Wirtschaft

Verarbeitete Lebensmittel: Wie Konzerne Gesundheitsrisiken herunterspielen

Coca-Cola, Kraft und Mondelez gewinnen einen Prozess zu verarbeiteten Lebensmitteln. Doch Studien zeigen deutliche Gesundheitsgefahren – auch für Deutschland.
06.09.2025 09:44
Lesezeit: 1 min

Verarbeitete Lebensmittel in den USA

In den USA haben Coca-Cola, Kraft Heinz und Mondelez einen Prozess gewonnen, in dem ihnen vorgeworfen wurde, süchtig machende verarbeitete Lebensmittel herzustellen. Das Verfahren galt als Lackmustest, inwieweit Hersteller für Gesundheitsfolgen verantwortlich gemacht werden können. Kläger Bryce Martinez machte die Konzerne für seine Diabetes- und Fettleberdiagnose im Jugendalter verantwortlich.

Er argumentierte, die Konzerne hätten ähnliche Strategien genutzt wie die Tabakindustrie: Produkte seien trotz bekannter Risiken gezielt auf Abhängigkeit ausgelegt. Anteilseigner der Tabakkonzerne Philip Morris und RJ Reynolds waren zuvor an den Firmen beteiligt, aus denen Kraft Heinz und Mondelez hervorgingen. Ein Gericht in Philadelphia wies die Klage jedoch ab, da Martinez nicht präzise genug nachweisen konnte, welche Produkte seine Erkrankungen verursacht hätten. Zwar listete die Beschwerde über hundert Marken auf, doch konkrete Beweise fehlten, wie Retail Detail berichtete.

Politische Dimension und wissenschaftliche Befunde

Der Anwalt des Klägers kündigte weitere Schritte an und verwies auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Unter Donald Trump rückt das Thema zunehmend in den Fokus. US-Gesundheitsminister Robert Kennedy Jr. erklärte im Mai, die staatlichen Institute NIH und FDA würden künftig die Forschung zu verarbeiteten Lebensmitteln, Zucker und Zusatzstoffen verstärken. Seine Kommission verwies zudem auf Zusammenhänge zwischen Ernährung, Chemikalien, Stress, Medikamentengebrauch und chronischen Krankheiten bei Kindern.

Eine in JAMA Neurology veröffentlichte Studie belegt, dass verarbeitete Lebensmittel die Gehirnfunktion beeinträchtigen. Laut CNN zeigten Männer und Frauen, die viele hochverarbeitete Produkte konsumierten, einen um 28 Prozent schnelleren kognitiven Abbau sowie eine um 25 Prozent schnellere Verschlechterung der exekutiven Funktionen. Präventivmediziner David Katz bestätigte, die Ergebnisse stützten zumindest teilweise die Annahme, dass verarbeitete Lebensmittel die geistige Leistungsfähigkeit beschleunigt abbauen lassen.

Die Studie begleitete über zehn Jahre mehr als 10.000 Brasilianer, durchschnittlich 51 Jahre alt und überwiegend mit Hochschulabschluss. Die Teilnehmer absolvierten zu Beginn und am Ende Tests zu Erinnerungsvermögen, Sprachflüssigkeit und Worterkennung. Natalia Goncalves von der Universität São Paulo stellte fest, dass Personen mit mehr als 20 Prozent täglicher Kalorien aus verarbeiteten Lebensmitteln deutlich stärkere Leistungsverluste erlitten als Vergleichsgruppen.

Bedeutung für Deutschland

Auch in Deutschland wird über die gesundheitlichen Folgen verarbeiteter Lebensmittel gestritten. Studien verweisen auf steigende Fälle von Adipositas und Diabetes, insbesondere bei Jugendlichen. Kritiker fordern strengere Regulierung und Warnhinweise ähnlich wie bei Tabakprodukten. Für die deutsche Lebensmittelindustrie könnte dies erhebliche Folgen haben, da große Konzerne ähnlich wie in den USA mit Klagen oder verschärften Auflagen rechnen müssten. Der Fall zeigt, dass die Debatte um verarbeitete Lebensmittel längst nicht nur ein amerikanisches, sondern auch ein europäisches Problem ist.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kennzeichnung im Produktionstempo: Wie Brady die Industrie neu taktet

Produktionslinien laufen schneller denn je, doch die Rückverfolgbarkeit hinkt oft hinterher. Brady setzt genau hier an und zeigt, wie sich...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik „Strategische Partnerschaft“ mit der Ukraine: Deutschland vereinbart Rüstungsdeals mit Selenskyj
15.04.2026

Die finanzielle und militärische Hilfe für die Ukraine nimmt federführend durch Deutschland und Großbritannien an Fahrt auf. Nachdem...

DWN
Technologie
Technologie Novo Nordisk-Aktie: KI von OpenAI soll Pharmaentwicklung beschleunigen
15.04.2026

Novo Nordisk treibt den Einsatz von KI in der Pharmaindustrie voran und setzt dabei auf eine Kooperation mit OpenAI. Kann künstliche...

DWN
Politik
Politik Deutschlands Photovoltaik-Ausbau: Wie Solarstrom Europas Energiemarkt stabilisiert
15.04.2026

Deutschlands Photovoltaik-Ausbau gewinnt in einem angespannten geopolitischen Umfeld strategisch an Bedeutung für den europäischen...

DWN
Politik
Politik YouGov-Umfrage: AfD klar stärkste Kraft - Union stürzt auf schlechtesten Wert seit vier Jahren
15.04.2026

In einer YouGov-Umfrage kann sich die AfD deutlich von den anderen Parteien absetzen. Auch Grüne und Linke legen zu. Die einzigen, die...

DWN
Finanzen
Finanzen Neue Prognose der Deutschen Bank: US-Dollar verliert an Stärke
15.04.2026

Die Deutsche Bank sieht eine veränderte Ausgangslage an den Devisenmärkten und rät Marktteilnehmern zu einer Neuausrichtung ihrer...

DWN
Finanzen
Finanzen Finanzspritze vom Bund: Eine Milliarde Euro für Länder und Kommunen
15.04.2026

Der Bund greift hoch verschuldeten Kommunen unter die Arme. Doch nicht nur sie werden entlastet - sondern auch die reichsten Bundesländer.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Heidelberger-Druck-Aktie: Druckmaschinenhersteller steigt in Drohnenabwehr ein
15.04.2026

Das für Druckmaschinen bekannte Unternehmen Heidelberg steigt ins Rüstungsgeschäft ein. Die Traditionsfirma will ihren Standort in...

DWN
Finanzen
Finanzen Riester-Reform: Lohnt sich der alte Vertrag zur Riester-Rente noch?
15.04.2026

Der neu beschlossene Riester-Nachfolger für eine bessere Altersvorsorge bringt höhere Rendite-Chancen als die klassische Riester-Rente,...