Wirtschaft

DGB-Umfrage: Deutsche Beschäftigte präferieren 8-Stunden-Tag

Wie lange wollen Menschen in Deutschland wirklich arbeiten? Eine aktuelle DGB-Umfrage liefert aufschlussreiche Einblicke in die Wünsche von Beschäftigten – und bringt den klassischen 8-Stunden-Tag zurück in den Fokus. Doch wie passt das zur aktuellen Debatte um mehr Flexibilität?
24.07.2025 07:03
Aktualisiert: 24.07.2025 07:23
Lesezeit: 2 min

8-Stunden-Tag: Gängige Arbeitszeiten laut DGB-Umfrage weiterhin bevorzugt

Wären deutsche Beschäftigte frei in ihrer Entscheidung über die tägliche Arbeitszeit, würden etwa drei Viertel nicht mehr als acht Stunden arbeiten. Das zeigt die aktuelle DGB-Umfrage. Rund 26 Prozent der Teilnehmenden könnten sich hingegen Arbeitszeiten zwischen acht und zehn Stunden vorstellen. Lediglich zwei Prozent wären bereit, mehr als zehn Stunden täglich zu arbeiten – der 8-Stunden-Tag bleibt damit klare Präferenz.

Werden Beschäftigte gefragt, wann sie ihre Arbeitszeit beginnen und beenden würden, wenn sie darüber frei entscheiden könnten, zeigt sich ein klares Bild: 95 Prozent möchten um 18 Uhr Schluss machen. Der klassische 8-Stunden-Tag mit einem Feierabend am frühen Abend bleibt somit attraktiv. Die Mehrheit der Beschäftigten möchte nicht vor 6 Uhr anfangen. Für 73 Prozent wäre ein Start zwischen 6 und 9 Uhr optimal, während 60 Prozent den Zeitraum von 7 bis 9 Uhr bevorzugen. Einen Arbeitsbeginn ab 10 Uhr lehnen über 90 Prozent ab – auch das zeigt die DGB-Umfrage deutlich.

Durchgehendes Arbeiten bevorzugt

Die Idee, den Arbeitstag zu unterbrechen und abends fortzusetzen, findet wenig Zustimmung. Beschäftigte mit Kindern nutzen dieses Modell häufiger (17 Prozent) als Kinderlose (9 Prozent). Dennoch bleibt der klassische 8-Stunden-Tag beliebt – ohne zusätzliche Abendstunden.

Laut DGB-Index überschreiten 43 Prozent der Befragten regelmäßig den 8-Stunden-Tag. Bei weiteren 36 Prozent passiert das gelegentlich. Rund 20 Prozent arbeiten nie länger als acht Stunden – der Acht-Stunden-Tag ist für sie fest etabliert.

Reformdruck beim 8-Stunden-Tag: Wochenarbeitszeit als Alternative?

DGB-Chefin Yasmin Fahimi sieht die Pläne der Regierung kritisch. Arbeitgeber könnten demnach verstärkt die Arbeitszeit vorgeben. "Ohne Tarifvertrag wären Beschäftigte dann willkürlichen Zeitvorgaben ausgeliefert", warnte sie. "Der 8-Stunden-Tag ist gelebte Realität", so Fahimi. Trotz Überstundenregelungen und tariflicher Flexibilität biete das geltende Arbeitszeitgesetz bereits ausreichend Spielraum. Eine YouGov-Umfrage zeigt: 38 Prozent unterstützen die Wochenarbeitszeit. 20 Prozent lehnen sie ab, 37 Prozent äußern sich neutral. Laut DGB beginnt jetzt ein Dialog mit Sozialpartnern, um eine mögliche Anpassung des Arbeitszeitgesetzes anstelle des 8-Stunden-Tags zu diskutieren.

Aktuelle Pläne der Bundesregierung verändern das geltende Arbeitszeitgesetz grundlegend. Laut Lexware-Bericht aus dem Frühjahr 2025 soll künftig die Wochenarbeitszeit statt der täglichen Höchstdauer im Zentrum stehen – auch für Unternehmen eröffnet das neue Handlungsspielräume, insbesondere in Schicht‑ und Projektbetrieben. Zugleich wird eine digitale Zeiterfassungspflicht geplant, die kleineren und mittleren Unternehmen unbürokratische Übergangsfristen ermöglichen soll. Für Unternehmer erhöht sich damit die Verantwortung, Prozesse und Compliance anzupassen und gleichzeitig die Produktivität zu sichern.

Auch das Arbeitszeitgesetz ermöglicht bereits heute flexible Modelle, etwa verlängerte Schichten oder mobile Arbeit – sofern Mehrarbeit zeitnah kompensiert wird. Laut der Randstad‑ifo‑HR‑Umfrage zum ersten Quartal 2025 nennen 76 Prozent der Unternehmen flexible Arbeitszeiten als stärkstes Instrument im Recruiting und zur Bindung von Fachkräften. Unternehmer müssen daher abwägen: Wie sichern sie mit dem 8‑Stunden‑Tag oder alternativen Modellen wie Wochenarbeitszeit die Flexibilität, die Beschäftigte fordern? Ein strategischer Ansatz könnte sein, tarifliche oder betriebliche Vereinbarungen mit klarer Zeiterfassung zu koppeln, um sowohl gesetzlichen Vorgaben als auch Mitarbeiterbedürfnissen gerecht zu werden.

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