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Döner-Streik legt Großfabrik lahm: Kommt es zum Stillstand an den Spießen?

Ein lautstarker Döner-Streik erschüttert die Großfabrik Birtat in Baden-Württemberg. Beschäftigte kämpfen mit Nachdruck für bessere Arbeitsbedingungen und faire Löhne. Doch der Arbeitgeber blockt weiter ab – und der Spieß könnte sich drehen. Droht der Republik nun eine Döner-Knappheit?
04.08.2025 09:21
Lesezeit: 3 min

Döner-Streik: Welche Folgen der Streik bei Birtat hat

Die Dönerproduktion der Firma Birtat zählt zu den größten in Deutschland. Die Beschäftigten fordern mehr Lohn – und protestieren energisch. Die Lage spitzt sich nun zu. Täglich gehen Hunderttausende Döner über die Tresen der Imbisse im Land. Viele davon enthalten Fleisch vom Spießproduzenten Birtat. Doch in der schwäbischen Provinz brodelt es: Seit geraumer Zeit demonstrieren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma mit Sitz in Murr bei Ludwigsburg lautstark für bessere Arbeitsbedingungen – und einen Haustarifvertrag. Trotz der Forderungen reagiert die Geschäftsführung laut der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) bislang nicht. Um den Druck zu erhöhen, greifen die Angestellten nun zu drastischen Mitteln. Die Auswirkungen des aktuellen Döner-Streiks auf Branche und Versorgung – hier die zentralen Fakten.

Das Unternehmen Birtat ist Teil der Meat World SE und laut NGG der größte Spießproduzent in Baden-Württemberg – und einer der bedeutendsten Hersteller bundesweit. In der Produktionsstätte in Murr stecken die Beschäftigten Kalbs-, Hähnchen- oder Rindfleisch auf Spieße – in traditioneller Form. Die fertigen Produkte werden anschließend tiefgefroren und ausgeliefert. Birtat beliefert nach eigenen Aussagen tausende Imbisse und erreicht monatlich über 13 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten. "Unsere Produkte gibt es fast in jeder großen europäischen Stadt", betonte ein Sprecher. Das Unternehmen sieht sich als Marktführer. Der Umsatz der Meat World belief sich zuletzt auf rund 200 Millionen Euro im Jahr.

Wie sehen die Arbeitsbedingungen bei Birtat aus?

Die Arbeit in der Fabrik verläuft laut NGG im Akkord – mit hohem Tempo und enormem Druck. "Unsere Tätigkeit ist wirklich extrem anstrengend", erklärt Betriebsratschef Muzayfe Doganer. Fleisch schneiden, würzen, Spieße zusammenstellen: All das bei niedrigen Temperaturen – ein Knochenjob. Täglich fertigt Birtat laut Doganer zwischen 35 und 40 Tonnen Spieße an. Auch das Gewicht der Spieße stellt ein Problem dar: Sie können bis zu 100 Kilogramm schwer werden. "Und wir arbeiten ständig mit scharfen Messern", ergänzt Doganer. Zwar gebe es Sicherheitsausrüstung wie Handschuhe – die Verletzungsgefahr bleibe jedoch bestehen.

Die Entlohnung sorgt für Kritik. Sie sei "völlig willkürlich", sagt NGG-Tarifexpertin Magdalena Krüger. Teilweise gebe es Gehaltssprünge von 50 Euro, ohne nachvollziehbare Kriterien. Die Löhne richteten sich nach Beziehungen und Verhandlungsgeschick. Ein Beispiel: Ein Kollege sei erst wenige Wochen angestellt, verdiene aber mehr als langjährige Mitarbeiter. Auch das treibe die Wut im Döner-Streik an.

Birtat-Streik: Was verlangt die Belegschaft konkret?

Vor rund 18 Monaten begann die Belegschaft, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Auch ein Betriebsrat wurde gegründet. Die sprachliche Vielfalt im Betrieb – mit Deutsch, Türkisch, Bulgarisch und Rumänisch – stellte dabei eine Herausforderung dar. Seit Februar kämpfen die Mitarbeitenden im Rahmen des Großfabrik-Streiks für ein höheres Einkommen.

Die NGG fordert zur Entlastung der rund 115 Angestellten in Murr eine Lohnerhöhung um 375 Euro. "Die finanzielle Belastung ist enorm", erklärt Krüger. Langfristig strebt die Gewerkschaft einen einheitlichen und fairen Entgeltrahmen sowie ein Einstiegsgehalt von 3.000 Euro an. Das Ziel bleibe bestehen – auch wenn zunächst eine Entlastung Priorität habe.

Wie reagiert die Firmenleitung?

Im März fand das erste Treffen zwischen Geschäftsführung und Tarifkommission statt. Nach dem Abbruch des vierten Termins Anfang Juli herrscht weitgehend Funkstille. Die Birtat-Leitung habe damals betont, dass ein Tarifvertrag nicht infrage komme, so Krüger. Die NGG wirft dem Unternehmen eine starre Haltung vor. Vor dem ersten Warnstreik Ende Mai äußerte sich ein Sprecher kritisch zur Höhe der Forderungen. Auf eine neue Anfrage zum aktuellen Döner-Streik blieb eine Stellungnahme bislang aus.

Die Streikenden setzen auf klassische Mittel: den Arbeitskampf. Bereits zehn Mal wurde die Arbeit niedergelegt – mit laut NGG hoher Beteiligung. Die Intensität hat zugenommen: Mitte Juli wurde fünf Tage am Stück gestreikt. Zudem stimmten die Gewerkschaftsmitglieder vergangene Woche in einer Urabstimmung einstimmig für eine Ausweitung der Proteste. Der Döner-Streik dürfte also weiter eskalieren.

Döner-Streik bei Birtat: Welche Folgen hätte ein längerer Ausstand?

Bisher führten die Streiks laut NGG zu einem fast vollständigen Stillstand der Birtat-Produktion an einzelnen Tagen. Von Lieferengpässen ist derzeit nichts bekannt. Das Unternehmen äußert sich nicht zur Lage. Doch ein längerer Großfabrik-Streik könnte die Versorgung mit Dönerfleisch beeinträchtigen. Selbst bei erfolgreicher Einigung dürfte es Konsequenzen geben: Branchenkenner rechnen mit einem Dönerpreis von bis zu 10 Euro. Grund dafür sind steigende Rindfleischpreise – laut Landwirtschaftskammer Niedersachsen ein klarer Trend.

Dazu kommen höhere Energie- und Rohstoffkosten. Auch steigende Löhne durch den Döner-Streik würden sich auswirken. Die NGG sieht das anders: "Ein Tarifvertrag bedeutet lediglich, dass der Gewinn gerechter verteilt wird", heißt es.

Wie entwickelt sich der Döner-Streik weiter?

Laut Betriebsratschef Doganer ist die Anspannung im Betrieb groß. Beschäftigte seien unter Druck gesetzt worden. Einige arbeiteten sogar während des Streiks – aus Angst vor Kündigungen. Die Leitung drohe mit einer Schließung der Produktionsstätte in Murr. Trotzdem zeigt sich Doganer kämpferisch: "Wir müssen durchhalten. Aber wir schaffen das."

Auch die Gewerkschaft ist entschlossen, am Ball zu bleiben. Ein Tarifvertrag wäre laut NGG ein Novum in der gesamten Branche – ein Pilotprojekt. Der Verband der Dönerproduzenten zählt derzeit etwa 400 Hersteller deutschlandweit. Der aktuelle Döner-Streik könnte also Signalwirkung entfalten.

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