Wirtschaft

Russland und China üben Druck aus – NASA plant Mond-Reaktor bis 2030

Die NASA will bis 2030 einen Mond-Reaktor bauen – im Wettlauf mit China und Russland. Hinter der Technik stehen geopolitische Machtfragen, die auch Europa betreffen.
06.09.2025 07:53
Lesezeit: 2 min

Geopolitischer Wettlauf um den Mond

Die NASA will bis 2030 einen 100-Kilowatt-Reaktor auf dem Mond bauen. Experten halten das Ziel für ehrgeizig, aber erreichbar. Befürworter sehen darin einen Durchbruch, Kritiker warnen vor rechtlichen Problemen und Monopolrisiken. Grundlage ist eine neue Direktive von Sean Duffy, dem kommissarischen NASA-Administrator und Verkehrsminister von US-Präsident Donald Trump. Er nennt den zunehmenden Druck aus Russland und China als Hauptgrund für die Beschleunigung. Beide Länder wollen bis Mitte der 2030er Jahre einen eigenen Mond-Reaktor errichten.

Duffy warnt, das erste Land könne eine Sperrzone ausrufen, die US-Pläne im Rahmen des Artemis-Programms behindern würde. Die neue Richtlinie sieht daher die Installation eines 100-Kilowatt-Systems am Südpol vor – genug Energie für rund 80 US-Haushalte. Ein gewaltiger Sprung, da aktuelle Weltraumreaktoren nur wenige hundert Watt erzeugen.

Laut Wired greift die NASA damit einen alten Plan auf, Kernenergie für Weltraummissionen nutzbar zu machen. Bhavya Lal, ehemalige NASA-Managerin, spricht von einer „transformierenden Wirkung“ – vergleichbar mit dem Wechsel vom Kerzenlicht zum Stromnetz. Details des Reaktors sind noch offen, doch er soll auch für Marsmissionen entscheidend sein. Transportiert werden soll er in einer Schwerlastkapsel mit bis zu 15 Tonnen Nutzlast, mit Uranbrennstoff, Kühlern und Schutzsystemen. Denkbar wäre eine Installation unter der Oberfläche, um Risiken zu minimieren. Technische Herausforderungen bleiben enorm: keine Atmosphäre, extreme Temperaturen und Staub, der Komponenten beschädigen könnte.

Atomkraftwerk auf dem Mond: Bedeutung für Deutschland

Kritiker warnen, dass der Zeitplan zu eng sei und Gelder von anderen Projekten abziehe. Astrophysiker Neil deGrasse Tyson spricht von riskanten Prioritäten. Auch nukleare Sicherheitsexperten warnen vor überhasteten Entscheidungen. Dennoch halten Fachleute das Projekt für machbar, wenn strenge Sicherheitsstandards eingehalten werden. „Die Technologie ist vorhanden, es fehlte bislang der politische Wille“, sagt Simon Middleburgh vom britischen Nuclear Futures Institute.

Für Deutschland hat der Wettlauf um den Mond-Reaktor doppelte Relevanz. Zum einen ist Berlin auf Kooperation mit den USA im Rahmen von Artemis angewiesen, zum anderen droht ein geopolitischer Machtverlust Europas, wenn China und Russland die erste Mondbasis mit Reaktor errichten. Deutsche Unternehmen aus Luft- und Raumfahrt könnten profitieren, falls die NASA europäische Partner einbindet. Gleichzeitig zeigt die Debatte, wie weit Europa von eigenen Plänen entfernt ist. Für Deutschland stellt sich die Frage, ob es sich im Weltraum auf die Rolle des Zulieferers beschränken kann oder technologisch eigene Ambitionen entwickeln muss.

Rechtliche Fragen und Risiken

Die Pläne werfen auch völkerrechtliche Probleme auf. Duffy sprach davon, „Amerikas Besitz“ zu sichern – ein klarer Bruch mit dem Weltraumvertrag von 1967, der territoriale Ansprüche verbietet. Rechtsexperten warnen, dass das Konzept von Sperrzonen missbraucht werden könnte. Gleichzeitig räumen einige ein, dass Sicherheitszonen sinnvoll sein können, um Strahlung und Risiken zu kontrollieren.

Juristen wie Michelle Hanlon weisen zudem auf First-Mover-Vorteile hin: Wer zuerst einen Mond-Reaktor baut, kann andere Staaten verdrängen. Auch die 2020 eingeführten Artemis-Abkommen sehen Schutzbereiche vor, denen China und Russland aber nicht beigetreten sind. Kritiker befürchten eine „Goldrausch-Mentalität“ im All – Konflikte um Ressourcen, Umweltzerstörung und Dominanz durch wenige Mächte. Damit könnte der Mond-Reaktor zum geopolitischen Machtinstrument werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Europäische Banken und Stromnetze sind interessant, zehn Prozent des Portfolios in Gold
20.09.2026

Der Glaube an künftige Gewinne besiegt offenbar noch die Angst vor teurerem Geld.

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: AfD in Hochrechnungen knapp vor SPD
20.09.2026

Zwei Landtagswahlen, ein bitterer Abend für die CDU: In Mecklenburg-Vorpommern droht der historische Verlust des Parlamentseinzugs, in...

DWN
Finanzen
Finanzen Investmentchancen: Korea, Luxus, Wasser – wo jetzt Rendite lockt
20.09.2026

Die Börsen stehen nahe ihren Rekorden, doch einige Anleger suchen ihre Chancen ausgerechnet dort, wo es zuletzt besonders wehgetan hat....

DWN
Panorama
Panorama KI-Kunst: Kreative Revolution oder seelenlose Kopie?
20.09.2026

Zurzeit gibt es viel Kritik an KI-generierter Kunst. Die Argumente klingen vertraut: „seelenlos“, „bloße Reproduktion des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeiten im Alter: Was Senioren wirklich im Job hält
20.09.2026

Ältere Beschäftigte werden auf dem Arbeitsmarkt plötzlich dringend gebraucht. Doch wer Senioren länger im Job halten will, kommt mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arktis-Korridor: Wird Russlands Nordroute zur Gefahr für europäische Häfen?
20.09.2026

Der Chef von Rosatom sagt: Russland müsste etwa 100 Milliarden Euro investieren, wenn es die Arktisroute in einen echten Logistikkorridor...

DWN
Politik
Politik Merz unter Druck: Öffnet sich für Söder das Kanzleramt?
20.09.2026

Markus Söder hat Kanzlerambitionen mehrfach ausgeschlossen. Doch nach dem CDU-Debakel in Sachsen-Anhalt und wachsendem Druck auf Friedrich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preiskrieg in der Autoindustrie: Warum Rabatte die Zukunft gefährden
20.09.2026

Europas Autobauer liefern sich einen Preiskampf ausgerechnet in einer Phase, in der sie Milliarden für ihre technologische Zukunft...