Politik

Frankreich-Proteste: Hunderttausende gegen Sparpläne und Regierung

Hunderttausende Menschen ziehen durch Frankreichs Straßen, Schulen und Bahnen stehen still. Die Wut über Macrons Personalentscheidungen und die umstrittenen Sparpläne entlädt sich in massiven Protesten. Während der neue Premierminister Lecornu um einen Haushaltskompromiss ringt, wächst der Druck auf eine Regierung, die zwischen Schuldenlast und politischem Stillstand taumelt.
18.09.2025 13:56
Aktualisiert: 18.09.2025 13:56
Lesezeit: 2 min

Massenproteste in Frankreich: Hunderttausende unterwegs

Zu den in vielen Städten geplanten Demonstrationen werden bis zu 900.000 Menschen erwartet. Um Ausschreitungen zu verhindern, sind etwa 80.000 Polizisten und Gendarmen im Einsatz. Landesweit wurden mehr als 250 Demonstrationen angemeldet. Der Pariser Polizeipräfekt forderte Ladeninhaber auf, ihre Geschäfte zu schließen. Die Regierung empfahl Beschäftigten, möglichst im Homeoffice zu bleiben.

Erste Proteste seit dem Morgen

Bereits seit den frühen Morgenstunden finden vor allem in Paris und Marseille Demonstrationen statt, berichtet die französische Zeitung Le Monde.

Gewerkschaften vereint auf der Straße

Es ist das erste Mal seit Juni 2023, dass sich die Gewerkschaften auf den französischen Straßen gemeinsam zeigen, um Einfluss auf politische Haushaltsverhandlungen zu nehmen. Damals protestierten mehrere hunderttausend Franzosen gegen eine neue Rentenreform, die Präsident Macron durchsetzen wollte.

Erinnerung an die Gelbwesten

Viele erinnern sich auch an die Gelbwesten, die 2018 und 2019 die Straßen füllten und mit denen Politico die heutigen Demonstrationen vergleicht.

Blockaden und Streiks belasten den Tag

Am Donnerstagmorgen blockierten Demonstranten mehrere Bildungseinrichtungen am Eingang. Die Proteste sollen voraussichtlich den ganzen Tag anhalten, wobei auch der öffentliche Nahverkehr betroffen sein könnte, da gleichzeitig Streiks angekündigt wurden.

Kritik an Personalentscheidungen und Sparplänen

Die Proteste haben mehrere Gründe. Zum einen herrscht Unzufriedenheit über Macrons Ernennung des früheren Verteidigungsministers Sébastien Lecornu, der letzte Woche als Premierminister vorgestellt wurde. Er ist bereits der fünfte in nur zwei Jahren.

Zum anderen stößt auch die Sparpolitik des inzwischen gestürzten Premierministers François Bayrou auf Ablehnung. Er wollte 44 Milliarden Euro einsparen, unter anderem durch das Streichen von zwei Feiertagen.

Neuer Premier sucht Kompromiss

Sein Nachfolger Sébastien Lecornu berät derzeit mit Vertretern der Parteien, um einen Haushaltskompromiss für das hoch verschuldete Land zu erzielen. Der geplanten Streichung von Feiertagen hat er bereits eine Absage erteilt. Zudem kündigte er gewisse Einschränkungen bei Privilegien für ehemalige Premierminister an.

Frankreichs hohe Schulden belasten

Frankreich hat inzwischen einen der höchsten Schuldenstände Europas. Mit Schulden in Höhe von 114 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) lag es im vergangenen Jahr europaweit an dritter Stelle hinter Griechenland und Italien. Das Defizit erreichte im vergangenen Jahr 5,8 Prozent des BIP. Die Rating-Agentur Fitch stufte Frankreichs Bonität deshalb in der vergangenen Woche herab.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienmarkt in Gefahr: Investoren warnen vor Eskalation im Iran-Konflikt
25.03.2026

Die Märkte geraten ins Wanken, während geopolitische Spannungen eskalieren. Investoren befürchten nach den Drohungen eines eskalierenden...

DWN
Politik
Politik Russlands Ölexport unter Beschuss: Energiekrieg erreicht neue Stufe
25.03.2026

Explosionen in russischen Ostseehäfen lassen den Ölfluss abrupt versiegen. Die Angriffe treffen Moskaus Energieinfrastruktur empfindlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarif-Durchbruch in der Chemie: Mehr Geld und Jobgarantie für 585.000 Beschäftigte
25.03.2026

Lohnplus trotz Krise: Die rund 585.000 Beschäftigten der deutschen Chemie- und Pharmabranche erhalten künftig deutlich mehr Geld. Nach...

DWN
Politik
Politik Turbo für die Verteidigung: EU plant Millionen-Spritze für Militär-Innovationen
25.03.2026

Die EU-Kommission will die militärische Schlagkraft Europas durch schnellere Innovationszyklen sichern. Ein neues Förderinstrument namens...

DWN
Politik
Politik Digitale Gewalt: Was die Regierung jetzt plant
25.03.2026

Deepfakes, Überwachung, intime Bilder – digitale Gewalt nimmt zu, und der politische Druck wächst. Die Bundesregierung arbeitet an...

DWN
Politik
Politik Recht auf Reparatur: So sparen Sie künftig Geld bei Handy, Waschmaschine & Co.
25.03.2026

Schluss mit der Wegwerf-Kultur: Das neue „Recht auf Reparatur“ soll die Lebensdauer von Haushaltsgeräten und Smartphones deutlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BASF-Aktie: Mega-Werk in China eröffnet – Wachstumschance oder riskante Wette?
25.03.2026

Der Chemieriese BASF setzt voll auf Expansion: Mit der offiziellen Eröffnung des neuen Verbundstandorts in Zhanjiang nimmt der...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilien-Hammer 2026: Steigende Preise und Zins-Schock durch Iran-Krieg
25.03.2026

Immobilienkäufer stehen vor einer Doppelbelastung: Erstmals seit 2022 ziehen die Preise wieder an (+3,2 %), während der Iran-Krieg die...