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Feinripp: Vom Spießer-Image zum Lifestyle-Produkt

Feinripp galt lange als Symbol für Spießigkeit. Nun will Schiesser die Kultstruktur modernisieren und zur Ikone für eine junge Generation machen. Der Traditionshersteller setzt dabei auf Influencer, cleane Designs und ein klares Bekenntnis zu Qualität.
01.10.2025 07:46
Lesezeit: 2 min

Von Opa-Unterwäsche zum Trend: So soll Feinripp cool werden

Von der Unterwäsche der Großväter zum Style-Piece? Feinripp gilt als Stoff der deutschen Alltagskultur. Traditionsmarken müssen jedoch um die junge Zielgruppe kämpfen.

Feinripp als kulturelles Symbol

Kaum ein Gewebe ist so eng mit deutscher Alltagskultur verknüpft wie Feinripp. 1923 brachte der Hersteller Schiesser die elastische, formstabile Struktur auf den Markt und prägte damit Generationen. Feinripp steht für Verlässlichkeit – und zugleich für Spießigkeit. Wie entstaubt man also das Image, um bei der jungen Generation zu punkten?

Jubiläumsjahr als Chance

Zum 150-jährigen Bestehen will Schiesser Feinripp aus dem Wäscheschrank der Eltern in die WGs und Studentenbuden holen. Achtzig Prozent der aktuellen Schiesser-Kunden sind 40 bis 60 Jahre alt. Der Hersteller will die Sichtbarkeit bei Jüngeren deutlich erhöhen.

Seit 2012 gehört das Unternehmen dem israelischen Textilkonzern Delta Galil. Laut Geschäftsführung konnte Schiesser im Geschäftsjahr 2024 wachsen und über 200 Millionen Euro Umsatz erzielen.

Wäsche soll Lifestyle werden

Die Traditionsmarke vom Bodensee will künftig stärker auf Influencer setzen. "2025 haben wir zwei große Creator-Events in Radolfzell umgesetzt, Content für alle Kanäle produziert und unsere Ikone, das gerippte Tanktop, als Style-Piece neu inszeniert", sagt Geschäftsführerin Sonja Balodis. Es gehe nicht darum, eine Person als Leitfigur zu finden. "Wir setzen bewusst auf eine wechselnde Auswahl an Charakteren."

Doch nicht nur die Werbung, auch die Unterwäsche selbst soll zeitgemäßer wirken. Für die Produkte bedeutet das: "moderne Silhouetten, cleane Looks und limitierte Kollektionen", erklärt Balodis, die das Unternehmen seit März leitet. "Die Jubiläumskollektion zeigt genau das Prinzip: Tradition trifft Zeitgeist, ikonische Rippe in frischen Interpretationen."

Branche zeigt stabiles Wachstum

Der Wäschemarkt in Deutschland bleibt trotz anhaltender Krisen und Kaufzurückhaltung stabil. Laut einer Analyse des IFH Köln und der BBE Handelsberatung verzeichnete die Branche zuletzt leichtes Wachstum. Besonders gefragt sind Premium-Segmente und Loungewear – Kleidung für Zuhause –, während klassische Basics verlässlich laufen.

Mehr als 5,6 Milliarden Euro setzte die Branche im vergangenen Jahr um. Das sind rund ein Prozent mehr als im Vorjahr. Auch für 2025 rechnen die Marktexperten mit moderatem Wachstum von 1,1 Prozent. Herrenwäsche erzielt nur knapp die Hälfte der Umsätze, die mit Damenwäsche erwirtschaftet werden.

Innovationsdruck und Online-Konkurrenz

Der Onlinehandel spielt eine zunehmend wichtige Rolle im Wäschemarkt, so Hansjürgen Heinick vom IFH Köln bei Veröffentlichung der Studie. "Dazu drängen asiatische Online-Marktplätze wie Temu und Shein auf den Markt, was den Wettbewerb noch weiter verschärfen dürfte." Soziale Medien und wachsendes Nachhaltigkeitsbewusstsein prägen das Kaufverhalten. Angesichts dieser Dynamik müssten Hersteller reagieren. "Wer jetzt nicht handelt, riskiert trotz Marktstabilität, im Wettbewerb zurückzufallen."

Internationale Marken wie Calvin Klein setzen etwa auf Lifestyle und Sex-Appeal, während Start-ups wie Organic Basics Nachhaltigkeit ins Zentrum stellen. Schiesser hingegen betont seinen Kern: "Originals for Originals" lautet das Leitmotiv, das Authentizität und Beständigkeit hervorheben soll.

Was die junge Zielgruppe sucht

"Jüngere Zielgruppen wollen klare Fits, Layering-Optionen und Styling-Inspiration und Schiesser ist eine Kultmarke", sagt Balodis. Ältere Käufer legen Wert auf Qualität, Komfort und Beständigkeit. Essentials mit perfektem Sitz und hochwertigem Material verkaufen sich sehr gut. Das Tanktop mit Doppelgerippe erlebt gerade ein kleines Revival.

Schiesser habe Feinripp zwar nicht erfunden, aber auf dem breiten Markt etabliert und stark geprägt, so die Geschäftsführerin. "Die Rippstricktechnik hat ihren Ursprung bereits im 19. Jahrhundert."

Das Unternehmen wurde 1875 in Radolfzell gegründet, wo es bis heute ansässig ist. Bei einem Jubiläumsevent am Gründungstag (1. Oktober) will sich die Marke in Stuttgart feiern und dabei auch die "ikonische Rippe" erneut in Szene setzen.

Die elastische, formstabile Hoch-Tief-Struktur wurde zum Synonym für klassische Unterwäsche. "Die Relevanz steigt wieder, weil Qualität, Tragegefühl und Langlebigkeit heute bewusst gesucht werden."

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