Politik

China empfängt EU-Spitze zum Krisengipfel

China lädt die EU-Spitze zum Gespräch – doch hinter diplomatischen Floskeln schwelt ein Handelskrieg. Was auf dem Spiel steht, zeigt sich in diesem hochbrisanten Gipfel.
21.07.2025 11:00
Lesezeit: 2 min

China-Besuch der EU: Handelsstreitigkeiten überschatten Jubiläum

China hat bestätigt, dass hochrangige Vertreter der Europäischen Union am Donnerstag zu einem Gipfeltreffen nach Peking reisen werden. Ziel sei es, eine Vielzahl bilateraler Streitpunkte auszuräumen. „Wie zwischen China und der EU vereinbart, werden der Präsident des Europäischen Rates, Antonio Costa, und die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, am 24. Juli China besuchen“, erklärte das chinesische Außenministerium am Montag. „Präsident Xi Jinping wird sich mit ihnen treffen. Staatsratspräsident Li Qiang und die beiden EU-Staats- und Regierungschefs werden gemeinsam den Vorsitz beim 25. China-EU-Gipfel übernehmen“, so das Ministerium laut einem Bericht der Economic Times.

Das Treffen findet anlässlich des 50-jährigen Bestehens diplomatischer Beziehungen zwischen Brüssel und Peking statt – jedoch in einem angespannten Klima. Beide Seiten werfen sich seit Monaten unfaire Handelspraktiken vor, wie die Nachrichtenagentur BNS berichtet. „Der Gipfel ist eine Gelegenheit, auf höchster Ebene mit China in Kontakt zu treten und offene, konstruktive Diskussionen über Themen von gemeinsamem Interesse zu führen“, erklärte EU-Ratspräsident Costa am Freitag. Man strebe Dialog, Einigung und „konkrete Fortschritte“ an. Eine faire und ausgewogene Partnerschaft sei das Ziel.

Kommissionspräsidentin von der Leyen hatte bereits im Juli betont, Brüssel wolle die Wirtschaftsbeziehungen mit Peking „wieder ins Gleichgewicht bringen“. Dazu gehöre insbesondere ein verbesserter Marktzugang für europäische Unternehmen in China sowie die Lockerung chinesischer Exportkontrollen für Seltene Erden. Peking reagierte ablehnend und forderte die EU auf, Differenzen „angemessen anzugehen“ und China „objektiver und rationaler zu verstehen“.

China und EU: Auch geopolitische Spannungen belasten das Verhältnis

Ein weiterer Streitpunkt ist Chinas Haltung zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Während die EU China eine stille Unterstützung Moskaus unterstellt, weist Peking dies regelmäßig zurück. In der vergangenen Woche verschärfte Brüssel die Sanktionen gegen Russland erneut – unter anderem gegen dessen Öleinnahmen, den Bankensektor und militärisch relevante Akteure. Auch chinesische Unternehmen und Finanzinstitute wurden einbezogen. Das chinesische Handelsministerium verurteilte die Maßnahmen scharf: Sie hätten „ernsthafte negative Auswirkungen auf die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen China und der EU“.

Weitere Reibungspunkte sind die staatlichen Subventionen Chinas für seine Elektroauto- und Windkraftindustrie sowie der Umgang mit personenbezogenen Daten europäischer Nutzer durch die Video-App TikTok, die dem chinesischen Unternehmen ByteDance gehört.

EU-Besuch in China und die Bedeutung für Deutschland

Für Deutschland steht beim Gipfel besonders viel auf dem Spiel. Als größter EU-Handelspartner Chinas ist die Bundesrepublik direkt von den politischen und wirtschaftlichen Spannungen betroffen. Die Exportchancen deutscher Unternehmen – insbesondere im Automobil-, Maschinenbau- und Technologiebereich – hängen maßgeblich von stabilen Beziehungen ab. Sollten sich die Fronten weiter verhärten, drohen langfristige Nachteile für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Marius Vaitiekūnas

Zum Autor:

Marius Vaitiekūnas ist ein ausgewiesener Experte für Geopolitik und internationale Wirtschaftsverflechtungen. Geboren 1985 in Kaunas, Litauen, schreibt er als freier Autor regelmäßig für verschiedene europäische Medien über die geopolitischen Auswirkungen internationaler Konflikte, wirtschaftlicher Machtverschiebungen und sicherheitspolitischer Entwicklungen. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind die globale Energiepolitik und die sicherheitspolitischen Dynamiken im osteuropäischen Raum.

DWN
Finanzen
Finanzen ChatGPT geht an die Börse
09.06.2026

Der ChatGPT-Entwickler OpenAI steuert auf die Börse zu. Zugleich macht das Unternehmen aber deutlich, dass es sich für diesen Schritt...

DWN
Politik
Politik Analyse: Nein, es gibt keine Aussicht auf Frieden in der Ukraine
09.06.2026

Weder militärisch noch diplomatisch gibt es eine Aussicht auf einen Waffenstillstand, geschweige denn auf Frieden im Krieg zwischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Außenhandel gewinnt trotz Iran-Unsicherheit an Fahrt
09.06.2026

Chinas Exporte legen erneut kräftig zu. Der Außenhandel bleibt eine zentrale Stütze der Wirtschaft – und verschärft zugleich...

DWN
Politik
Politik EU plant Einreiseverbot für russische Ukraine-Kämpfer
09.06.2026

Ursula von der Leyen will mit neuen Sanktionen den Druck auf Russland weiter erhöhen. Diesmal rücken auch Soldaten in den Fokus – und...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX & Co: Warum sie trotz Kurswachstum nicht jetzt einsteigen sollten
09.06.2026

Das Ende einer neunwöchigen Aufwärtsbewegung der Indizes und die schlechteste Woche für Bitcoin seit 2022.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Chefs, Stress und Traurigkeit: Wie unglücklich wir bei der Arbeit sind – und welche Lösungen es gibt
09.06.2026

Viele Beschäftigte sind der Meinung, jederzeit einen neuen Job finden zu können. Trotzdem wechseln nur wenige ihren Arbeitgeber, obwohl...

DWN
Politik
Politik Irland gerät wegen Russland-Exporten unter Druck
09.06.2026

Ein irisches Werk liefert offenbar Aluminiumoxid an einen russischen Konzern, dessen Produkte laut Recherchen in der Rüstungsindustrie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Entlassungswelle: Kurz und schmerzhaft – wie Kündigungen in Deutschland ablaufen
09.06.2026

Kündigungen in Deutschland nehmen stark zu und viele Arbeitnehmer trifft eine Entlassung überraschend, schnell und oft ohne Abfindung....