Wirtschaft

Arbeiten nach der Schule: Warum viele keine Ausbildung beginnen

Schnell Geld verdienen statt jahrelang pauken – das klingt für viele junge Menschen verlockend. Doch wer direkt nach der Schule in den ersten Job startet, bleibt oft in Helfertätigkeiten hängen und verpasst die Chance auf eine echte Karriere. Eine neue Studie zeigt, warum der Trend zunimmt und welche Folgen das für den Arbeitsmarkt haben könnte.
19.07.2025 07:23
Lesezeit: 2 min
Arbeiten nach der Schule: Warum viele keine Ausbildung beginnen
Verloren in der Servicewüste? Wer ohne Ausbildung in die Arbeit startet, bleibt oft im Helferjob hängen. (Foto: dpa) Foto: Sina Schuldt

Erst mal arbeiten: Für viele attraktiver als Lehre oder Uni

Nach der Schule direkt Geld zu verdienen – das wünschen sich laut einer Umfrage viele junge Menschen. Zu viele drohten jedoch, in Helferjobs hängenzubleiben und als Fachkräfte verloren zu gehen, warnen Experten.

Jeder Fünfte will lieber direkt jobben

Jeder fünfte Schüler plant einer Umfrage zufolge, nach der Schulzeit erst einmal zu jobben statt weiterzulernen. Unter jungen Menschen mit niedrigem Schulbildungsniveau ist dieser Wunsch sogar besonders stark ausgeprägt, so ein Ergebnis einer aktuellen Befragung junger Menschen für eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Die Autoren befürchten, dass sich der Trend zu einer steigenden Zahl Ungelernter unter den jungen Erwerbstätigen in Deutschland dadurch weiter verstärken könnte.

Was planen Jugendliche nach der Schule?

Insgesamt bleibt der Umfrage zufolge die duale Berufsausbildung weiterhin der beliebteste Bildungsweg nach dem Schulabschluss, gefolgt vom Studium. 43 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler streben auf jeden Fall eine Ausbildung an, 40 Prozent wollen unbedingt studieren. Viele sind noch unentschlossen. Immerhin mehr als die Hälfte kann sich vorstellen, nach der Schule zunächst arbeiten zu gehen. 19 Prozent davon haben dies sogar fest vor.

Studienautoren warnen vor Fachkräftelücke

Die Studienautoren halten den Befund für besorgniserregend – auch angesichts des Fachkräftemangels und demografischen Wandels: "Ohne reguläre Ausbildung steigt das Risiko, arbeitslos zu werden oder im Niedriglohnsektor zu verharren", warnt Helen Renk, Expertin der Bertelsmann-Stiftung für berufliche Bildung. "Das ist zum einen schwierig für die Betroffenen, zum anderen geht dadurch viel Potenzial für den Arbeitsmarkt verloren."

Warum meiden junge Menschen die Ausbildung?

Gefragt nach den persönlichen Gründen, die gegen eine Ausbildung sprechen, nennen die meisten Befragten (48 Prozent) eine zu geringe Vergütung. 43 Prozent der Befragten sehen im Studium die bessere Option, ebenso viele fühlen sich nicht ausreichend vorbereitet. Fehlende passende Stellen spielen für rund ein Drittel eine Rolle.

Auch der Wunsch nach einem sofortigen Einstieg in die Arbeitswelt zählt neben weiteren Gründen: Ein Viertel der Befragten (26 Prozent) zwischen 14 und 25 Jahren nennt dies als zutreffenden Grund dafür, warum man keine Ausbildung begonnen hat oder beginnen möchte. 21 Prozent gaben an, dass andere von ihnen erwarteten, ohne Ausbildung in den Beruf einzusteigen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kennzeichnung im Produktionstempo: Wie Brady die Industrie neu taktet

Produktionslinien laufen schneller denn je, doch die Rückverfolgbarkeit hinkt oft hinterher. Brady setzt genau hier an und zeigt, wie sich...

DWN
Politik
Politik Nach Corona-Bonus nun die Entlastungsprämie für Beamte: Öffentlicher Dienst besteht auf 1000-Euro-Krisenbonus
15.04.2026

Die Koalition plädiert für eine steuer- und abgabenfreie Prämie vom Arbeitgeber - damit ist auch der Bund in der Pflicht. Über 5...

DWN
Politik
Politik „Strategische Partnerschaft“ mit der Ukraine: Deutschland vereinbart Rüstungsdeals mit Selenskyj
15.04.2026

Die finanzielle und militärische Hilfe für die Ukraine nimmt federführend durch Deutschland und Großbritannien an Fahrt auf. Nachdem...

DWN
Technologie
Technologie Novo Nordisk-Aktie: KI von OpenAI soll Pharmaentwicklung beschleunigen
15.04.2026

Novo Nordisk treibt den Einsatz von KI in der Pharmaindustrie voran und setzt dabei auf eine Kooperation mit OpenAI. Kann künstliche...

DWN
Politik
Politik Deutschlands Photovoltaik-Ausbau: Wie Solarstrom Europas Energiemarkt stabilisiert
15.04.2026

Deutschlands Photovoltaik-Ausbau gewinnt in einem angespannten geopolitischen Umfeld strategisch an Bedeutung für den europäischen...

DWN
Politik
Politik YouGov-Umfrage: AfD klar stärkste Kraft - Union stürzt auf schlechtesten Wert seit vier Jahren
15.04.2026

In einer YouGov-Umfrage kann sich die AfD deutlich von den anderen Parteien absetzen. Auch Grüne und Linke legen zu. Die einzigen, die...

DWN
Finanzen
Finanzen Neue Prognose der Deutschen Bank: US-Dollar verliert an Stärke
15.04.2026

Die Deutsche Bank sieht eine veränderte Ausgangslage an den Devisenmärkten und rät Marktteilnehmern zu einer Neuausrichtung ihrer...

DWN
Finanzen
Finanzen Finanzspritze vom Bund: Eine Milliarde Euro für Länder und Kommunen
15.04.2026

Der Bund greift hoch verschuldeten Kommunen unter die Arme. Doch nicht nur sie werden entlastet - sondern auch die reichsten Bundesländer.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Heidelberger-Druck-Aktie: Druckmaschinenhersteller steigt in Drohnenabwehr ein
15.04.2026

Das für Druckmaschinen bekannte Unternehmen Heidelberg steigt ins Rüstungsgeschäft ein. Die Traditionsfirma will ihren Standort in...