Finanzen

Kupferpreis explodiert: Was Trumps Zollfantasien auslösen

Eine 50-Prozent-Zollandrohung von Trump lässt den Kupferpreis durch die Decke schießen – und sorgt für ein historisches Börsenchaos. Wer jetzt profitiert, lesen Sie hier.
11.07.2025 06:03
Lesezeit: 3 min
Kupferpreis explodiert: Was Trumps Zollfantasien auslösen
Laut Ole Sloth Hansen, Rohstoffanalyst bei der Saxo Bank, verursacht Trump mit seinen Zöllendrohungen massive Turbulenzen um den Kupferpreis. (Foto: dpa) Foto: Marcus Brandt

Kupferpreis explodiert: Was Trumps Zollfantasien auslösen

Donald Trump droht, einen Zoll von 50 Prozent auf sämtliches Kupfer zu erheben, das in die USA eingeführt werden soll. Das bringt die maßgeblichen Rohstoffbörsen in London und New York aus dem Gleichgewicht. „Trump zerschlägt den Markt“, sagt Ole Sloth Hansen, Rohstoffanalyst bei der Saxo Bank. „Kupfer ist einer der wichtigsten Rohstoffe der Welt – und derzeit können weder Investoren noch Unternehmen eine verlässliche Kalkulation anstellen.“ Kupfer ist nach Eisen und Aluminium das weltweit dritthäufigste Industriemetall und essenziell für eine Vielzahl von Produkten aus den Bereichen Elektronik, Maschinenbau, Elektromobilität und künstliche Intelligenz.

Am Dienstagabend schossen die Preise für das wichtige rote Metall plötzlich um 10 bis 15 Prozent in die Höhe – ein Niveau, das Rekordwerte erreichte. Es waren die größten Tagesanstiege seit Jahrzehnten. Am Mittwochmorgen fielen die Preise in London jedoch um 1,5 Prozent, während sie in New York um 0,3 Prozent zulegten. Am aufsehenerregendsten ist laut Ole Sloth Hansen derzeit jedoch die Preisdivergenz: In New York liegt der Kupfer-Preis mehr als 30 Prozent über dem in London. „Historisch betrachtet bewegen sich beide Preise normalerweise auf etwa gleichem Niveau. Derzeit ist der Unterschied enorm – ein direkter Reflex auf Trumps Zollandrohungen, die bereits vor mehreren Monaten aufkamen.“

Bereits im Februar hatte Trump eine offizielle Untersuchung eingeleitet, um zu prüfen, ob die USA auf Grundlage eines Gesetzes zur nationalen Sicherheit Zölle auf Kupfer erheben können.

Laut Ole Sloth Hansen führte dies zu einer „massiven Verlagerung von Kupferlieferungen in die USA, bevor ein möglicher Zoll in Kraft tritt. In nur sechs Monaten haben die USA so viel Kupfer importiert wie sonst in einem ganzen Jahr“, so der Analyst.

Im vergangenen Jahr importierten die USA Kupfer im Wert von 17 Milliarden Dollar (rund 108 Milliarden Kronen), wie Zahlen des US-Handelsministeriums zeigen. Chile war mit einem Exportvolumen von 6 Milliarden Dollar (ca. 38 Milliarden Kronen) der größte ausländische Kupferlieferant der Vereinigten Staaten.

Teuer für US-Verbraucher: Vorteilhaft für Europa?

Trotz der historischen Preissprünge erwartet Ole Sloth Hansen keine weiteren drastischen Steigerungen. „Die Vorräte, die in den USA für ein Jahr angelegt wurden, müssen wieder abgebaut werden. Das dürfte die Preise dämpfen.“

Er betont, dass derzeit unklar sei, wann ein möglicher Kupferzoll tatsächlich in Kraft treten könnte. Zudem zweifelt er daran, dass Trump die angedrohten 50 Prozent wirklich durchsetzt:

„Was Trump sagt, ist das eine – was er tut, etwas anderes. Ich wäre sehr überrascht, wenn der Zoll tatsächlich bei 50 Prozent landet.“ Ein solch hoher Zoll käme laut Hansen „einer direkten Steuer auf amerikanische Verbraucher“ gleich: „Das würde Kupfer für sie erheblich verteuern. Die USA fördern selbst keine nennenswerten Mengen – und es dauert lange, neue Vorkommen zu erschließen.“

Für europäische Verbraucher werde sich der Preisanstieg laut Hansen nicht in gleichem Maße bemerkbar machen. Im Gegenteil: Europäische Unternehmen könnten sogar von einem Wettbewerbsvorteil profitieren.

Kupfer-Aktien im Aufwind und was Deutschland jetzt wissen muss

Ein US-Zoll auf Kupfer würde grundsätzlich auch höhere Einnahmen für amerikanische Kupferproduzenten bedeuten – und damit steigende Kurse für kupferbezogene Aktien, sagt Ole Sloth Hansen. „Kupferminen – vor allem in den USA – würden ganz klar davon profitieren.“ So legte die Aktie des großen amerikanischen Kupferproduzenten Freeport-McMoRan am Dienstag um 5 Prozent zu.

Wer als Privatinvestor direkt mit Kupfer an den Börsen in London oder New York handeln will, kann dies tun – allerdings handelt es sich um ein gehebeltes Produkt, das eine gewisse Erfahrung voraussetzt, warnt Hansen. „Alternativ lassen sich unkompliziert ETFs kaufen, die den Kupferpreis abbilden – etwa durch Beteiligungen an verschiedenen Unternehmen der Kupferbranche“, so der Analyst.

Für deutsche Industrieunternehmen, insbesondere in der Elektro- und Automobilbranche, sind Schwankungen beim Kupferpreis ein kritischer Faktor. Sollte der US-Markt durch hohe Zölle isoliert werden, könnten deutsche Exporteure profitieren – ebenso wie deutsche Anleger durch gezielte Investments in Kupfer-ETFs. Auch rohstoffintensive Mittelständler sollten die Entwicklung genau beobachten.

Die Kupferpreis-Turbulenzen infolge von Trumps Zollpolitik zeigen: Rohstoffmärkte sind hochgradig politisiert. Für Anleger wie Unternehmen in Deutschland ergeben sich daraus sowohl Risiken als auch Chancen – und Kupfer bleibt ein zentraler Indikator für geopolitisch motivierte Marktverwerfungen.

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