Wirtschaft

Zollalarm ohne Kursrutsch: Was hinter der Marktreaktion steckt

Trump hat mit 30 Prozent Strafzöllen gegen Europa gedroht – doch die Märkte zuckten nicht. Haben Investoren seine Taktik längst durchschaut? Oder droht die nächste Falle für Anleger?
26.07.2025 08:40
Lesezeit: 2 min

Zölle als Show – warum Trumps Drohkulisse an Kraft verliert

Donald Trumps Vorschlag, 30-prozentige Zölle gegen die EU zu verhängen, hat politisch hohe Wellen geschlagen – an den Finanzmärkten hingegen bleiben die Reaktionen bislang verhalten, berichtet das Wirtschaftsportal Dagens Industri.

„Das ist typische Trump-Rhetorik, um sich eine bessere Verhandlungsposition zu verschaffen“, sagt Maria Landeborn, Seniorstrategin bei der Danske Bank. Nach Einschätzung von Maria Landeborn betrachten Investoren Trumps Aussagen in erster Linie als Teil seiner Verhandlungstaktik – nicht als ernstzunehmende Bedrohung. „Der Markt reagiert auf Trumps Zollankündigungen mit vergleichsweise großer Gelassenheit. Man sieht darin eher den Versuch, den Druck vor einem möglichen Deal zu erhöhen“, erklärt sie gegenüber Di.

Finanzmärkte bleiben gelassen – Investoren wittern Taktik, nicht Eskalation

Die Strategin betont, dass die Marktteilnehmer Trumps Rhetorik mittlerweile gewohnt seien – und eher mit einem glimpflicheren Ausgang rechnen als mit der angekündigten Maximalforderung. „Das ist typische Trump-Rhetorik. Lautstark auftreten, um die Verhandlungsposition zu stärken. Ich glaube nicht, dass der Markt damit rechnet, dass am 1. August tatsächlich 30-prozentige Zölle eingeführt werden. Wahrscheinlicher ist ein Abkommen mit niedrigeren Sätzen.“ Sie verweist darauf, dass die Börsen weltweit trotz der Unsicherheiten im Welthandel weiterhin in der Nähe ihrer Rekordstände notieren – ein Indiz dafür, dass Investoren die Gefahr nicht als akut einschätzen. Sollten Zölle dennoch kommen – in einer Bandbreite zwischen 10 und 15 Prozent –, rechnet Landeborn eher mit Erleichterung als mit negativen Reaktionen der Märkte.

„Dann wird man das wohl als verkraftbar einstufen. Ja, es bedeutet gewisse Zusatzkosten – für Unternehmen und Konsumenten –, aber es reicht nicht aus, um eine Rezession oder eine markante Abschwächung auszulösen.“ Ein gewisser Margendruck für die Unternehmen sei zwar zu erwarten, doch könnten diese einen Teil der Mehrkosten auf die Kunden abwälzen. Entscheidend sei aus Marktsicht nicht so sehr das Zollniveau selbst, sondern die ständige Unsicherheit, die durch wiederholte Ankündigungen und unklare Rahmenbedingungen entstehe. Solange Trump die Drohungen als taktisches Mittel nutze und die Märkte auf moderatere Vereinbarungen hofften, seien starke Ausschläge an den Börsen unwahrscheinlich.

Wirtschaftliche Gefahr droht erst bei anhaltender Unsicherheit und Maximalzöllen

Verändert könnte sich die Lage jedoch, sollte sich die Unsicherheit über längere Zeit hinziehen – oder sollten die Zölle tatsächlich auf 30 Prozent steigen. „Das größte Risiko entsteht, wenn Unternehmen nicht wissen, woran sie sind – und deshalb Investitionen, Einkäufe oder Produktionen zurückstellen. Je länger diese Unsicherheit anhält, desto größer wird die Gefahr, dass die Wirtschaft real ins Stocken gerät. Natürlich wäre es besser ohne Zölle – aber solange sie sich auf 10 bis 15 Prozent beschränken, halte ich das für beherrschbar“, so Landeborn.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Panorama
Panorama Forbes-Liste der reichsten Menschen: Elon Musk kann erster Billionär der Welt werden
15.03.2026

In der aktuellen Forbes-Liste der reichsten Menschen liegt Tesla-Chef Elon Musk quasi uneinholbar in Front. Bei einem erfolgreichen...

DWN
Politik
Politik Steuerrecht: Ehegattensplitting vorm Aus? Mehr Arbeitszeit für Frauen nicht lukrativ
15.03.2026

Für viele Frauen lohnt es sich finanziell nicht, in den Job zurückzukehren oder ihre Teilzeit auszubauen, das Ehegattensplitting entpuppt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Industrial Accelerator Act: EU-Kommission stärkt Industriepolitik – Anteil am BIP soll auf 20 Prozent steigen
15.03.2026

Die Europäische Kommission will mit dem Industrial Accelerator Act die Industriepolitik der EU neu ausrichten und die Produktion in Europa...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilien-Prognose 2026: Bremst das Baukreditgeschäft alles aus?
15.03.2026

Nach einem hoffnungsvollen 2025 wird die Preisentwicklung für Immobilien laut Greis-Kaufpreisindex im laufenden Jahr 2026 wieder...

DWN
Finanzen
Finanzen Mazda 6e im Vergleich: Wie wettbewerbsfähig ist das Elektromodell?
15.03.2026

Die neue Mazda 6e entsteht auf chinesischer Plattform und markiert einen strategischen Neustart für die Baureihe Mazda6. Kann das...

DWN
Technologie
Technologie Immer mehr US-Forschende zieht es nach Deutschland
15.03.2026

Aus politischen Gründen geht das Weiße Haus gegen Elite-Unis vor. Für Wissenschaftler und Studierende aus den USA wird Deutschland daher...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI trifft auf SaaS: Steht die Softwarebranche vor einem Strukturwandel?
15.03.2026

Künstliche Intelligenz verändert die wirtschaftliche Logik der Softwarebranche und setzt das klassische SaaS-Modell unter Druck. Steht...

DWN
Finanzen
Finanzen Iran-Krieg heizt Energiepreise an: Investoren suchen Absicherung
15.03.2026

Der Iran-Krieg treibt die Energiepreise nach oben und zwingt Investoren weltweit, ihre Strategien angesichts steigender Öl- und Gaspreise...