Panorama

Spritzen gegen Gelenkschmerzen: Krankenkassen sehen mehr Schaden als Nutzen

Bei Schmerzen in Gelenken wie Schulter, Knie oder Hüfte greifen viele Patienten zu Therapien wie Spritzen – doch deren Wirkung ist umstritten. Die Krankenkassen ziehen ein ernüchterndes Fazit: Häufig überwiegen die Risiken den Nutzen, statt echte Linderung zu bringen.
19.08.2025 13:42
Aktualisiert: 19.08.2025 13:49
Lesezeit: 1 min
Spritzen gegen Gelenkschmerzen: Krankenkassen sehen mehr Schaden als Nutzen
Auch Kalkschulter und Tennisarm treiben viele Patientinnen und Patienten in die Praxis, beeinträchtigt durch Schmerzen und verringerte Bewegungsfähigkeit (Foto: iStock/ PeopleImages). Foto: PeopleImages

- Deutschlands Krankenkassen warnen Patientinnen und Patienten vor möglichen Schäden und Nebenwirkungen durch Selbstzahlerleistungen beim Arzt. So verursachen Spritzen gegen Knie- oder Hüftschmerzen wegen Arthrose regelmäßig Schäden, wie der Medizinische Dienst Bund bei der Präsentation seines neuen IGeL-Monitors mitteilte. Die Schmerzreduktion sei hingegen so minimal, „dass sie klinisch nicht von Bedeutung ist“.

IGeL steht für individuelle Gesundheitsleistungen in ärztlichen Praxen. Jedes Jahr geben gesetzlich Versicherte laut dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen mindestens 2,4 Milliarden Euro dafür aus – von Augenheilkunde bis zur Urologie. Die Orthopädie gehört mit 397 Millionen Euro zu den drei umsatzstärksten Fachgebieten im IGeL-Markt.

Bei den Knie- und Hüftspritzen geht es um Infektionen mit Hyaluronsäure, die fehlende Gelenkflüssigkeit ausgleichen soll. Seit über 50 Jahren wurden diese Injektionen anhand von Studien mit zehntausenden Patientinnen und Patienten bewertet, wie der Medizinische Dienst erläuterte. Mögliche Schäden überwiegen demnach den Nuten deutlich.

Stoßwellen bei Schulterschmerzen

Auch Kalkschulter und Tennisarm treiben viele Patientinnen und Patienten in die Praxis, beeinträchtigt durch Schmerzen und verringerte Bewegungsfähigkeit. Hier wird ihnen oft Stoßwellentherapie angeboten, auch dies eine Selbstzahlerleistung. Und das, obwohl laut der Krankenkassen-Erhebung kaum aussagefähige Studien zu der Therapie vorliegen. Bringt Stoßwellentherapie etwas? „Unklar“, lautete das Urteil des Medizinischen Dienstes.

Bilanz ernüchternd

Der IGeL-Monitor nimmt nach und nach die verschiedenen angebotenen Therapien unter die Lupe. Nun zogen die Expertinnen und Experten ein ernüchterndes Fazit. Von 60 geprüften IGeL werden 31 Leistungen negativ bewertet. Bei 26 ist das Ergebnis mangels ausreichender Studien unklar. Nur 3 Selbstzahlerleistungen schneidet mit tendenziell positiv ab.

„Wir brauchen Fakten statt Werbung“

Vieles schade mehr, als dass es nütze, sagte der Vorsitzende des Medizinischen Dienstes Bund, Stefan Gronemeyer. Dass IGeL dennoch oft durchgeführt würden, liege an mangelhafter Information der Patientinnen und Patienten in vielen Praxen.

Eine Umfrage des Medizinischen Dienstes zeigt: Viele Versicherte denken, die Leistungen seien sinnvoll, würden aber nicht mehr von den Kassen angeboten. „Das ist falsch“, sagte Gronemeyer. Er kritisierte Nutzenversprechen durch Praxisflyer und -TV. An die Adresse niedergelassener Ärzte sagte Gronemeyer: „Wir brauchen Fakten statt Werbung in den Wartezimmern.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: SpaceX steigt weiter, Händler zögern vor Zinsentscheidung der Fed
16.06.2026

Ein turbulenter Handelstag birgt Überraschungen – erfahren Sie, warum Investoren gerade jetzt besonders aufmerksam die Entwicklungen...

DWN
Technologie
Technologie Batterie-Boom treibt Deutschland in neue China-Abhängigkeit
16.06.2026

Deutschlands Batterieproduktion erreicht einen Rekordwert – doch mit dem Boom wächst zugleich die Abhängigkeit von China. Die Branche...

DWN
Politik
Politik Der EU-Waffenchef warnt eindringlich: "Wir produzieren die falschen Waffen!"
16.06.2026

Der EU-Verteidigungskommissar warnt vor einem gefährlichen Missverhältnis in Europas Rüstungsstrategie. Während Donald Trumps...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bund lehnt Unicredit-Angebot für Commerzbank ab
16.06.2026

Der Bund stellt sich offen gegen die Übernahme der Commerzbank durch die Unicredit und verschärft damit den Machtkampf um Deutschlands...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tankrabatt verpufft: Millionen bleiben bei den Konzernen
16.06.2026

Der Tankrabatt sollte Autofahrer entlasten – doch nach Einschätzung von Experten kam ein Teil der Milliarden gar nicht bei ihnen an.

DWN
Politik
Politik EU stimmt US-Zolldeal zu – und droht mit Gegenzöllen
16.06.2026

Die EU macht den Weg für das Zollabkommen mit den USA frei, baut aber ein Sicherheitsnetz gegen neue Alleingänge aus Washington ein....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kostenfalle Deutschland: Was Betriebe heute wirklich zahlen
16.06.2026

Energie doppelt so teuer wie in den USA, Lohnstückkosten 22 Prozent über globalem Schnitt, Bürokratie bindet 7 Prozent der Arbeitszeit,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autokrise in China setzt VW und Mercedes unter Druck
16.06.2026

China galt jahrelang als Wachstumsmotor der Autoindustrie – doch nun brechen die Verkäufe massiv ein und setzen auch deutsche Hersteller...