Finanzen

Lufthansa-Aktie reagiert positiv auf geplanten Lufthansa Stellenabbau – Streik droht

Die Lufthansa plant tiefgreifende Veränderungen: Stellenabbau, neue Gewinnziele und drohende Tarifkonflikte prägen die Schlagzeilen. Anleger blicken gespannt auf die Lufthansa-Aktie – doch wie wirken sich diese Entwicklungen wirklich aus?
29.09.2025 10:37
Lesezeit: 4 min

Lufthansa-Aktie reagiert positiv: Lufthansa will 4.000 Stellen streichen

Der Lufthansa-Konzern (ISIN: DE0008232125) plant bis zum Jahr 2030 den Abbau von rund 4.000 Stellen in der Verwaltung. Dabei sollen die Prozesse künftig digitalisiert, automatisiert und gebündelt werden, wie das Unternehmen zum Kapitalmarkttag in München mitteilte. Damit bestätigte der Konzern unbestätigte Berichte aus der Vorwoche. Der Stellenabbau betrifft nach Angaben des Unternehmens vor allem die Lufthansa-Verwaltung und nicht die "operativen Rollen".

Europas größtes Luftverkehrsunternehmen, das zuletzt rund 103.000 Beschäftigte zählte, setzt damit auf tiefgreifende Veränderungen. Insbesondere der Bereich Lufthansa-Verwaltung soll effizienter aufgestellt werden. Ziel ist es, die Kostenbasis zu verschlanken und das Unternehmen nachhaltig profitabler zu machen. Die Lufthansa-Aktie reagierte im frühen Montagshandel positiv auf den angekündigten Stellenabbau.

Höhere Finanzziele und Dividendenpolitik

Parallel zum geplanten Lufthansa-Stellenabbau hob das Management auch die mittelfristigen Finanzziele an. Künftig will der Konzern einen operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) von 8 bis 10 Prozent des Umsatzes erzielen. Zuvor lag die Zielmarke bei acht Prozent. Für das laufende Jahr zeigt sich das Management zuversichtlich: Der operative Gewinn vor Sonderposten soll den Vorjahreswert von 1,6 Milliarden Euro wie geplant deutlich übertreffen.

Die Lufthansa-Aktie steht damit stärker im Fokus der Investoren. Denn langfristig soll der Konzern durch diese Maßnahmen attraktivere Renditen erwirtschaften. Die Anteilseigner können auch weiterhin mit einer Dividende von 20 bis 40 Prozent des Konzerngewinns rechnen. Für Anleger bedeutet dies, dass die Lufthansa-Aktie trotz der aktuellen Herausforderungen Chancen auf Wertsteigerung bietet.

Zentrale Steuerung der Airlines

Um die Geschäfte profitabler zu machen, sollen die verschiedenen Fluggesellschaften enger zusammengefasst und zentral gesteuert werden. Neben der Kernmarke Lufthansa gehören dazu auch Swiss, Austrian und Brussels Airlines. Zudem ist der Konzern Minderheitseigner der italienischen Ita. Auch die Direktfluggesellschaft Eurowings soll gestärkt werden.

Darüber hinaus setzt das Management auf die Bereiche Logistik und Wartung, die vor allem im Wachstumsfeld Verteidigung eine wichtige Rolle spielen sollen. Damit möchte der Konzern neue Geschäftsfelder erschließen und seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern.

Kommt der nächste Piloten-Streik?

Während die Lufthansa-Aktie von den Plänen zum Stellenabbau und zur höheren Profitabilität profitiert, droht zugleich neuer Ärger mit den Piloten. An diesem Dienstag endet die Urabstimmung der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Sie hat ihre Mitglieder bei der Lufthansa Kerngesellschaft und der Frachttochter Lufthansa Cargo aufgerufen, über einen Arbeitskampf zu entscheiden. Streitpunkt sind die Betriebsrenten.

Nach Angaben der VC sind mindestens 70 Prozent Zustimmung der Abstimmungsberechtigten erforderlich, um Streiks auf den Weg zu bringen. Enthaltungen oder Nicht-Teilnahmen werden als Nein-Stimmen gewertet. Ein sofortiger Streik nach der Auszählung gilt als unwahrscheinlich. Häufig wurde der Lufthansa nach Ablauf einer Urabstimmung noch Gelegenheit gegeben, ein neues Angebot vorzulegen.

Verhärtete Fronten in den Tarifgesprächen

In der Sache geht es um Betriebsrenten und Übergangsversorgungsansprüche von rund 4.800 Pilotinnen und Piloten. Die Gewerkschaft verlangt deutlich höhere Arbeitgeberbeiträge zu den Rentenfonds. In bislang sieben Verhandlungsrunden konnte jedoch keine Einigung erzielt werden. Jens Ritter, Chef der Kernmarke Lufthansa Airlines, dämpfte die Erwartungen: "Unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erlaubt schlichtweg keinerlei Mehrbelastungen. Wir haben nicht ansatzweise das Geld für eine weitere Verbesserung der ohnehin schon sehr guten betrieblichen Altersvorsorge."

Nach seinen Angaben würde die Erfüllung der Gewerkschaftsforderung einen jährlichen Kostenanstieg von 228 Millionen Euro bedeuten. "Das wäre mehr als eine Verdoppelung", rechnete Ritter vor. "Die Erfüllung dieser Forderung wäre nicht nur unverantwortlich für unsere Airline, sondern schlichtweg nicht bezahlbar."

Herausforderungen für die Lufthansa-Aktie

Neben den Verhandlungen mit den Piloten hat auch die Flugbegleitergewerkschaft Ufo die Gespräche über eine einheitliche Tariflösung für das Kabinenpersonal für gescheitert erklärt. Stattdessen will sie die Forderungen künftig getrennt für jede Airline durchsetzen. Die Lufthansa steht damit vor großen Herausforderungen: Der geplante Lufthansa-Stellenabbau, die Digitalisierung der Verwaltung und die Zentralisierung der Konzernstruktur sind langfristige Maßnahmen. Gleichzeitig sorgen Tarifkonflikte für Unsicherheit. Dennoch gilt die Lufthansa-Aktie unter Analysten als aussichtsreich. Trotz der Belastungen bleibt das Papier im MDAX langfristig attraktiv. Experten verweisen auf das Aufwärtspotenzial der relativ günstig bewerteten Anteilscheine. Wer bereits investiert ist, sollte nach Meinung von Marktbeobachtern an Bord bleiben.

Zum Start in den Börsenhandel am Montag legte die Lufthansa-Aktie annähernd ein Prozent zu und kletterte über die Marke 7,85 Euro. Zeitweise stiegen die Papiere der Kranich-Linie um 2,2 Prozent, schafften es damit aber nur knapp über das Hoch vom Freitag. Insgesamt haben die Lufthansa-Sktien in fünf Handelstagen nun mehr als 8 Prozent zugelegt, das Jahreshoch vom August bei 8,386 Euro rückt wieder ins Visier. Analyst Harry Gowers von JPMorgan sprach von "bullischen Mittelfristzielen", die anlässlich der Investorenveranstaltung in München ausgegeben wurden. Er sieht aber hartnäckige Fragezeichen dahinter, ob sie zu ambitioniert oder machbar sind. Der "größte Eyecatcher" sei das Margenziel (bereinigtes Ebit) von 8 bis 10 Prozent für 2028 bis 2030. Der Bloomberg-Konsens für 2028 liege bisher bei rund 6 Prozent.



Bereits am Freitag hatten die Aktien stark profitiert, als die jetzt offiziellen Sparmaßnahmen durchgesickert waren. Die Lufthansa-Aktie befindet sich in einer entscheidenden Phase: Einerseits erhöhen Stellenabbau, Digitalisierung und neue Gewinnziele die Chancen auf eine nachhaltige Erholung. Andererseits drohen Tarifkonflikte und ein möglicher Lufthansa-Stellenabbau in der Verwaltung, der die Belegschaft belastet. Für Anleger bleibt die Lage spannend – die Lufthansa-Aktie bietet Chancen, ist aber mit Risiken behaftet.

Lufthansa-Aktie: Das sagen die Analysten

Die jüngsten Analysteneinschätzungen zur Lufthansa-Aktie zeichnen ein differenziertes Bild. Einerseits sehen Experten strukturelle Risiken, andererseits werden kurzfristige Impulse positiv hervorgehoben. Insgesamt bleibt die Stimmung von Zurückhaltung und vorsichtigem Optimismus geprägt.

Am 24. September bestätigte JPMorgan seine Einstufung auf "Underweight" mit einem Kursziel von 5 Euro. Analyst Harry Gowers verwies auf bestehende operative Herausforderungen und behielt die Einstufung „Negative Catalyst Watch“ bei. Er betonte jedoch, dass der Kapitalmarkttag am 29. September mit neuen Gewinn- und Margenzielen zumindest kurzfristig für Entlastung sorgen könnte. Bereits am 15. September hatte Bernstein Research Lufthansa auf "Market-Perform" belassen, mit einem Kursziel von 7,50 Euro. Analyst Alex Irving hob hervor, dass sinkende Kerosinpreise die Profitabilität im dritten Quartal stützten. Gleichwohl sah er Lufthansa durch schwache heimische Nachfrage stärker belastet als Wettbewerber wie Ryanair. Am 11. September wiederum erhöhte Barclays das Kursziel von 7,20 auf 7,50 Euro und bestätigte „Equal Weight“. Analyst Andrew Lobbenberg verwies auf robuste Nachfrage im Premium-Segment und niedrigere Kosten. Seine Einschätzung zur Lufthansa-Aktie blieb dennoch neutral.

Damit bleibt die Perspektive der Lufthansa-Aktie widersprüchlich: kurzfristige Treiber wie Kerosinpreise und Nachfrage wirken unterstützend, doch strukturelle Belastungen und Nachfrageschwäche lassen Analysten vorsichtig bleiben. Anleger sollten die nächsten Quartalszahlen genau verfolgen.

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Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

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