Zölle als Show – warum Trumps Drohkulisse an Kraft verliert
Donald Trumps Vorschlag, 30-prozentige Zölle gegen die EU zu verhängen, hat politisch hohe Wellen geschlagen – an den Finanzmärkten hingegen bleiben die Reaktionen bislang verhalten, berichtet das Wirtschaftsportal Dagens Industri.
„Das ist typische Trump-Rhetorik, um sich eine bessere Verhandlungsposition zu verschaffen“, sagt Maria Landeborn, Seniorstrategin bei der Danske Bank. Nach Einschätzung von Maria Landeborn betrachten Investoren Trumps Aussagen in erster Linie als Teil seiner Verhandlungstaktik – nicht als ernstzunehmende Bedrohung. „Der Markt reagiert auf Trumps Zollankündigungen mit vergleichsweise großer Gelassenheit. Man sieht darin eher den Versuch, den Druck vor einem möglichen Deal zu erhöhen“, erklärt sie gegenüber Di.
Finanzmärkte bleiben gelassen – Investoren wittern Taktik, nicht Eskalation
Die Strategin betont, dass die Marktteilnehmer Trumps Rhetorik mittlerweile gewohnt seien – und eher mit einem glimpflicheren Ausgang rechnen als mit der angekündigten Maximalforderung. „Das ist typische Trump-Rhetorik. Lautstark auftreten, um die Verhandlungsposition zu stärken. Ich glaube nicht, dass der Markt damit rechnet, dass am 1. August tatsächlich 30-prozentige Zölle eingeführt werden. Wahrscheinlicher ist ein Abkommen mit niedrigeren Sätzen.“ Sie verweist darauf, dass die Börsen weltweit trotz der Unsicherheiten im Welthandel weiterhin in der Nähe ihrer Rekordstände notieren – ein Indiz dafür, dass Investoren die Gefahr nicht als akut einschätzen. Sollten Zölle dennoch kommen – in einer Bandbreite zwischen 10 und 15 Prozent –, rechnet Landeborn eher mit Erleichterung als mit negativen Reaktionen der Märkte.
„Dann wird man das wohl als verkraftbar einstufen. Ja, es bedeutet gewisse Zusatzkosten – für Unternehmen und Konsumenten –, aber es reicht nicht aus, um eine Rezession oder eine markante Abschwächung auszulösen.“ Ein gewisser Margendruck für die Unternehmen sei zwar zu erwarten, doch könnten diese einen Teil der Mehrkosten auf die Kunden abwälzen. Entscheidend sei aus Marktsicht nicht so sehr das Zollniveau selbst, sondern die ständige Unsicherheit, die durch wiederholte Ankündigungen und unklare Rahmenbedingungen entstehe. Solange Trump die Drohungen als taktisches Mittel nutze und die Märkte auf moderatere Vereinbarungen hofften, seien starke Ausschläge an den Börsen unwahrscheinlich.
Wirtschaftliche Gefahr droht erst bei anhaltender Unsicherheit und Maximalzöllen
Verändert könnte sich die Lage jedoch, sollte sich die Unsicherheit über längere Zeit hinziehen – oder sollten die Zölle tatsächlich auf 30 Prozent steigen. „Das größte Risiko entsteht, wenn Unternehmen nicht wissen, woran sie sind – und deshalb Investitionen, Einkäufe oder Produktionen zurückstellen. Je länger diese Unsicherheit anhält, desto größer wird die Gefahr, dass die Wirtschaft real ins Stocken gerät. Natürlich wäre es besser ohne Zölle – aber solange sie sich auf 10 bis 15 Prozent beschränken, halte ich das für beherrschbar“, so Landeborn.


