Politik

Investitionen in Moldawien: Reformen zahlen sich aus

Ein Land erlebt dank umfassender Reformen einen Aufschwung: Korruption wird zurückgedrängt, die EU-Annäherung schreitet voran und ausländische Direktinvestitionen in Moldawien steigen deutlich. Doch während Moldawien zeigt, dass Integration Wachstum bringt, kämpft die EU mit eigenen Blockaden und überlässt China freie Hand.
03.10.2025 17:37
Lesezeit: 2 min

Europäische Integration als Chance für Investitionen in Moldawien

Moldawien und andere Länder Südosteuropas können noch zeigen, dass die europäische Integration Sinn ergibt und zu schnellerer wirtschaftlicher Entwicklung führt. Auch wenn es nicht allen gleich gut geht. Die Länder Südosteuropas, die noch nicht zur Europäischen Union gehören, sind potenziell sehr attraktive Investitionsziele. Sie haben die Chance, denselben Entwicklungsweg einzuschlagen wie andere Länder Mitteleuropas, die in den letzten 20 Jahren der EU beigetreten sind. Die wirtschaftlichen Prognosen für diese Länder sind positiv, Kapital fließt in zunehmendem Maße. Allerdings ist das gesamte Projekt der europäischen Integration nicht mehr so attraktiv wie früher und entfaltet nicht mehr die gleiche Reformdynamik.

Ein gutes Beispiel für Reformbemühungen ist Moldawien, wo am Wochenende die proeuropäische Partei Aktion und Solidarität, die mit Präsidentin Maia Sandu verbunden ist, die Parlamentswahlen gewann. Das Land versucht seit einigen Jahren, alles zu tun, um so schnell wie möglich in die EU einzutreten. Es führt Reformen durch, die der Justiz Unabhängigkeit verschaffen, bekämpft schrittweise die Korruption, integriert den Energiemarkt in die EU und reformiert Wahl- sowie Medienrecht.

Hinsichtlich des Tempos der Veränderungen ist Moldawien führend unter den Ländern Südosteuropas. Das zeigt sich deutlich im Korruptionsindex: Noch 2015 war Moldawien eines der korruptesten Länder der Welt, heute weist es bessere Werte auf als Serbien.

Positive wirtschaftliche Signale

Die positiven Folgen der Veränderungen sind in den makroökonomischen Indikatoren sichtbar. Nach einigen Jahren Pause beginnen ausländische Direktinvestitionen wieder nach Moldawien zu fließen. Im ersten Quartal betrugen sie 125 Millionen US-Dollar gegenüber 47 Millionen im Vorjahr. In absoluten Zahlen sind das noch sehr kleine Summen, doch die Richtung ist entscheidend. Unter den Unternehmen, die ihre Aktivitäten in diesem Land ausbauen, befindet sich auch der polnische Konzern Maspex, der den großen Spirituosenproduzenten Purcari Wineries übernommen hat.

Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeigen, dass Moldawien in den Jahren 2027 bis 2029 mit einem Tempo von fünf Prozent pro Jahr wachsen könnte – schneller als jedes andere Land der Region und schneller als der historische Durchschnitt dieses Landes von 3,8 Prozent. Derzeit ist das Wachstum noch niedrig, aber das soll sich ändern.

Region profitiert von EU-Nähe

Generell profitiert die gesamte Region Südosteuropas (Moldawien und die westlichen Balkanstaaten) von der wirtschaftlichen Annäherung an die Europäische Union. Der Zufluss ausländischer Direktinvestitionen in diese Länder beträgt derzeit zehn Milliarden US-Dollar pro Jahr und ist doppelt so hoch wie vor zehn Jahren. Damit zählt die Region zu den dynamischsten Investitionsräumen Europas. Das Wirtschaftswachstum liegt zwischen drei und vier Prozent pro Jahr – deutlich höher als in den EU-Mitgliedsstaaten.

Im Jahr 2023 verabschiedete die Union einen Entwicklungsplan für die westlichen Balkanstaaten, der eine schrittweise Zulassung der Region zu ausgewählten Bereichen des Binnenmarktes im Austausch für konkrete Reformen vorsieht. Die wirtschaftliche Integration dieser Länder mit den EU-Märkten läuft bereits: Der freie Waren- und Dienstleistungsverkehr wird erweitert, die Zahlungsintegration vorangetrieben, gemeinsame Transport- und Energienetze gestärkt und Finanzinstrumente aktiviert.

Kann die EU den Reformzug im Osten noch führen?

Für Deutschland sind die Investitionen in Moldawien von hoher Bedeutung. Deutsche Unternehmen, die traditionell stark in Osteuropa engagiert sind, könnten von einem frühen Einstieg in den moldawischen Markt profitieren – ähnlich wie in Polen oder Tschechien nach deren EU-Beitritt. Besonders interessant sind die Sektoren Energie, Lebensmittelindustrie und Infrastruktur. Zugleich kann eine stabile Reformdynamik in Moldawien und Südosteuropa dazu beitragen, die deutsche Abhängigkeit von chinesischem Kapital und Lieferketten zu verringern.

Die jüngsten Investitionen in Moldawien zeigen, dass Reformbereitschaft Kapital anzieht und Wachstum fördert. Während Länder wie Serbien bei politischen Reformen stagnieren, geht Moldawien voran. Doch auch die Europäische Union steht auf dem Prüfstand: Ihre Attraktivität und Handlungsfähigkeit entscheiden darüber, ob die Reformkräfte in Südosteuropa gestärkt oder geschwächt werden.

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