Wirtschaft

Neue Handelspartner nach Trump-Zöllen: EU stellt Freihandelsabkommen in Aussicht

Nach den Trump-Zöllen sieht es für die EU-Exportwirtschaft nicht gut aus. Brüssel reagiert mit Initiativen für neue Freihandelsabkommen, um wichtige Märkte zu sichern und die Abhängigkeit von den USA zu verringern. Dabei kommt das Mercosur-Abkommen ins Spiel.
28.09.2025 09:42
Lesezeit: 3 min

Neue Handelspartner durch Freihandelsabkommen

Trumps Zölle haben die globalen Handelsbeziehungen verändert und Europa dazu veranlasst, seine Partnerbasis zu diversifizieren. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat der exportorientierten deutschen Wirtschaft weitere Freihandelsabkommen in Aussicht gestellt und betont, dass die EU ihr Handelspotenzial außerhalb der USA ausbauen wolle. Das Zollchaos mit den USA, die geopolitischen Spannungen rund um den Ukraine-Krieg und die Krisen im Nahen Osten machen den internationalen Handel schwieriger. Europa braucht verlässliche Partner und streckt die Fühler in viele Richtungen aus. Besonders wichtig dabei ist das vereinbarte Mercosur-Abkommen mit den südamerikanischen Staaten Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay.

Freihandelszone durch Mercosur-Abkommen

Das EU-Mercosur-Abkommen ist eine historische Vereinbarung nach rund 20 Jahren Verhandlungen. Am 6. Dezember 2024 haben die EU und die Mercosur-Staaten eine politische Einigung über das Abkommen erzielt. Der Text wurde von der EU-Kommission an die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament weitergeleitet. Eine endgültige Zustimmung steht noch aus: das Abkommen muss noch von den nationalen Parlamenten und dem Europäischen Parlament ratifiziert werden. Wenn es vollständig in Kraft tritt, würde es einen Markt mit mehreren hundert Millionen Menschen schaffen (Quellen sprechen von mehr als 700 Millionen) und wäre wirtschaftlich sehr bedeutend. In manchen Vergleichen wird die kombinierte Wirtschaftsleistung mit einem hohen Anteil am weltweiten BIP beziffert. Präzise Größenangaben hängen davon ab, welche Länder und Methoden man einbezieht, deshalb habe ich die Formulierungen entsprechend abgeschwächt.

Der Fokus des Abkommens liegt auf dem Abbau von Zöllen und anderen Handelshemmnissen, um Märkte für europäische Unternehmen zu öffnen und den Handel mit strategischen Rohstoffen sowie mit Maschinen, Fahrzeugen und Chemikalien zu erleichtern. Umwelt- und Landwirtschaftsorganisationen stehen dem Abkommen kritisch gegenüber: Sie befürchten Anreize für eine intensivierte Landwirtschaft mit negativen Folgen für Klima und Biodiversität und zweifeln an der Durchsetzung von Umwelt- und Sozialstandards.

Strategisch wichtige Bedeutung für die EU

Die wirtschaftliche Bedeutung des Abkommens wird auf EU- und Mercosur-Seite hoch eingeschätzt. „Da Russland aufgrund des Ukraine-Krieges praktisch aus dem europäischen Handelsraum verschwunden ist und die USA ihre innenpolitische Agenda priorisieren, muss Europa seine Rohstoff-, Nahrungsmittel- und Energiequellen diversifizieren und Beziehungen zu stabilen und wirtschaftlich komplementären Regionen sicherstellen“, sagt die argentinische Außenhandelsexpertin Yanina Soledad Lojo. Auf europäischer Seite besteht ein besonderes Interesse am besseren Zugang zu landwirtschaftlichen Produkten wie Fleisch, Soja, Mais, Ethanol und Zitrusfrüchten. Südamerikanische Länder wiederum drängen auf besseren Marktzugang für Maschinen, Arzneimittel, Autos und Industrieprodukte mit hoher Wertschöpfung.

Europa muss neue Wege gehen

Der EU-US-Konflikt um Zölle und Handel hat Brüssel veranlasst, parallele Partnerschaften zu forcieren. Zwischen der EU und den USA wurde im Sommer 2025 ein Rahmenabkommen beziehungsweise Joint-Statement angekündigt, das verschiedene kommerzielle Zusagen enthält. Die EU hat angekündigt, US-Energieprodukte in großem Umfang zu beziehen. In offiziellen Dokumenten ist von einem erwarteten Volumen in Höhe von etwa 750 Milliarden US-Dollar bis 2028 die Rede sowie von zusätzlichen Investitionen in die USA in Höhe von rund 600 Milliarden US-Dollar. Parallel wurde auf Ebene der Gespräche ein generelles Tarifniveau von 15 Prozent für bestimmte Güter diskutiert. Bestimmte Metallerzeugnisse wie Stahl und Aluminium blieben allerdings von Ausnahmen betroffen und für diese Produkte wurden in den Vereinbarungsentwürfen hohe Sätze von bis zu 50 Prozent thematisiert. Alle Detailregelungen sind teils noch zu präzisieren.

Wirtschaftsverbände: Wettbewerbsfähigkeit gefährdet

Die Wirtschaftsverbände ZDH, BDA, BDI und DIHK haben erklärt, dass sie die Wettbewerbsfähigkeit ganzer Regionen in der EU gefährdet sehen. Ihre Forderungen reichen von Bürokratieabbau und besseren Energiepreisen über Fachkräfte- und Mittelstandsförderung bis hin zu neuen Handelsabkommen, um die Wettbewerbsposition Europas zu stärken. Von der Leyen hat Schritte in diese Richtung angekündigt, darunter Maßnahmen zur Entlastung bei Bürokratiekosten in Milliardenhöhe, die aber noch in konkrete Rechtsakte und Haushaltspläne gegossen werden müssen. Von der Leyen hat daneben weitere Freihandelsabkommen in Aussicht gestellt und betont, dass die EU das Handelspotenzial außerhalb der USA gezielt ausweiten will.

Weitere Freihandelsabkommen in Vorbereitung

Wie die EU-Kommissionspräsidentin ausführte, sollen mit mehreren Partnern die Verhandlungen deutlich vorangetrieben werden. Sie sprach jüngst davon, dass ein Abkommen mit Indien noch im laufenden Jahr abgeschlossen werden solle. Außerdem nannte sie Gespräche mit Südafrika, Malaysia und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Neben dem Mercosur-Abkommen laufen parallel auch Modernisierungen bestehender Abkommen oder neue Verhandlungen mit Partnern wie Mexiko und der Schweiz. Ziel ist es, die Handelsbeziehungen breiter aufzustellen, den Zugang zu Wachstumsmärkten zu sichern und Europas Position im globalen Wettbewerb zu stärken.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-Aktie: Musk verspricht jedem US-Kind eine Aktie seiner Weltraumfirma
20.10.2026

Jedes Kind in den USA soll von Elon Musk eine Aktie seiner Weltraumfirma SpaceX bekommen. Wie genau das passieren soll, ist noch unklar....

DWN
Finanzen
Finanzen Staatsverschuldung: Wie teuer Deutschlands Schulden jetzt werden
20.10.2026

Deutschlands Staatsschulden wachsen, während die Zinsen an den Anleihemärkten steigen. Der Bund muss immer mehr Geld aufnehmen und...

DWN
Politik
Politik Sonntagsumfrage: AfD bleibt stärkste Kraft
20.10.2026

Die AfD liegt in der YouGov-Umfrage weiter vorn, während sich bei mehreren Parteien kaum etwas bewegt. Welche Verschiebungen es im...

DWN
Finanzen
Finanzen Vier Jahre Kursentwicklung an der Wall Street: Jetzt wird der Aufschwung auf die Probe gestellt
20.10.2026

Der US-Aktienmarkt hat sich in vier Jahren mehr als verdoppelt. Doch hohe Zinsen und Finanzierungssorgen für den KI-Boom haben nun für...

DWN
Finanzen
Finanzen Buffer-ETFs: Warum der Airbag fürs Depot vor allem Rendite kostet
20.10.2026

Buffer-ETFs versprechen Aktienrenditen ohne die schlaflosen Nächte. In den USA ist daraus ein 78-Milliarden-Dollar-Business geworden, in...

DWN
Politik
Politik Verhandlungen ohne Selenskyj: Trump plant Dreier-Treffen mit Putin und Xi
20.10.2026

US-Medienberichten zufolge könnte sich ein Treffen mit Putin und Xi im November am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft E20-Benzin wartet auf grünes Licht: Wird der Kraftstoff günstiger?
20.10.2026

Drei deutsche Europaabgeordnete fordern Brüssel auf, E20-Benzin einzuführen. Sie argumentieren unter anderem damit, dass ein höherer...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Markt hat den Verstand verloren: Ich kaufe heute Micron-Aktien nach
20.10.2026

Die Micron-Aktie ist seit ihrem Sommerhoch um fast 30 Prozent gefallen, allein in fünf Handelstagen verlor sie rund 15 Prozent. Technische...