Wirtschaft

Kritik an Zolldeal mit den USA: EU-Kommission rügt Klingbeil wegen öffentlicher Äußerungen

Die EU-Kommission hat überraschend scharfe Kritik an Bundesfinanzminister Lars Klingbeil geäußert. Anlass sind dessen kritische Kommentare zur kürzlich erzielten Zolleinigung mit den USA. In Brüssel zeigt man sich irritiert – und betont die gemeinsame Linie der Mitgliedstaaten im Umgang mit Washington.
05.08.2025 15:17
Lesezeit: 1 min

EU-Kommission reagiert irritiert auf Kritik aus Berlin

Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte am Dienstag, man sei „ziemlich überrascht“ über die Äußerungen Klingbeils. Die Aussagen des SPD-Politikers stünden nicht im Einklang mit den bisherigen Gesprächen zwischen Brüssel und Berlin. Der Sprecher betonte erneut, dass die EU-Staaten sich klar gegen eine Eskalation des Handelskonflikts mit den USA ausgesprochen hätten.

Klingbeil unzufrieden mit Verhandlungsergebnis

Klingbeil hatte sich während eines Besuchs in Washington enttäuscht über das Verhandlungsergebnis gezeigt. Wörtlich sagte er: „Ich finde, wir waren zu schwach. Wir können auch nicht mit dem Ergebnis zufrieden sein, das erzielt wurde.“

Er kritisierte damit offen das Ergebnis der monatelangen Gespräche, die von der EU-Kommission im Namen aller Mitgliedstaaten geführt worden waren.

Brüssel verteidigt diplomatischen Kurs

Die Kommission wies Klingbeils Einschätzung zurück und erinnerte daran, dass nur eine diplomatische Lösung für Stabilität sorgen könne. Eine Eskalation des Handelsstreits hätte negative wirtschaftliche und politische Folgen gehabt, hieß es aus Brüssel.

Wirtschaft teilt Klingbeils Enttäuschung

Auch Wirtschaftsvertreter äußerten sich unzufrieden mit dem Ergebnis. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) kritisierte das Abkommen deutlich:

„Das Übereinkommen ist ein unzureichender Kompromiss und sendet ein fatales Signal an die eng verflochtene Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks“, teilte der Verband mit.

Hintergrund: Der neue Basiszollsatz

In dem seit Monaten andauernden Handelskonflikt hatten sich US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zuletzt auf einen gemeinsamen Basiszollsatz von 15 Prozent auf die meisten EU-Importe in die USA geeinigt. Ziel sei es, den Handelsstreit nicht weiter eskalieren zu lassen – doch der Kompromiss stößt auf beiden Seiten auf Kritik.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kennzeichnung im Produktionstempo: Wie Brady die Industrie neu taktet

Produktionslinien laufen schneller denn je, doch die Rückverfolgbarkeit hinkt oft hinterher. Brady setzt genau hier an und zeigt, wie sich...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street im Aufwind durch nachlassende Iran-Spannungen und schwächere Inflationsdaten
14.04.2026

Überraschende Entwicklungen abseits des Handelsparketts sorgen für neuen Schwung an den Finanzmärkten. Erfahren Sie, welche Faktoren die...

DWN
Politik
Politik Tabaksteuer-Erhöhung finanziert Entlastungsprämie 2026: Doch nicht nur Raucher gehen bei der Ausgleichprämie leer aus
14.04.2026

Günstigeres Tanken und eine 1.000-Euro-Prämie: Doch die Entlastungen kommen noch längst nicht bei den Bürgern an. Auch werden viele...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienmarkt: Bau-Reform mit einem erweitertem Vorkaufsrecht der Kommunen für Grundstücke geplant
14.04.2026

Die Bundesregierung plant eine Reform des Baurechts, das den Kommunen deutlich mehr Eingriffsmöglichkeiten als bisher auf dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Anthropic-Manager Guillaume Princen über den Wettbewerb mit OpenAI und den Konflikt mit Trump
14.04.2026

Der Wettbewerb im KI-Markt spitzt sich zu: Anthropic, das Unternehmen hinter dem populären KI-Assistenten Claude, fordert den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Debatte um den Bitcoin-Erfinder: Steckt Adam Back hinter Satoshi Nakamoto?
14.04.2026

Die Debatte um die Identität des Bitcoin-Erfinders gewinnt neue Dynamik, nachdem eine umfassende Recherche einen konkreten Namen in den...

DWN
Politik
Politik Debatte um EU-Wettbewerbsfonds: Milliarden für Schlüsselindustrien geplant
14.04.2026

Die EU plant mit dem EU-Wettbewerbsfonds einen milliardenschweren Fonds, um ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA und China zu...

DWN
Politik
Politik Teuer und ineffizient: CDU-Generalsekretär Linnemann will Krankenkassen streichen
14.04.2026

CDU-Generalsekretär Linnemann fordert weniger Krankenkassen. Warum er weniger Kassen für ausreichend hält und welche Reformen er noch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Krankenstatistik im Unternehmen: Wie Sie Fehlzeiten auswerten – mit und ohne Software
14.04.2026

Fehlzeiten sind eine betriebswirtschaftliche Größe und keine bloße HR-Kennzahl. Wer Fehlzeiten korrekt definiert, strukturell auswertet...