Wirtschaft

China und Deutschland: Der Kampf um Weltmarktanteile spitzt sich zu

Chinas Wirtschaft wächst stärker als erwartet, trotz Handelskonflikten und schwachem Konsum. Doch das robuste Plus im ersten Halbjahr könnte sich als trügerisch erweisen. Der Außenhandel zieht zwar an, doch viele Probleme bleiben ungelöst – und der internationale Konkurrenzkampf verschärft sich.
15.07.2025 09:38
Lesezeit: 3 min

Chinas Wirtschaft wächst trotz Handelskonflikt robust

Mit 5,2 Prozent legt die chinesische Wirtschaft kräftig zu – gestützt von starken Exporten und staatlichen Konsumhilfen. Doch Experten warnen: Die kommenden Monate könnten holprig werden.

Chinas Wirtschaft ist im zweiten Quartal robust gewachsen. Nach Angaben des Pekinger Statistikamts erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von April bis Juni um 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit lag das Plus nur knapp unter dem Zuwachs von 5,4 Prozent im ersten Quartal, womit das Wachstum im ersten Halbjahr bei 5,3 Prozent lag. Die Regierung hatte für das Gesamtjahr ein Wachstumsziel von "rund fünf Prozent" ausgegeben.

Ökonomen werten das Ergebnis als Beleg für die Widerstandskraft der chinesischen Wirtschaft, obwohl der Handelskonflikt mit den USA weiter schwelt. Beide Seiten hatten im Zuge des eskalierenden Streits ihre Zölle zunächst massiv erhöht, sich dann aber im Mai auf einen dreimonatigen Burgfrieden geeinigt, um weitere Verhandlungen zu ermöglichen.

Konsum und Exporte treiben das Wachstum

Laut Analysten nutzten viele Händler das aktuelle Zeitfenster und zogen Exporte vor, was das Wachstum ankurbelte. Auch ein stärkerer Konsum, gestützt durch staatliche Anreize, spielte eine wichtige Rolle.

Doch diese Entwicklung dürfte laut dem Pekinger Ökonomen Alex Hongcai Xu kaum von Dauer sein: Der Außenhandel habe die Erwartungen zwar übertroffen. Das bedeute aber auch, dass die zweite Jahreshälfte schwieriger werde. Die Dynamik sei gewissermaßen vorweggenommen worden und könne nicht dauerhaft anhalten.

Viele Probleme bleiben ungelöst

Trotz der soliden Gesamtzahl bleiben viele strukturelle Probleme ungelöst. "Die Immobilienkrise bleibt mittelfristig eine schwere Last für die Haushalte der Kommunen", warnte Ökonomin Dan Wang von der Eurasia Group. Gleichzeitig dämpfen Deflationsrisiken und eine sich nur langsam bessernde Kauflaune den Binnenmarkt.

In der Zukunft werde China externe Unsicherheiten und Druck im Inland spüren, so Sheng Laiyun, Vize-Direktor des Statistikamts. Aber im Allgemeinen werde Chinas Wirtschaft Stabilität wahren. Man könne sehen, dass die gute Performance im ersten Halbjahr eine solide Grundlage für das Gesamtjahr gelegt habe.

Preiskämpfe alarmieren die Regierung

Zuletzt hatte die chinesische Regierung auch vor den anhaltenden Preiskämpfen in Schlüsselbranchen wie E-Autos, Solartechnik und Batterien gewarnt. Staats- und Parteichef Xi Jinping forderte in einer hochrangigen Sitzung Ende Juni, "ungeordneten" Wettbewerb einzudämmen.

Beobachter sehen jedoch die Regierungspolitik als Teil des Problems: Durch massive Subventionen und politische Zielvorgaben wurde die Produktionskapazität in bestimmten Sektoren stark ausgeweitet – oft schneller, als die Nachfrage im In- und Ausland wachsen konnte. "Die Kombination aus zu viel Angebot und fallenden Preisen hat die Gewinne auf ein Minimum gedrückt und die Investitionsaussichten verschlechtert", so Ökonomin Wang.

Deutsche Unternehmen geraten unter Druck

"Dass Chinas Wirtschaft im zweiten Quartal trotz geopolitischer Spannungen moderat gewachsen ist, wird von deutschen Unternehmen in China positiv aufgenommen", sagte Maximilian Butek, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in Ostchina. Doch um das Vertrauen der Unternehmen zu stärken, brauche es mehr Sicherheit für Lieferketten und weniger Handelsbarrieren, sagte er. Der schwache Konsum bleibt laut Butek das Kernproblem für deutsche Unternehmen und wird durch den Handelskonflikt zusätzlich verschärft.

Der harte Wettbewerb im chinesischen Heimatmarkt hat zudem zahlreiche konkurrenzstarke Unternehmen hervorgebracht, die auch international immer weiter expandieren. Die chinesische Exportindustrie hat die Deutschlands mittlerweile in vielen Sparten überholt. Ausgenommen sind nur wenige Branchen wie Auto, Medizintechnik und Luftfahrt.

Doch im Saldo haben chinesische Firmen nach einer Analyse des Prognos-Instituts mittlerweile einen doppelt so hohen Anteil der weltweiten Ausfuhren wie deutsche Unternehmen. Den chinesischen Weltmarktanteil beziffert das Institut auf 16, den deutschen auf 8 Prozent. Die Prognos-Fachleute erwarten in den kommenden Jahren verschärfte deutsch-chinesische Konkurrenz um die Weltmarktanteile, da die USA sich zunehmend vom Rest der Welt abschotten.

"China wird versuchen, seine Produkte verstärkt in anderen Auslandsmärkten zu verkaufen, was den dortigen Wettbewerbsdruck nochmals verschärft", sagte Bertram Brossardt, der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft in München, die die Untersuchung in Auftrag gegeben hatte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama Goldener Windbeutel 2026: LaVita landet auf Platz eins
14.07.2026

Goldenen Windbeutel 2026: 66.000 Verbraucher haben abgestimmt. Der überteuerte Saft von LaVita ist die dreisteste Werbelüge des Jahres....

DWN
Politik
Politik Terrorgefahr? Iranische Drohungen sorgen für neue Sicherheitswarnungen in Deutschland
14.07.2026

Ein iranischer Zeitungsbeitrag sorgt in Berlin für wachsende Besorgnis. Politiker mehrerer Parteien sehen darin mehr als bloße Propaganda...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chemieindustrie: Warum Deutschland seine industrielle Basis verspielt
14.07.2026

Sie steht selten im Rampenlicht, doch ohne sie läuft fast nichts: Europas Chemieindustrie liefert die Grundlage für Medikamente,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Sandisk-Aktien brechen um 13 Prozent ein, da Chip-Ausverkauf die Wall Street erschüttert
13.07.2026

Turbulente Zeiten an der Börse: Erfahren Sie, welche Ereignisse die Technologieriesen jetzt ins Wanken bringen.

DWN
Finanzen
Finanzen Eurozone: Inflation fällt überraschend deutlich – was das für die EZB-Zinspolitik bedeutet
13.07.2026

Die Inflation in der Eurozone ist im Juni stärker gesunken als erwartet. Nach dem Preisschub durch den Krieg im Nahen Osten und hohe...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft E-Auto-Produktion in Europa legt zu: Neue Studie zeigt überraschende Entwicklung
13.07.2026

Die europäischen Strafzölle auf Elektroautos aus China sollten heimische Produktionsstandorte stärken. Erste Daten deuten tatsächlich...

DWN
Finanzen
Finanzen Lululemon-Aktie: Michael Burry sieht jetzt eine Chance
13.07.2026

Die Lululemon-Aktie hat in den vergangenen Monaten deutlich an Wert verloren. Mehrere Rückschläge, interne Probleme und ein schwieriges...

DWN
Politik
Politik Analyse: Wenn Putin verzweifelt, müssen wir seine Reaktion wirklich fürchten
13.07.2026

Der Druck auf Russland wächst militärisch und wirtschaftlich. Die Verluste an der Front sind enorm, die Wirtschaft ächzt unter dem...