Politik

FCAS: Scheitert das Kampfjet-Projekt am Streit zwischen Deutschland und Frankreich?

Der Milliardenstreit um das Kampfjet-Projekt FCAS eskaliert. Deutschland erwägt, Frankreich auszuschließen – und prüft Alternativen mit Schweden oder Großbritannien.
22.09.2025 11:37
Aktualisiert: 22.09.2025 11:47
Lesezeit: 1 min

Kampfjet-Projekt der Zukunft: Deutschland droht mit Alleingang

Die Spannungen zwischen Berlin und Paris über das 100 Milliarden Euro teure europäische Kampfjet-Programm FCAS (Future Combat Air System) spitzen sich zu. Laut Politico erwägt die Bundesregierung inzwischen, Frankreich durch Schweden oder sogar das Vereinigte Königreich zu ersetzen, falls der Konflikt bis Jahresende ungelöst bleibt.

Das 2017 gestartete Programm soll bis 2040 die französischen Rafale-Jets und den Eurofighter Typhoon ablösen. FCAS umfasst jedoch weit mehr als ein einzelnes Flugzeug – es soll ein umfassendes System der nächsten Generation werden, bestehend aus Kampfjet, Drohnen und vernetzter Cloud-Infrastruktur.

Quellen zufolge hat das Verteidigungsministerium in Berlin die Thematik letzte Woche mit Airbus erörtert, das für den deutschen Part von Entwicklung und Produktion verantwortlich ist. Dabei zeigte sich, dass Deutschland unzufrieden mit dem Wunsch der französischen Industrie ist, eine dominierende Rolle einzunehmen.

Berlin prüft daher, das Projekt notfalls ohne Frankreich weiterzuführen – gemeinsam mit Spanien und eventuell neuen Partnern wie Schweden oder Großbritannien. Während Dassault den französischen Anteil verantwortet, übernimmt Indra den spanischen Part.

Ursprünglich war vereinbart worden, die Arbeit gleichmäßig zwischen den drei Ländern aufzuteilen. Deutsche Medien berichteten jedoch bereits im Sommer, Dassault wolle bis zu 80 Prozent der Kontrolle. Offiziell bestreiten Pariser Regierungsvertreter diese Pläne, räumen jedoch ein, dass Dassault mehr Entscheidungsbefugnisse verlange, um Airbus und Indra nicht ständig konsultieren zu müssen.

Bedeutung für Deutschland

Bundeskanzler Friedrich Merz ließ durch Sprecher Stefan Cornelius erklären, dass Berlin an einer fairen Lastenteilung festhalte: „Die Arbeitsteilung dieses Waffenprojekts muss gemäß Vertrag erfolgen.“ Während Paris auf exklusive Führungsrollen pocht, betont Berlin den vertraglich vereinbarten Gleichklang mit Spanien. Für Deutschland steht nicht nur ein Prestigeprojekt auf dem Spiel, sondern auch die künftige Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr, die den Eurofighter ersetzen will. Zudem geht es um die Frage, ob deutsche Rüstungsindustrie langfristig unabhängig agieren kann oder sich in französische Abhängigkeit begibt.

Im Juli hatten sich beide Seiten auf eine Lösung im Herbst geeinigt. Bis Jahresende soll entschieden werden, ob Phase zwei von FCAS startet, in der die Unternehmen einen Demonstrator des Jets bauen müssten.

Die Aufnahme neuer Partner wäre eine Zäsur. Großbritannien leitet bereits das konkurrierende Global Combat Air Programme (GCAP) mit Italien und Japan. Ob BAE Systems parallel ohne Interessenkonflikte an FCAS mitarbeiten könnte, ist zweifelhaft. Schweden wäre dagegen ein realistischerer Kandidat: Saab verfügt mit dem Gripen über Erfahrung in Avionik, Sensorik und Leichtflugzeugbau – und nimmt laut Politico nicht mehr am britisch-italienisch-japanischen GCAP teil.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Inflation und Deflation zugleich - Wohin steuert das Finanzsystem?

Die wirtschaftlichen Signale aus den USA, China und Europa werden widersprüchlicher. Während der Preisdruck nachlässt, verliert der...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Marius Vaitiekūnas

Zum Autor:

Marius Vaitiekūnas ist ein ausgewiesener Experte für Geopolitik und internationale Wirtschaftsverflechtungen. Geboren 1985 in Kaunas, Litauen, schreibt er als freier Autor regelmäßig für verschiedene europäische Medien über die geopolitischen Auswirkungen internationaler Konflikte, wirtschaftlicher Machtverschiebungen und sicherheitspolitischer Entwicklungen. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind die globale Energiepolitik und die sicherheitspolitischen Dynamiken im osteuropäischen Raum.

DWN
Finanzen
Finanzen Wie Fintechs Banken herausfordern – und Anleger profitieren können
16.08.2026

Millionen Kunden eröffnen Konten bei Revolut, N26 oder Trade Republic – oft zunächst nur zusätzlich zur Hausbank. Doch aus der...

DWN
Finanzen
Finanzen Künstliche Intelligenz greift nach Ihrer Rente - und zwar an zwei Fronten
16.08.2026

Erstens geht es um die Exponierung von Pensionsfonds gegenüber KI. Zweitens stellt sich die Frage, welche Kasse die meisten Menschen im...

DWN
Panorama
Panorama Schlecht vorbereitet bei Waldbränden? Experte sieht Lücken im System
16.08.2026

Ein dichtes Netz an Feuerwehren schützt Deutschland bislang vor vielen größeren Waldbränden. Doch Ausbildung, Einsatzverfahren und...

DWN
Finanzen
Finanzen Millionenbetrug an Bankkunden: Ermittler heben Netzwerk aus
16.08.2026

Eine Gruppe Krimineller soll Bankkunden um Millionen betrogen haben. Ermittler aus Deutschland und Brasilien nahmen nach Durchsuchungen...

DWN
Finanzen
Finanzen Kunstmarkt vor der Erbschaftswelle: Für Milliardenwerte fehlen plötzlich Käufer
16.08.2026

Kunst im Wert von rund 860 Milliarden Euro wechselt in den kommenden Jahren die Generation. Doch aus wertvollen Sammlungen können für...

DWN
Finanzen
Finanzen Adieu Frankreich, adieu Deutschland: Wohin Europas Reiche ziehen
16.08.2026

Politische Unsicherheit, hohe Steuern: Das sind die wichtigsten Gründe, warum Reiche die zwei stärksten Länder Europas verlassen. Wohin...

DWN
Panorama
Panorama Konsumflaute trifft Camping-Boom: Jetzt mobile Kaffeemaschinen kaufen und bares Geld sparen!
16.08.2026

Camping boomt, Reisen bleibt beliebt – doch gleichzeitig sitzt das Geld bei vielen Verbrauchern nicht mehr so locker. Genau in diesem...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft China-Schock 2.0 gefährdet Europas industrielle Stärke
15.08.2026

China war einst die Werkbank für Spielzeug, Textilien und billige Elektronik. Heute drängen chinesische Unternehmen bei Autos, Maschinen...