Politik

AfD-Todesfälle vor der NRW-Wahl: Polizei schließt Straftaten aus

Mittlerweile sieben AfD-Kandidaten sterben kurz vor der NRW-Wahl am 14. September. Die Polizei hat die Fälle untersucht – und schließt Straftaten aus. Welche Auswirkungen die Todesfälle auf den weiteren Wahlverlauf haben und wie die NRW-Kommunalwahl zum Stimmungstest für Schwarz-Rot wird.
03.09.2025 14:40
Lesezeit: 3 min

Nach dem Tod mehrerer AfD-Kandidaten kurz vor den anstehenden Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen kommen Fragen auf: AfD-Chefin Alice Weidel teilt auf X einen Post, in dem es heißt, das sei „statistisch fast unmöglich“. Später wird der Tod zweier weiterer AfD-Listenkandidaten bekannt. Es wird in den Raum gestellt, in Deutschland sei man zu politischen Morden übergegangen.

AfD-Todesfälle vor der Wahl: Polizei schließt Straftaten aus

Auf Anfrage der DPA schließen die jeweiligen Polizeibehörden in allen vier ursprünglichen Fällen Fremdverschulden aus. Auch ein hoher AfD-Funktionär aus Nordrhein-Westfalen äußerte sich in einem Podcast in diesem Sinne.

Ein Sprecher der Landeswahlleiterin teilt auf dpa-Anfrage mit, auch Kandidaten anderer Parteien und Wählervereinigungen seien nach ihrer Aufstellung zu den Wahlen gestorben. Zehn Todesfälle seien bekannt, vier davon beträfen die AfD. Es lägen keine Erkenntnisse vor, dass die Anzahl der Todesfälle signifikant erhöht wäre. Der Tod von zwei weiteren AfD-Listenkandidaten wurde erst nach der Antwort der Landeswahlleitung bekannt.

Das NRW-Innenministerium antwortet auf dpa-Anfrage, dass genauso Kandidaten anderer Parteien und Wählervereinigungen nach ihrer Aufstellung zu den Wahlen gestorben seien. In Hellenthal in der Eifel starb etwa Kommunalwahlkandidat Karl Reger von den Grünen. In Bad Münstereifel kann SPD-Kandidatin Eleonore Jüssen nicht mehr zur Wahl antreten, wie die Stadt mitteilt.

AfD-Landesvize: zurzeit keine Verdachtsmomente

Im Politico-Podcast Berlin Playbook vom 2. September 2025 gibt der AfD-Vize-Landeschef in Nordrhein-Westfalen, Kay Gottschalk, selbst hinsichtlich der sechs AfD-Todesfälle zu: "Das, was mir zurzeit vorliegt (...) bestätigt zumindest diese Verdachtsmomente im Moment nicht."

Nach «Politico»-Informationen liegen die Todesursachen der gestorbenen AfD-Politiker etwa bei Nierenversagen oder Herzinfarkt. Zudem habe es zum Teil lang bekannte, starke Vorerkrankungen gegeben. In den Fällen der beiden später bekannt gewordenen Listenkandidaten berichtet Politico von einer Leber-Vorerkrankung und einem Suizid.

Vier ursprünglichen Fälle im Einzelnen

  • Im Fall von Stefan Berendes, AfD-Kandidat für den Stadtrat in Bad Lippspringe, teilt die Polizei in Paderborn mit, es gebe keine Anzeichen für ein Fremdverschulden und deswegen auch keine weiteren Ermittlungen. Zur genauen Ursache des Todes im Alter von 59 Jahren halte man sich aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen bedeckt - wie in anderen Fällen auch. Der nordrhein-westfälische Ju-Jutsu-Verband schreibt in seinem Nachruf, Berendes sei «plötzlich und ohne jegliche Vorerkrankung mitten im Training» zusammengebrochen.
  • Im Fall von Wolfgang Seitz aus Rheinberg, der im Alter von 59 Jahren gestorben war, hatte die Polizei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. «Das ist aber nichts Besonderes, sondern Standard, wenn die Todesursache zunächst unklar ist», erläutert ein Polizeisprecher in Wesel. Bei dem Verfahren hätten sich dann keine Hinweise auf eine Straftat oder ein Fremdverschulden ergeben. Mit Hinweis auf das Persönlichkeitsrecht und Rücksicht auf die Angehörigen des Verstorbenen wird auch hier eine genaue Todesursache nicht genannt. AfD-Vize-NRW-Chef Gottschalk sagt bei «Politico», bei Seitz habe es eine Vorerkrankung gegeben.
  • Bei Wolfgang Klinger (Jahrgang 1953), AfD-Kandidat in Schwerte, teilt die Polizei in Unna mit, der Kommunalwahlkandidat sei eines natürlichen Todes verstorben. In eindeutigen Fällen wie diesem werde kein Todesermittlungsverfahren eingeleitet.
  • Im Fall von Ralph Lange (Jahrgang 1958), AfD-Kandidat in Blomberg, teilt die Polizei in Bielefeld mit, es liege eine natürliche Todesursache vor. Entsprechend sei kein Todesermittlungsverfahren eingeleitet worden. Wie Seitz und Klinger war auch Lange nach «Politico»-Angaben «stark vorerkrankt».

Auswirkungen auf die Wahlen

Die Todesfälle haben Auswirkungen auf die Wahl: Anstatt der Gestorbenen wird die AfD nun Ersatzkandidaten aufstellen, die zur Wahl antreten. Stimmzettel müssen kurzfristig neu gedruckt werden und Briefwähler müssen neu wählen. Die in dem betroffenen Wahlbezirk bereits ausgestellten Wahlscheine verlieren ihre Gültigkeit.

In einem Bundesland wie Nordrhein-Westfalen mit mehr als 18 Millionen Einwohnern werden für die Kommunalwahl am 14. September 2025, bei der Bürgermeister, Stadt- und Kreistage sowie Landräte gewählt werden, Tausende Kandidaten aufgestellt. NRW ist das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands.

AfD: Hoher Stimmenzuwachs wahrscheinlich

Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, glaubt, dass sich die AfD auf kommunaler Ebene in NRW festsetzen könne. Er spricht von einer „Westwanderung“ der bislang hauptsächlich in ostdeutschen Bundesländern starken Partei. Schon bei der Bundestagswahl erhielt die in Teilen rechtsextremistische AfD 16,8 Prozent der Stimmen im Bundesland. Bei der Kommunalwahl kann die Partei laut einer Forsa-Umfrage mit 14 Prozent rechnen – was im Vergleich zur Kommunalwahl 2020 einen Zuwachs von neun Punkten bedeuten würde. Für die Sozialdemokraten, aber auch für die Union, sind die Befunde brisant, ist doch die Kommunalwahl am 14. September der erste Stimmungstest in der Amtszeit der schwarz-roten Bundesregierung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Welche Funktionen sind 2026 bei Trading-Plattformen wirklich wichtig?

Trading-Plattformen entwickeln sich rasant weiter. Im Jahr 2026 geht es längst nicht mehr nur darum, Wertpapiere oder andere...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Massenverrentung: Die Ruhestandswelle bedroht ganze Unternehmen
01.08.2026

Die Ruhestandswelle rollt auf die Unternehmen zu, doch viele Betriebe sind kaum vorbereitet. Mit jedem erfahrenen Mitarbeiter drohen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Rally bei Tech-Aktien beendet volatile Woche
31.07.2026

Erfahren Sie, welche Kräfte die Wall Street derzeit bewegen und was das für Anleger bedeutet.

DWN
Finanzen
Finanzen Intel-Aktie: Der Chip-Hersteller, dessen Aktienkurs raketenartig gestiegen ist, hat einen hohen Preis
31.07.2026

Intel ist an der Börse wieder auf der Startrampe. Die Intel-Aktie ist seit Jahresbeginn explodiert, die Quartalszahlen überraschten...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Tsuga: Datenseilakt mit Netz und doppeltem Boden
31.07.2026

KI lässt die Datenmengen in Unternehmen explodieren – und stellt bisherige Cloud-Modelle infrage. Tsuga-Gründer Gabriel-James Safar...

DWN
Finanzen
Finanzen Kospi-Index: Wie der KI-Boom Anleger in die Schuldenfalle lockte
31.07.2026

Einige Anleger wollten mit KI-Aktien schnell reich werden, nun kämpfen sie um ihre Ersparnisse. Der Kospi-Index ist nach einer...

DWN
Politik
Politik Zeitfaktor im EU-Prozess: Moldaus Präsidentin Sandu drängt auf zügige Beitrittsverhandlungen
31.07.2026

Im Ringen um den Beitritt zur Europäischen Union fordert Moldau mehr Tempo von den Partnerstaaten. Präsidentin Maia Sandu unterstreicht...

DWN
Politik
Politik FIFA Krise: Infantino gerät wegen Investorenplänen unter Druck - Länder drohen WM mit Boykot
31.07.2026

FIFA-Präsident Gianni Infantino verliert wegen seiner Investorenpläne weiter an Rückhalt. Die UEFA droht mit einem WM-Boykott, Verbände...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schaeffler-Aktie bricht ein: Schwache E-Auto-Aussichten schocken Anleger
31.07.2026

Die Schaeffler-Aktie gerät nach gekappten Mittelfristzielen massiv unter Druck. Der Auto- und Industriezulieferer rechnet wegen der...