Politik

Von der Leyen: Europa bereitet Plan für Truppen in der Ukraine vor

Europa plant, Truppen in die Ukraine zu entsenden – mit Unterstützung der USA. Doch unklare Friedensaussichten machen den Plan für Deutschland und die sogenannte "Koalition der Willigen" hochriskant.
02.09.2025 09:57
Lesezeit: 2 min
Von der Leyen: Europa bereitet Plan für Truppen in der Ukraine vor
Truppen in die Ukraine: Ursula von der Leyen kündigt präzisen Einsatzplan an. (Foto:dpa) Foto: Wiktor Dabkowski

Europäische Truppen für die Ukraine: Arbeit an ziemlich präzisem Plan

Die europäischen Hauptstädte arbeiten an einem „ziemlich präzisen Plan“ für die mögliche Stationierung militärischer Kräfte in der Ukraine. Der Schritt habe volle Unterstützung der USA, erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einem Interview mit der Financial Times über die von Europa vorbereiteten Sicherheitsgarantien für die Nachkriegszeit.

„Sicherheitsgarantien sind von größter Bedeutung“, sagte von der Leyen. „Wir haben einen klaren Plan und eine Vereinbarung mit dem Weißen Haus – die Arbeit läuft sehr gut.“ Geplant sei der Einsatz multinationaler Streitkräfte mit amerikanischer Unterstützung. „Präsident Donald Trump hat uns versichert, dass die Amerikaner beteiligt sein werden“, so von der Leyen. Die Truppen in die Ukraine könnten aus Zehntausenden Soldaten bestehen, geführt von Europa, während die USA Kommando- und Kontrollsysteme sowie Geheimdienstressourcen bereitstellen.

Sicherheitsgarantien nach einem Friedensabkommen

Von der Leyen betonte, eine Entsendung von Truppen sei „immer eine politische Entscheidung des betroffenen Staates“. Gleichwohl sei das Gefühl der Dringlichkeit groß. Sie kündigte zudem neue Finanzierungsquellen an, um die „nachhaltige Finanzierung der ukrainischen Streitkräfte“ sicherzustellen. Nach einem Friedensschluss werde Kiew eine große Zahl an Soldaten mit angemessenen Gehältern und moderner Ausrüstung benötigen – dazu müsse die EU beitragen.

Quellen der Financial Times zufolge wollen sich die führenden Staats- und Regierungschefs am Donnerstag in Paris auf Einladung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron treffen. Anwesend sein sollen Bundeskanzler Friedrich Merz, der britische Premierminister Keir Starmer, NATO-Generalsekretär Mark Rutte, Ursula von der Leyen und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.

Bedeutung für Deutschland

Für Deutschland hätte die Stationierung von Truppen in die Ukraine weitreichende Folgen. Bundeskanzler Friedrich Merz sprach im ZDF von einem „lang andauernden Krieg“, da er weder eine klare militärische Niederlage noch einen wirtschaftlichen Zusammenbruch auf russischer oder ukrainischer Seite erwarte. Damit stellt sich Berlin auf eine langfristige militärische und finanzielle Belastung ein. Eine deutsche Beteiligung an einem multinationalen Einsatz würde nicht nur Soldaten, sondern auch Milliarden an zusätzlichen Mitteln erfordern – mit direkten Auswirkungen auf Haushalt und Verteidigungsindustrie.

Sicherheitsgarantien für die Ukraine seien jedoch nur im Falle eines Friedensabkommens nötig – ein Szenario, das derzeit unwahrscheinlich wirkt. Russland signalisiert kein Interesse. Die Frist für ein bilaterales Treffen zwischen Selenskyj und Putin, die von US-Präsident Trump gesetzt wurde, ist bereits verstrichen. Während Washington von einer Zusage Moskaus sprach, verwies der Kreml lediglich auf Gespräche über die Delegationsebene. Trump erklärte am 21. August: „Wir werden in zwei Wochen wissen, ob in der Ukraine Frieden herrscht. Danach müssen wir möglicherweise andere Maßnahmen ergreifen.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Wandel im Vaping-Markt: Nachhaltigkeit und Kostendruck treiben Wechsel zu Mehrwegsystemen

Der Markt für E-Zigaretten durchlebt eine tiefgreifende Transformation. Lange Zeit galten Einweg-Vapes, popularisiert durch Marken wie Elf...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation steigt nach Ende des Tankrabatts auf 2,8 Prozent
30.07.2026

Der Tankrabatt ist ausgelaufen, der Iran-Krieg hält an: Für Verbraucher in Deutschland sind das schlechte Vorzeichen. Im Juli zog die...

DWN
Finanzen
Finanzen Meta-Aktie unter Druck: Wall Street zweifelt an Zuckerbergs KI-Offensive
30.07.2026

Mark Zuckerberg setzt bei Meta weiter auf große KI-Visionen. Doch an der Börse wächst die Skepsis: Trotz ambitionierter Pläne für...

DWN
Unternehmen
Unternehmen ZF verdient wieder Geld – doch die Last bleibt
30.07.2026

ZF schreibt nach zwei Verlustjahren wieder schwarze Zahlen und bestätigt seine Jahresziele. Doch fast zehn Milliarden Euro Schulden,...

DWN
Technologie
Technologie EU startet Milliardenprojekt für sieben KI-Gigafactories
30.07.2026

Knapp 10 Milliarden Euro Fördermittel stehen bereit – wer setzt sich im Rennen um Europas KI-Zukunft durch? Die Telekom, Schwarz Digits...

DWN
Finanzen
Finanzen MiCA-Regeln greifen: Warum Krypto-Anleger ihre Börse jetzt überprüfen sollten
30.07.2026

Seit dem 1. Juli gelten in der EU deutlich strengere Regeln für Krypto-Dienstleister. Wer europäischen Kunden Kryptohandel, Verwahrung...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bahn macht wieder Gewinn: Doch das Chaos bleibt
30.07.2026

Die Deutsche Bahn erzielt wieder einen Gewinn – doch der Erfolg täuscht über die größten Baustellen des Konzerns hinweg. Marode...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Analyse: Der Aktiencrash in Russland spiegelt die desolate Wirtschaftslage wider
30.07.2026

Während die Aktienkurse in weiten Teilen der Welt während des russischen Krieges gegen die Ukraine stark gestiegen sind, hat sich in...

DWN
Finanzen
Finanzen Adidas-Aktie: Ergebnis enttäuscht
30.07.2026

Die Adidas-Aktie gerät nach den Quartalszahlen massiv unter Druck, obwohl der Sportartikelhersteller seine Umsatzprognose anhebt. Höhere...