Technologie

Trotz Grünstrom-Rekord geht Energiewende nicht schnell genug

Die weltweite Energiewende erreicht neue Rekorde: Nie zuvor wurde so viel Grünstrom installiert. Doch trotz Wachstum reicht das Tempo nicht, um die Klimaziele bis 2030 zu sichern. Während die Kapazität erneuerbarer Energien weiter steigt, droht das 1,5-Grad-Ziel zu scheitern.
18.10.2025 09:02
Lesezeit: 2 min

Rekord bei erneuerbaren Energien: Ausbautempo reicht nicht

Die Kapazität erneuerbarer Energien wächst so schnell wie nie – doch das Tempo bleibt unzureichend, um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen. Trotz Rekordwachstums beim Ausbau erneuerbarer Energien kommen die Staaten weltweit nicht schnell genug voran, um ihre selbst gesteckten Ziele zu erfüllen. Dies zeigt eine Zwischenbilanz der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (Irena).

Die neu installierte Leistung aus erneuerbaren Energien wie Sonne, Wind und Wasserkraft lag 2024 bei rund 582 Gigawatt – ein Rekord und ein Plus von gut 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das reicht jedoch nicht aus, um das auf der UN-Klimakonferenz von Dubai 2023 vereinbarte Ziel zu erreichen, dass sich die Kapazität bis 2030 auf 11,2 Terawatt verdreifachen soll. Nötig wären ab sofort jährlich zusätzlich 1.122 Gigawatt Kapazität. Ein Gigawatt entspricht einer Million Kilowatt.

Auch beim Ziel, bis 2030 die Energieeffizienz zu verdoppeln, liegt das Tempo zu niedrig. Die jährliche Wachstumsrate beträgt aktuell rund ein Prozent, nötig wären jedoch vier Prozent.

1,5-Grad-Ziel in Gefahr

Die Fortschritte bei der Energiewende sind auch Thema der Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen, die am 10. November in Brasilien beginnt. UN-Generalsekretär António Guterres erklärte, erneuerbare Energien seien nun schneller und günstiger verfügbar als die klimaschädlichen fossilen Brennstoffe Öl, Gas und Kohle. «Doch das Zeitfenster, um das 1,5-Grad-Limit einzuhalten, schließt sich rapide. Wir müssen die gerechte Energiewende vorantreiben, ausweiten und beschleunigen – für alle, überall.»

Das 2015 auf dem Pariser UN-Klimagipfel beschlossene Ziel, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen, gilt als kaum noch erreichbar. Das Jahr 2024 hat bereits die 1,5-Grad-Grenze überschritten. Als verfehlt gilt das Ziel aber offiziell erst nach einer mehrjährigen Überschreitung.

G20-Staaten sollen vorangehen

In dem Irena-Bericht heißt es weiter, die G20-Staaten, also die größten Industrie- und Schwellenländer, müssten beim Ausbau der erneuerbaren Energie die Führung übernehmen. Sie würden bis 2030 voraussichtlich mehr als 80 Prozent der weltweiten Kapazität bereitstellen. Zudem bedürfe es dringend massiver Investitionen in Netze, Lieferketten und in die Produktion von Technologien für Solar- und Windenergie, Batterien und sogenanntem grünen Wasserstoff.

Für Europa hatte die Allianz Trade den jährlichen Investitionsbedarf in Stromnetze und Energiespeicher im Sommer auf 95 bis 130 Milliarden Euro beziffert. Der höchste Bedarf besteht demnach in Deutschland.

Vergangene Woche zeigte eine Studie der Denkfabrik Ember, dass im ersten Halbjahr 2025 erstmals weltweit mehr Grünstrom als Kohlestrom erzeugt wurde. Der Anteil der Erneuerbaren am globalen Strommix stieg auf 34,3 Prozent, der Kohleanteil sank auf 33,1 Prozent.

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