Politik

EU erhöht Druck: 72-Milliarden-Euro-Zölle gegen US-Waren möglich

Die EU bereitet Strafzölle gegen die USA im Umfang von 72 Milliarden Euro vor. Washington zeigt sich gesprächsbereit – doch der Handelskonflikt könnte eskalieren.
15.07.2025 11:08
Lesezeit: 1 min
EU erhöht Druck: 72-Milliarden-Euro-Zölle gegen US-Waren möglich
EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič will ein Scheitern der Verhandlungen mit den USA vermeiden – und hält dennoch eine Zollliste über 72 Milliarden Euro bereit. (Foto: dpa) Foto: Ansgaar Haase

Die EU-Kommission hat am Montag einen umfassenden Maßnahmenkatalog vorgestellt, der zusätzliche Zölle auf US-Importe im Wert von 72 Milliarden Euro vorsieht. Hintergrund ist das Scheitern der bisherigen Gespräche über ein neues transatlantisches Handelsabkommen. Sollte keine Einigung mit Washington erzielt werden, will Brüssel hart reagieren.

EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič erklärte, die vorgeschlagenen Zölle seien Teil eines neuen Schutzmechanismus und wurden beim Treffen der EU-Handelsminister in Brüssel ausführlich diskutiert. „Es geht um US-Waren im Umfang von rund 72 Milliarden Euro“, so Šefčovič laut BNS.

Trumps Eskalation und Gesprächsbereitschaft

US-Präsident Donald Trump hatte am Wochenende neue Strafzölle gegen Europa angekündigt. Ab dem kommenden Monat solle auf europäische Importe ein pauschaler Zollsatz von 30 Prozent erhoben werden. Im April hatte Trump noch 20 Prozent in Aussicht gestellt, im Mai sogar mit einem Satz von 50 Prozent gedroht.

Šefčovič betonte vor dem Treffen in Brüssel, dass er die Gespräche mit den USA weiterführen wolle. Ein Abbruch der Verhandlungen ohne letzte diplomatische Bemühungen sei nicht vorstellbar. Auch Washington signalisiert, trotz Drohgebärden, Offenheit. Trump selbst erklärte bei einem Gespräch mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte, er sei „jederzeit bereit, mit Europa zu verhandeln“.

Hintergrund: Die EU hat noch mehr Druckmittel

Bereits zuvor hatte Brüssel eine Liste mit Gegenzöllen auf US-Waren im Wert von 21 Milliarden Euro vorbereitet. Diese Maßnahme zielte auf Trumps frühere Zölle auf Stahl und Aluminium. Am Sonntag verkündete die EU, sie werde die Einführung dieser Maßnahmen nochmals verschieben – allerdings nur bis August. Danach sei eine einseitige Umsetzung möglich.

Für die deutsche Exportwirtschaft wäre ein Scheitern der Verhandlungen mit Washington ein herber Rückschlag. Deutschland exportiert jährlich Waren im Wert von über 130 Milliarden Euro in die USA – darunter Maschinen, Autos, Pharmazeutika und Chemikalien. Neue Zölle könnten insbesondere den Automobil- und Maschinenbau treffen. Die Aussicht auf Strafzölle erhöht zudem den Druck auf Berlin, sich stärker für eine geschlossene europäische Handelsstrategie einzusetzen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

avtor1
Marius Vaitiekūnas

Zum Autor:

Marius Vaitiekūnas ist ein ausgewiesener Experte für Geopolitik und internationale Wirtschaftsverflechtungen. Geboren 1985 in Kaunas, Litauen, schreibt er als freier Autor regelmäßig für verschiedene europäische Medien über die geopolitischen Auswirkungen internationaler Konflikte, wirtschaftlicher Machtverschiebungen und sicherheitspolitischer Entwicklungen. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind die globale Energiepolitik und die sicherheitspolitischen Dynamiken im osteuropäischen Raum.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hier sind die besten und schlechtesten Rentensysteme der Welt
22.10.2026

Deutschlands Rentensystem gerät zunehmend unter Druck, während Dänemark im weltweiten Renten-Ranking auf den zweiten Platz klettert....

DWN
Politik
Politik Steuereinnahmen steigen: Klingbeil sieht trotzdem keinen neuen Spielraum
22.10.2026

Die neue Steuerschätzung bringt dem Bund Milliarden an zusätzlichen Einnahmen. Für Finanzminister Lars Klingbeil bedeutet das trotzdem...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rüstungsboom statt Autokrise: Mittelstand drängt in die Wehrtechnik
22.10.2026

Deutschlands Wehretat knackt die 100-Milliarden-Euro-Marke und treibt den industriellen Strukturwandel voran. Weil das klassische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft SpaceX mit Milliardengewinn: Elon Musk plant die größte Fusion aller Zeiten
22.10.2026

Elon Musk meldet einen Milliardengewinn bei SpaceX und denkt bereits über den nächsten historischen Schritt nach. Eine Fusion mit Tesla...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Verbrenner-Aus in der EU: Lockerung nimmt erste Hürden im Europaparlament
22.10.2026

Das geplante Verbrenner-Aus könnte weniger strikt ausfallen als bislang vorgesehen. Im Europaparlament haben sich erste Ausschüsse für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mittelschicht in Deutschland: Ab welchem Einkommen Sie wirklich dazugehören
22.10.2026

Viele Deutsche halten sich für durchschnittliche Verdiener, obwohl sie längst zu den oberen Einkommensgruppen gehören. Eine neue Studie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Barclays streicht 5.000 Stellen: KI soll Produktivität erhöhen
22.10.2026

Die britische Großbank Barclays baut Tausende Arbeitsplätze ab. Ein Teil der Einsparungen wird ausdrücklich mit höherer Effizienz durch...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Ich überlege schon, mein Portfolio für Weihnachten einzukaufen
22.10.2026

Seit längerer Zeit beobachte ich einen bestimmten Sektor und warte geduldig auf den richtigen Zeitpunkt zum Kaufen. Vielleicht ist er...