Finanzen

Trumps Rechnung für die Private-Equity-Branche: 79 Milliarden

Donald Trumps Zollkurs und globale Kriege setzen der Private-Equity-Branche massiv zu. Was hinter dem dramatischen Kapitalschwund steckt – und wer jetzt profitiert.
10.07.2025 15:03
Lesezeit: 1 min

Private Equity im freien Fall: Trumps Billionen-Schock

Donald Trumps Zollpolitik sowie die anhaltenden Kriege in Europa und dem Nahen Osten haben der Private-Equity-Branche massiv zugesetzt. Neue Zahlen zeigen, dass die Kapitalzuflüsse von Investoren in diesem Jahr um mehr als 79 Milliarden US-Dollar zurückgegangen sind.

In der ersten Jahreshälfte konnten Private-Equity-Fonds weltweit knapp 384 Milliarden US-Dollar einsammeln. Das entspricht einem Rückgang um 17 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie aus Daten des Branchenportals Private Equity International (PEI) hervorgeht. Prozentual bedeutet das ein Minus von 79 Milliarden Dollar. Ein derart schwaches Halbjahr gab es zuletzt im pandemiegeprägten Jahr 2020, als nur 307 Milliarden Dollar eingesammelt wurden.

Nordamerika dominiert, Europa mit leichtem Plus

Private-Equity-Fonds mit Fokus auf Nordamerika waren im ersten Halbjahr am aktivsten und zeichneten für 193 Milliarden Dollar der Kapitalzuflüsse verantwortlich – das entspricht etwa der Hälfte des gesamten Investitionsvolumens. Fonds mit Europa-Fokus verzeichneten ein wachsendes Interesse und sicherten sich 15 Prozent der Zuflüsse – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr, als der Anteil noch bei neun Prozent lag.

Laut PEI ist die protektionistische Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump einer der Hauptgründe für die abnehmende Investitionsbereitschaft. Die abrupte und unberechenbare Rhetorik des Präsidenten habe viele Investoren dazu veranlasst, ihre geografische Risikoverteilung neu zu bewerten – manche hätten geplante Investitionen ganz auf Eis gelegt.

Zusätzlich schürt der Krieg in der Ukraine sowie die Eskalation im Nahen Osten Angst und Unsicherheit an den Märkten – was die Kapitalströme weiter bremst.

Aussichten trüb und was Deutschland wissen muss

Die PEI-Daten zeigen zudem, dass es heute im Schnitt länger dauert, Fonds mit Investorenkapital zu füllen, als in früheren Jahren. Sollte sich der aktuelle Trend fortsetzen, wird die Branche im Gesamtjahr 2025 voraussichtlich rund 770 Milliarden Dollar einsammeln – deutlich unter den Erwartungen. „Die Daten verdeutlichen die anhaltenden Herausforderungen, denen sich die Private-Equity-Branche bei der Kapitalbeschaffung stellen muss – die erwarteten Erholungstendenzen für 2025 sind bislang ausgeblieben“, sagt James Sladden, Partner der internationalen Beratungsgesellschaft Campbell Lutyens.

Kapitalrückgang durch Zollpolitik und globale Krisen

Für deutsche institutionelle Anleger wie Pensionsfonds, Family Offices und Versicherungen ist die Unsicherheit in den USA ein zentraler Risikofaktor. Gleichzeitig eröffnet der Rückzug mancher Wettbewerber Chancen für gezielte Beteiligungen an europäischen Wachstumsunternehmen. Private Equity bleibt somit ein strategisches Thema – auch für Deutschland.

Die Kombination aus geopolitischer Instabilität und Trumps wirtschaftspolitischem Kurs hat die Private-Equity-Welt tief erschüttert. Für Investoren bietet sich ein schwieriges, aber auch chancenreiches Umfeld – vorausgesetzt, sie setzen auf Diversifikation und geografische Umsicht.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: AfD in Hochrechnungen knapp vor SPD
20.09.2026

Zwei Landtagswahlen, ein bitterer Abend für die CDU: In Mecklenburg-Vorpommern droht der historische Verlust des Parlamentseinzugs, in...

DWN
Finanzen
Finanzen Investmentchancen: Korea, Luxus, Wasser – wo jetzt Rendite lockt
20.09.2026

Die Börsen stehen nahe ihren Rekorden, doch einige Anleger suchen ihre Chancen ausgerechnet dort, wo es zuletzt besonders wehgetan hat....

DWN
Panorama
Panorama KI-Kunst: Kreative Revolution oder seelenlose Kopie?
20.09.2026

Zurzeit gibt es viel Kritik an KI-generierter Kunst. Die Argumente klingen vertraut: „seelenlos“, „bloße Reproduktion des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeiten im Alter: Was Senioren wirklich im Job hält
20.09.2026

Ältere Beschäftigte werden auf dem Arbeitsmarkt plötzlich dringend gebraucht. Doch wer Senioren länger im Job halten will, kommt mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arktis-Korridor: Wird Russlands Nordroute zur Gefahr für europäische Häfen?
20.09.2026

Der Chef von Rosatom sagt: Russland müsste etwa 100 Milliarden Euro investieren, wenn es die Arktisroute in einen echten Logistikkorridor...

DWN
Politik
Politik Merz unter Druck: Öffnet sich für Söder das Kanzleramt?
20.09.2026

Markus Söder hat Kanzlerambitionen mehrfach ausgeschlossen. Doch nach dem CDU-Debakel in Sachsen-Anhalt und wachsendem Druck auf Friedrich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preiskrieg in der Autoindustrie: Warum Rabatte die Zukunft gefährden
20.09.2026

Europas Autobauer liefern sich einen Preiskampf ausgerechnet in einer Phase, in der sie Milliarden für ihre technologische Zukunft...

DWN
Immobilien
Immobilien Schlafen überm Edeka: Wie das Baurecht Wohnen im Gewerbegebiet blockiert
20.09.2026

Obwohl bundesweit 1,4 Millionen Wohnungen fehlen und Millionen Quadratmeter Gewerbefläche leer stehen, verbietet die Baunutzungsverordnung...