 min
Datengold statt Excel-Chaos: Wie Unternehmen Gewinne steigern
Effizienz kann Gewinne in Unternehmen massiv steigern, weil Mitarbeiter sich auf die wirklich wichtigen Aufgaben konzentrieren können. (Foto: dpa) Foto: Wolf von Dewitz

Daten können helfen Gewinne zu steigern

Zahlreiche Unternehmen haben mit Datenanalysen den Weg von der Problemidentifikation zur Lösung deutlich verkürzt – dabei die Präzision erhöht, Kosten gesenkt und die Arbeit mit Menschen sowie Ressourcen optimiert. „Der geschäftliche Wert von Daten ist am höchsten, wenn ein Unternehmen so schnell wie möglich ein Ereignis erkennt, die Daten erfasst, analysiert und darauf basierend handelt“, betont Jure Erjavec, Professor an der Wirtschaftsfakultät der Universität Ljubljana. Auf einem Webinar des Verbands für Informatik und Telekommunikation erläuterte er, wie Unternehmen mit Datenanalysen schneller reagieren und wettbewerbsfähiger werden.

Kern moderner Analytik ist es, die Zeitspanne zwischen einem geschäftlichen Ereignis und der Reaktion darauf zu verkürzen. Die Hauptvorteile für Unternehmen sind Geschwindigkeit, präzisere Informationen sowie ein direkter Einfluss auf operative und strategische Entscheidungen. Insbesondere in dynamischen Produktionsumgebungen, in denen Entscheidungen oft unter Zeitdruck getroffen werden, setzen erfolgreiche Unternehmen auf vier Haupttypen der Datenanalyse:

  • Beschreibende Analytik, die Einblick in vergangene Ereignisse und Ergebnisse gibt
  • Diagnostische Analytik, die Ursachen für Abweichungen oder Fehler aufdeckt
  • Prädiktive Analytik, die zukünftige Trends und Nachfragen prognostiziert
  • Präskriptive Analytik, die konkrete Handlungsempfehlungen zur Prozessverbesserung liefert

Jede höhere Stufe erfordert ein höheres Datenreife-Level sowie qualitativ hochwertige Daten, bringt aber auch deutlich mehr geschäftlichen Mehrwert.

Laut Erjavec bestehen die wesentlichen Schritte für den erfolgreichen Einsatz von Datenanalytik aus klar definierten, messbaren Zielen, die mit der Unternehmensstrategie verbunden sind. Ebenso entscheidend: verlässliche Datenquellen und deren qualitativ hochwertige Aufbereitung, inklusive Bereinigung, Integration und Transformation. Es folgt die Wahl der passenden Plattform und die Entwicklung von Modellen, die Analytik nicht nur als Tool, sondern als festen Bestandteil alltäglicher Entscheidungen verankern.

Unternehmen, die dies erfolgreich umsetzen, erkennen Abweichungen frühzeitig, finden Ursachen und führen Korrekturmaßnahmen ein, bevor Kunden, Kosten oder Lagerbestände negativ betroffen sind. Lieferzuverlässigkeit, Termintreue, Mengengenauigkeit und Dokumentationsqualität verbessern sich spürbar. Die größten Hürden liegen laut Erjavec oft am Anfang: Ziele sind schlecht definiert, Datenquellen unvollständig oder es fehlt Abteilungsübergreifend an einem Konsens über Erfolgskriterien.

Wenn Daten Excel ersetzen

Das Unternehmen Lenis, ein Anbieter verschreibungspflichtiger Medikamente, hat seinen Beschaffungsplanungsprozess grundlegend mit der PlanIn BI-Lösung des Unternehmens B2 BI modernisiert. Vor Einführung des Systems basierte alles auf manuell erstellten Excel-Tabellen. Der Verkaufsplan wurde einmal jährlich erstellt und musste dann monatlich manuell nach Ländern und Produkten angepasst werden – ein zeitaufwendiger, fehleranfälliger Prozess mit schwer überschaubaren Versionsständen. Durch die Einführung von Software auf Basis der Power BI-Plattform wechselte Lenis zu einem zentralen, dynamischen System. Alle Daten sind an einem Ort verfügbar, Änderungen in einer Abteilung sind sofort für alle sichtbar. Die Planungsprozesse wurden transparenter, die Abstimmung einfacher, die Reaktionsgeschwindigkeit auf Marktveränderungen nahm deutlich zu.

Daten für Menschen, nicht nur Maschinen

In manchen Unternehmen wird Datenanalytik auch zum zentralen Instrument im Personalmanagement. Mithilfe fortschrittlicher Analysen werden Maschinenzustand, Produktivität und Anwesenheit der Mitarbeitenden überwacht und mit individuellen Kompetenzen sowie Leistungsdaten verknüpft. Das ermöglicht bessere Übersicht, schnelle Bildung effizienter Teams, gezieltes Training und leistungsgerechte Vergütung. „Die wahre Stärke von Daten zeigt sich, wenn Unternehmen sie in sinnvolle Informationen umwandeln und für tägliche Entscheidungen nutzen“, sagt Domen Ocepek vom Unternehmen Kopa. Datenanalytik sei heute weit mehr als ein Reporting-Tool – sie unterstütze Entscheidungen in Echtzeit.

Beim Unternehmen Metronik sind Datenanalysen und digitale Zwillinge das Herzstück der Strategie zur Produktionsoptimierung. Digitale Zwillinge – virtuelle Abbilder realer Produktionsprozesse – ermöglichen das Testen von Szenarien, die Früherkennung von Störungen und die Optimierung des Maschinenbetriebs in Echtzeit – ohne Einfluss auf die reale Produktion. Ein Beispiel: Die KI erkannte einen Fehler beim Verschließen von Verpackungen eine Minute vor dem Eintreten. Der Bediener passte rechtzeitig Parameter an und verhinderte das Problem. In einem weiteren Fall optimierten Energiemanager mit dem MePIS Energy-Modul Abweichungen im Verbrauch. Im Labor zeigte das Projekt HVAC-FILAI sieben Prozent weniger Energieverbrauch, sanftere Anlagensteuerung und längere Lebensdauer der Geräte.

Auch die öffentliche Verwaltung hat Potenzial: Das Unternehmen Result demonstrierte, wie generative KI die Verwaltung transformiert. Mit großen Sprachmodellen werden aus unübersichtlichen Verträgen automatisch inhaltlich relevante Daten extrahiert. Das System erlaubt kontextbezogene Suche, strukturierte Darstellung von Leistungen, Werten und Auftraggebern sowie Übersicht über Vertragsbeziehungen. Früher verstreute Inhalte sind nun verfügbar, analysierbar und Entscheidungsgrundlage.

KI bestellt die Lagerbestände

Die Unternehmen Stroka produkt und Carglass zeigten mit einem gemeinsamen Projekt, wie KI manuelle Bestellprozesse ersetzt. Früher wurden alle 14 Tage umfangreiche Bestellungen für über 2.500 Artikel manuell erstellt – zeitaufwendig, subjektiv und oft ineffizient. Mit einem auf maschinellem Lernen basierenden Prognosesystem stieg die Bestellgenauigkeit um 15 Prozent gegenüber manueller Planung. Der Zeitaufwand sank massiv: Prozesse, die Tage dauerten, sind nun in wenigen Minuten erledigt. Die Abhängigkeit von Einzelpersonen nahm ab, die Lagerbestände passen sich realem Bedarf besser an. „Das Lager ist heute ein Effizienzwerkzeug, kein Kostenfaktor durch Fehlbestände mehr“, betont Datenwissenschaftler Mitja Suvajac von stroka.si.

Gewinne steigern erfordert Investment und auch Mut

Auch in Deutschland kämpfen Unternehmen mit ineffizienten Planungsprozessen, abteilungsübergreifenden Datensilos und Fachkräftemangel. Der beschriebene Ansatz zeigt: Datenanalytik, digitale Zwillinge und KI machen Unternehmen nicht nur effizienter, sondern robuster gegenüber Marktschwankungen. Gerade für den deutschen Mittelstand eröffnet die konsequente Nutzung solcher Technologien Potenziale für Wettbewerbsfähigkeit, Ressourcenschonung und Mitarbeiterbindung.

Ob Produktion, Personal oder Verwaltung – wer Daten richtig nutzt, spart Zeit, Geld und Nerven. Künstliche Intelligenz, vernetzte Systeme und Analysen in Echtzeit ersetzen Bauchgefühl durch präzise Entscheidungen. Unternehmen, die das ignorieren, riskieren den Anschluss zu verlieren.

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