Politik

Trumps Fed-Vertreter: Zölle eröffnen Spielraum für Zinssenkungen

Während die US-Notenbank über das richtige Tempo bei Zinssenkungen ringt, verlangt Trumps neuer Fed-Mann Stephen Miran eine radikale Lockerung. Seine Begründung: Zölle und Einwanderungsstopp hätten die „neutrale“ Zinsbasis gesenkt – und damit Tür und Tor für billigere Kredite geöffnet.
10.10.2025 18:31
Lesezeit: 2 min

Trumps Einfluss auf die Fed wächst – und die Finanzmärkte reagieren nervös

Nahezu alle Mitglieder der US-Notenbank Federal Reserve sind sich einig, dass die Zinsen gesenkt werden müssen. Das geht aus dem Protokoll der jüngsten Sitzung des geldpolitischen Ausschusses im September hervor. Uneinigkeit herrscht jedoch darüber, wie viele Zinssenkungen bis zum Jahresende nötig sind. Präsident Trumps Fed-Mitglied Stephen Miran will schnell Druck herausnehmen – und verweist dabei auf die Zölle. Das berichten die Kollegen von Dagens Industri.

Bei der Sitzung im September beschloss der Offenmarktausschuss, den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 4 bis 4,25 Prozent zu senken. Ausschlaggebend war vor allem die sich abkühlende Lage am Arbeitsmarkt. Nun liegt auch das Sitzungsprotokoll vor. Es zeigt: Die Entscheidung fand breite Unterstützung, doch die Meinungen darüber, wie weit die geldpolitische Lockerung gehen soll, gehen auseinander. Von den 19 Ausschussmitgliedern erwarten laut dem veröffentlichten „Dot Plot“ zehn noch zwei weitere Zinssenkungen im Jahr 2025, während neun mit drei zusätzlichen Senkungen rechnen – einschließlich der bereits beschlossenen Maßnahme. Stimmrecht haben nur zwölf Mitglieder, doch auch unter ihnen zeigte sich ein gespaltenes Bild. Bei den Stimmberechtigten fiel die Entscheidung mit 11 zu 1 Stimmen zugunsten der Senkung um 25 Basispunkte aus. Die einzige Gegenstimme kam vom neu berufenen Fed-Gouverneur Stephen Miran, einem Trump-Vertrauten, der erst wenige Stunden vor Sitzungsbeginn sein Amt angetreten hatte. Er plädierte für eine deutlich kräftigere Zinssenkung um 50 Basispunkte und wich auch in seiner Zinsprognose spürbar von den übrigen Mitgliedern ab.

Trump-Vertrauter Miran drängt auf schnellere Lockerung

Im Gegensatz zur nahezu geschlossenen Mehrheit, die für schrittweise Senkungen und vorsichtiges Vorgehen eintritt, drängt Miran – von Präsident Donald Trump nominiert – auf ein schnelleres Absenken der Zinsen, um einer schwächelnden Arbeitsmarktlage zu begegnen. Seine Kollegen wollen dagegen behutsamer agieren. Miran begründete seine Haltung damit, dass der „neutrale Zins“ infolge gestiegener Zolleinnahmen und einer restriktiveren Einwanderungspolitik, die das Bevölkerungswachstum dämpft, gesunken sei. Mehrere Mitglieder verwiesen laut Protokoll darauf, dass wirtschaftliche Indikatoren darauf hindeuten, dass die Geldpolitik inzwischen nicht mehr besonders restriktiv sei – was aus ihrer Sicht für ein abwartendes Vorgehen spreche. Zugleich stellten die Mitglieder fest, dass die Inflation wieder gestiegen sei und nun über dem 2-Prozent-Ziel der Notenbank liege.

Die Zollerhöhungen der Trump-Regierung hätten zwar zur Teuerung beigetragen, allerdings weniger stark als erwartet. Einige Mitglieder nannten zudem einen Produktivitätsschub als Faktor, der den Preisdruck teilweise abgefedert habe. Während manche Ökonomen argumentierten, dass die Inflation – bereinigt um die Zolleffekte – nahe am Ziel liege, warnten andere, der Fortschritt bei der Inflationsbekämpfung sei ins Stocken geraten. Das Prognosematerial der Fed deutet darauf hin, dass in den Jahren 2026 und 2027 jeweils eine weitere Zinssenkung folgen dürfte, bevor sich der Leitzins langfristig in einer Spanne um 3 Prozent stabilisiert.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
avtor1
Emanuel Sidea

Zum Autor:

Emanuel Sidea ist seit mehr als 20 Jahren als Journalist tätig und arbeitet derzeit in New York als US-Korrespondent für die schwedische Zeitung Dagens Industri.

DWN
Finanzen
Finanzen Shein an der Börse: Wer bei Fast Fashion jetzt vorn liegt
05.09.2026

Der chinesische Konzern Shein hat sich an der Börse den größten Namen der Fast Fashion angeschlossen. Doch wie läuft es bei seinen...

DWN
Politik
Politik 37 Jahre alt und rund 15 Milliarden Euro schwer: Das ist Mario Draghis neuer Partner
05.09.2026

Der frühere EZB-Chef und ehemalige italienische Ministerpräsident Mario Draghi hat sich mit einem irischen Tech-Milliardär...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bahn-Sanierung ohne monatelange Vollsperrungen: VCD legt Gegenentwurf vor
05.09.2026

Die Bahn will ihr marodes Schienennetz mit groß angelegten Generalsanierungen zuverlässiger machen. Doch das bisherige Konzept bringt...

DWN
Finanzen
Finanzen Restaurant-Aktien: Zwei Wachstumswetten für die nächsten 20 Jahre
05.09.2026

Tech-Aktien gelten als erste Adresse für spektakuläres Wachstum. Doch zwei Restaurantketten aus den USA könnten Anlegern langfristig...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deepal S05 im Test: Der Chinese, der keiner sein will
05.09.2026

Der Deepal S05 kommt aus China, trägt aber deutlich europäische Züge. Entworfen wurde der Elektro-SUV in Turin, und genau das merkt man...

DWN
Politik
Politik Landtagwahl in Sachsen-Anhalt: Was Sie über die Sachsen-Anhalt-Wahl wissen sollten
05.09.2026

Sachsen-Anhalt steht vor einer Wahl, deren Folgen weit über Magdeburg hinausreichen könnten. Die AfD liegt vorn, mögliche Mehrheiten...

DWN
Finanzen
Finanzen Anleihen: Warum Schulden so teuer sind wie lange nicht
05.09.2026

Die Renditen langfristiger Staatsanleihen großer Volkswirtschaften sind auf Niveaus gestiegen, die teils seit der Finanzkrise nicht mehr...

DWN
Technologie
Technologie Biometrie-Panne: Die gefährlichste Rolle ist der Zwilling
05.09.2026

Manche Dinge sind offenbar selbst für die klügsten Systeme eine zu große Herausforderung. Und dies ist eine Glosse genau über diese...